Übernimmt ein Grosser gleich alle?

Ihre sechs gastronomischen Pachtbetriebe liess die Stadt Arbon ausschreiben, was teils harsche Kritik auslöste. 15 Interessenten haben sich auf die Ausschreibungen gemeldet, darunter fünf bisherige Pächter. Mehrere investitionsbereite Grosse wollen gleich das ganze Portefeuille.

Max Eichenberger
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Das Strandbadrestaurant ist einer von sechs Gastrobetrieben der Stadt Arbon, deren Pacht ausgeschrieben wurde. (Bild: Max Eichenberger)

Das Strandbadrestaurant ist einer von sechs Gastrobetrieben der Stadt Arbon, deren Pacht ausgeschrieben wurde. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Fünfzehn Bewerbungsdossiers seien eingereicht worden, teilt die Medienstelle der Stadt mit. Der Stadtrat sei erfreut über das Interesse. Er werte das Echo als positives Zeichen für die zukünftige Qualität dieser Betriebe, heisst es weiter.

Ziel: Rentablere Basis

Das Panorama-Restaurant Seepark und die Wirtschaft zum Schloss werden von den Pächtern ganzjährig geführt. Das Strandbadrestaurant sowie die Kioskwirtschaften beim Camping, Schwimmbad und Hafen sind saisonale Betriebe. Per Ende Dezember hat Renato Blättler, Pächter der Wirtschaft zum Schloss, den Vertrag gekündigt. Beim Strandbadrestaurant gibt es zumindest eine Übergangslösung.

Im Sommer hatte der Stadtrat seine Absicht angekündigt, die Betriebe auszuschreiben. Dies in der Überlegung, sie «weiterzuentwickeln» und auf eine rentablere Basis zu stellen sowie das Angebot aufzuwerten. Es ist dies eine der Massnahmen, die der Bericht zur Aufgaben- und Leistungsüberprüfung empfohlen hat, um eine höhere Kostendeckung der von der Stadt verpachteten Gastronomiebetriebe zu erreichen. Gesucht würden «Pächter mit innovativen Ideen und Konzepten», die in Eigenregie Investitionen tätigten.

Das unsensible Vorgehen des Stadtrates und die mangelhafte Kommunikation hatten indes teils harsche Kritik ausgelöst – auch im Stadtparlament. Es sei «unnötig Geschirr zerschlagen worden».

Investitionsbereitschaft erwartet

Fragen von Parlamentariern blieben unbeantwortet, etwa zum Investitionsbedarf oder zu konzeptionellen Vorstellungen. Konzepte – und auch Investitionsbereitschaft – erwartet der Stadtrat von Bewerbern selber. Am liebsten sähe es der Stadtrat wohl, wie Stadtammann Andreas Balg angedeutet hatte, ein Interessent/Investor würde in Arbon gross einsteigen und die Betriebe aus einer Hand führen. «Die Verträge und Vereinbarungen sollen genügend unternehmerischen Spielraum zulassen», um Investitionen in Eigenregie tätigen zu können. Im Gegenzug gewähre die Stadt langfristige Verträge.

Auch Brühwiler dabei

Beauftragt hatte der Stadtrat mit der Ausschreibung die Awitgoup ag; sie erfolgte im August. Der Auftrag sei deshalb an das Beratungsunternehmen ergangen, «weil die Kapazität und das Fachwissen für die betriebswirtschaftliche Berechnung von Gastronomieunternehmen, der Gewinnung von potenziellen Interessenten und der anschliessenden Erstellung von Verträgen innerhalb der Stadtverwaltung nicht im nötigen Umfang vorhanden sind», begründet die Stadt in ihrem Zwischenbericht.

Unter den fünfzehn Bewerbern seien auch bisherige Pächter. Auf Nachfrage hin bestätigt Stadtammann Balg, dass mit Ausnahme von Renato Blättler (Wirtschaft zum Schloss) alle bisherigen Pächter unter den Bewerbern sind – auch Panorama-Restaurant-Wirt Martin Brühwiler. Unter den zehn übrigen befänden sich auch Gastro-Player, «die an allen sechs Betrieben interessiert sind und zudem in der Lage wären zu investieren».

«Türe weiter offen»

Jetzt prüfe die Awitgroup die Bewerber, deren Motivation und Konzepte. Gespräche würden bis Ende März geführt. Bis dann bestehe aber weiter die Möglichkeit, Interesse anzumelden. «Die Türe halten wir noch offen», sagt Andreas Balg. Bei der Wirtschaft zum Schloss bemühe man sich zwar um einen nahtlosen Übergang. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass sie einige Monate geschlossen bleiben werde.

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