UMBAU: Stadtrat will Spitex-Struktur aufräumen

Dicke Post fürs Stadtparlament: Der Stadtrat geht in einem umfassenden Bericht ein heikles Thema an. Er will die Struktur der Spitex grundlegend umbauen. An die Stelle der vier heutigen Spitex-Vereine soll ab 2020 eine Einheitsorganisation treten.

Reto Voneschen
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Durch ihre Pflegeleistungen ermöglicht die Spitex betagten Personen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Angesichts der Alterung der Gesellschaft wird in den nächsten Jahren die Bedeutung der Spitex stark ansteigen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Biel, 26. Oktober 2016))

Durch ihre Pflegeleistungen ermöglicht die Spitex betagten Personen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Angesichts der Alterung der Gesellschaft wird in den nächsten Jahren die Bedeutung der Spitex stark ansteigen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Biel, 26. Oktober 2016))

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Dass vier Vereine im Auftrag der öffentlichen Hand nebeneinander auf St. Galler Stadtgebiet Spitex-Leistungen anbieten, ist alles andere als effizient. Das ist keine neue Erkenntnis: Seit 2005 versucht die Stadt vielmehr, die organisatorischen Verhältnisse in dem Bereich zu verbessern. Gewisse Fortschritte wurden zwar erzielt, die Fusion der vier Spi­tex-Vereine zu einer effizienteren und unter dem Strich kostengünstigeren Einheitsorganisation ist aber bisher gescheitert. Dies aus dem ganz einfachen Grund, dass die vier gewachsenen Vereine einem solchen Schritt skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.

Vier Vereine nebeneinander sind nicht nötig

Dass bei der Spitex Handlungsbedarf besteht, wurde im Laufe der Jahre immer deutlicher. 2013 haben daher vier bürgerliche Parlamentsmitglieder ein Postulat eingereicht. Unter dem für gewisse Betroffene provokativen Titel «Braucht die Stadt vier Spitex-Organisationen?» verlangten Jennifer Deuel (FDP) sowie Susanne Gmünder, Barbara Hächler und Michael Hugentobler (alle CVP) von der Stadtregierung einen Bericht zu diesem Thema. Der liegt jetzt vor und lässt an Klarheit keine Wünsche offen.

So beantwortet der Stadtrat die Titelfrage des Vorstosses mit einem klaren «Nein». Vier Spitex-Organisationen auf Stadtgebiet sind nicht zielführend. Und die Exekutive zieht aus dieser Antwort eine klare Konsequenz: Ab 1. Januar 2020 sollen die Spitex St. Gallen-Ost, die Spitex St. Gallen-West, die Spitex Notker und die Stadt-Spitex durch eine neu zu gründende Spitex-Organisation für ganz St. Gallen abgelöst werden. Sie hat dann die Aufgabe, den gesetzlichen Versorgungsauftrag mit Spitex-Dienstleitungen für die ganze Stadt zu erfüllen. Mit der Einheitsorganisation will die Stadt eine Leistungsvereinbarung abschliessen, wie sie heute mit jedem der vier Spitex-Vereine besteht.

Stadt will auf Entwicklungen rascher reagieren können

Der Stadtrat erhofft sich von der Restrukturierung Vorteile bei der Qualitätsentwicklung, der Nutzung von Ressourcen und der Optimierung von Prozessen. Unter anderem sollen Doppelspurigkeiten in Führung und Administration ausgemerzt werden können. Von den damit möglichen Einsparungen erhofft sich der Stadtrat mindestens eine dämpfende Wirkung bei der künftigen Entwicklung der Kosten. Weiter ist der Stadtrat davon überzeugt, dass mit einer einheitlichen Spi­tex-Organisation die strategische Führung dieses Bereichs wie auch das Reagieren auf neue Entwicklungen einfacher möglich sein wird.

Der Forderung nach Zusammenlegung der vier Spitex-Vereine wurde in der Vergangenheit auch mit der Aussage begegnet, dass dieser Weg für die Stadt sicher teurer werde, weil dann ehrenamtlich geleistete Vorstandsarbeit wegfallen würde. Diesem Argument widerspricht der Stadtrat in der Parlamentsvorlage dezidiert: Der Vergleich der heutigen Situation mit der noch hypothetischen Einheitsorganisation zeige, dass die Behauptung falsch sei. Der Abbau heute vierfach nebeneinander geführter Strukturen setze Ressourcen frei, die es erlauben würden, die zentralen Dienste zu stärken.

Fusion scheiterte am Widerstand der Vereine

Statt der Neugründung einer Einheitsorganisation für die Spitex hätte der Stadtrat die Fusion der vier bestehenden Spitex-Vereine bevorzugt. Nachdem frühere Versuche dazu an deren Widerstand gescheitert sind, will die Stadtregierung jetzt nicht mehr auf diese Strategie setzen. Der Prozess zur Schaffung der Einheitsorganisation soll aber «partnerschaftlich» sein. Bisherige Leistungserbringer, die bei diesem Schritt mitmachen wollen, sollen teilnehmen können. Für die Neugründung der Spitex-Ein­heitsorganisation wird eine externe Projektleitung in­stalliert, die den ganzen Umbauprozess begleiten soll.

Die bisherigen vier öffentlichen Spitex-Organisationen auf Stadtgebiet sollen gemäss Parlamentsvorlage das Angebot erhalten, ihren Betrieb oder Teile davon in die neue Einheitsstruktur einzubringen. Für die Besetzung der strategischen Führung der neuen städtischen Spitex-Organisation werden Anforderungsprofile definiert und danach geeignete Personen gesucht. Die Kaderstellen in der neuen Organisation werden ausgeschrieben. Das Betriebspersonal der bisherigen Vereine kann von der neuen Organisation übernommen werden. Gemäss Stadtrat nach dem zu erwartenden Personalbedarf und «zu den branchenüblichen Konditionen».

Pflege und Hilfe zu Hause

UNTERSTÜTZUNG Pflege- und Hilfsleistungen für Seniorinnen und Senioren werden angesichts der Alterung der Gesellschaft immer wichtiger. Allein schon aus Kostengründen möchte die Politik den Eintritt ins Alters- oder Pflegeheim so lange als möglich hinausschieben. Damit das im hohen Alter möglich ist, braucht es Unterstützung. Dabei wird unterschieden in die kassenpflichtige «Pflege zu Hause» und in die «Hilfe zu Hause».

Die vier öffentlichen Spitex-Organisationen der Stadt erbringen den Löwenanteil ihrer Leistungen in der Pflege. 2016 waren das 84000 Stunden. Nicht kassenpflichtige hauswirtschaftliche Dienstleistungen im Auftrag der Stadt werden neben den Spitex-Organisationen vor allem auch von der Pro Senectute sowie dem Haushilfe- und Entlastungsdienst der Frauenzentrale erbracht. 2016 waren das insgesamt über 110000 Stunden. (vre)

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