ÜBERBAUUNG: Der Tröckneturm als Nachbar

Westlich des Burgweiers will die Ortsbürgergemeinde eine Wiese mit Mietwohnungen überbauen. Sie sucht dafür nicht nur einen Architekten, sondern gleich auch einen Investor. Der Wettbewerb läuft.

Christina Weder
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Eine Wiese mitten in der Stadt: Das Bauland der Ortsbürgergemeinde mit Ahorn-Kapelle und Tröckneturm im Hintergrund. (Bild: Michel Canonica)

Eine Wiese mitten in der Stadt: Das Bauland der Ortsbürgergemeinde mit Ahorn-Kapelle und Tröckneturm im Hintergrund. (Bild: Michel Canonica)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen beabsichtigt, einen Teil des Areals Waldacker mit Mietwohnungen zu überbauen. Beim Baugebiet handelt es sich um eine grüne Wiese, die zwischen Zürcher- und Fürstenlandstrasse, westlich des Burgweiers, liegt. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Ahorn-Kapelle und der Tröckneturm. Südlich grenzt eine ältere Wohnsiedlung daran an. Die Wiese ist derzeit an einen Landwirt verpachtet.

Reges Interesse am Wettbewerb

Die Ortsbürgergemeinde realisiert die Überbauung nicht selbst, sondern gibt das Land im Baurecht ab. Um zu bestimmen, wer es bekommt, führt sie einen Studienauftrag durch. Für diesen mussten sich Investoren, Architekten und Landschaftsarchitekten zu Bietergemeinschaften zusammenfinden.

Das Interesse am Wettbewerb sei gross, sagt Erwin Selva, Bürgerrat und Geschäftsleiter der ERR Raumplaner AG, die mit der Durchführung des Wettbewerbs beauftragt ist. 34 Teams haben sich angemeldet. Sie haben bis Ende März Zeit, ein Architekturprojekt und die Offerte des Baurechtszinses einzureichen. Danach wird eine Jury darüber befinden, die sich aus Vertretern der Ortsbürgergemeinde und Fachpreisrichtern zusammensetzt.

Laut Bürgerratspräsident Arno Noger sind bei der Beurteilung zwei Punkte entscheidend: «Zum einen muss der Baurechtszins stimmen, zum anderen die Architektur überzeugen.» Im Mai soll feststehen, wer den Zuschlag erhält. Unter den Investoren, die sich zum Wettbewerb angemeldet haben, finden sich Pensionskassen, Private und Wohnbau­genossenschaften – nicht nur aus St. Gallen, auch aus Zürich.

Das Ziel sei, an zentraler Lage eine Überbauung «mit hoher Wohnqualität» zu ermöglichen. «Das Gebiet ist zwar nicht die meistgesuchte Wohnlage», sagt Raumplaner Erwin Selva. Doch es sei gut erschlossen und an den öffentlichen Verkehr angebunden. Das Stadtzentrum ist schnell erreichbar. Sportzentren, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Umgebung.

«Wir wollen das Gebiet aufwerten und den Bevölkerungsmix verbessern», sagt Bürgerratspräsident Noger. Auch für ­Familien soll es attraktiv sein. Ein Kinderspielplatz oder ein Begegnungsort für Jung und Alt sind in der Überbauung vorgesehen. Gegenüber Mehrgenerationenwohnungen zeigt sich die Ortsbürgergemeinde aufgeschlossen.

Mitten in der Stadt und doch im Grünen

Auch auf die Umgebungsgestaltung legt die Ortsbürgergemeinde im Studienauftrag Wert. Im Norden grenzt das Bauland an den sogenannten Grünzug West. Dabei handelt es sich um einen geplanten Naturkorridor, der mitten durchs Siedlungsgebiet führen soll. Auf dieses städtische Vorhaben nehme man Rücksicht, sagt Noger: «Um nicht mit dem Richtplan in Konflikt zu kommen, nehmen wir weniger Bauland in Anspruch, als wir zur Verfügung hätten.» So wird zwischen dem Burgweierweg und der Überbauung ein breiter Wiesenstreifen nicht überbaut. Dort plant die Stadt, den kanalisierten Burgweierbach zu renaturieren und ökologisch aufzuwerten.

Arno Noger rechnet damit, dass – wenn jetzt alles optimal läuft – ab Sommer 2018 gebaut werden kann.