ÜBERBAUUNG: Anwohner gegen Schlossherr

Auf dem Areal des Schlosses Wiggen planen Bodenbesitzer und Gemeinde zwölf neue Häuser. Die Anwohner bekämpfen das Projekt. Die Zufahrtsstrasse soll über das Schlossareal führen statt durchs Quartier.

Janina Gehrig
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Die Einfahrt zum neuen Quartier soll über die Wiggenrainstrasse und zwischen den Hecken (rechts) durchführen. (Bild: Janina Gehrig)

Die Einfahrt zum neuen Quartier soll über die Wiggenrainstrasse und zwischen den Hecken (rechts) durchführen. (Bild: Janina Gehrig)

Janina Gehrig

janina.gehrig@tagblatt.ch

In den Gärtchen entlang der Wiggenrainstrasse in Rorschacherberg liegen Mosaike aus Kieselsteinen, da und dort ragen Fahnenstangen hinter dem Gebüsch hervor. Die Vögel zwitschern. Aus der Ferne ist ein Rasenmäher zu hören. Hier, am Ende der Quartiertrasse, wo ein Baum mit Sitzbank eine Art Kreisel bildet, sollen bald die Lastwagen durchfahren. 40-Tönner, mit fünf Pneus pro Seite, wie Stéphane Würgler sagt. Lastwagen, die mindestens zweimal vor- und zurücksetzen müssten, um die Kurve zu kriegen. «Hier führt der Schulweg unserer Kinder durch. Wir haben Angst um ihre Sicherheit», sagt Würgler. Die Lastwagen würden Baumaterial herkarren, jahrelang – falls das Projekt, die Überbauung des Areals Schloss Wiggen, tatsächlich zu Stande kommt.

Gegen die Planungsauflage hat Würgler zusammen mit über 30 Nachbarn Einsprache erhoben.

Neun Einfamilienhäuser, drei Mehrfamilienhäuser

Auf dem Areal um den ehemaligen Gutsbetrieb hat die Gemeinde zusammen mit den Eigentümern Alice und Peter Zellweger neun Einfamilienhäuser sowie drei Mehrfamilienhäuser mit je drei grosszügigen Wohnungen und einer Tiefgarage geplant. Vorgesehen sind insgesamt rund 40 Parkplätze. Die Einfamilienhäuser sollen die bestehende Siedlung um zwei Häuserzeilen erweitern. Die Mehrfamilienhäuser – gemäss Bericht drei «exklusive Punkthäuser mit unverbaubarer Seesicht» – sollen weiter unten in der Nähe der geschützten historischen Mauer zu stehen kommen. Diese Teilfläche, die in der Landwirtschaftszone liegt, möchte die Gemeinde in eine Bauzone umwandeln. Im Gegenzug sollen im Gebiet Vogelherd rund 3000 Quadratmeter unbebaute Bauzone in Landwirtschaftszone ausgezont werden.

Was Anwohner wie Würgler am meisten stört: Das Neubaugebiet, das sich auf einer Fläche von 2,6 Hektaren erstreckt, soll über die Wiggenrainstrasse erschlossen werden. Dafür muss eine neue, dreieinhalb bis fünf Meter breite Strasse gebaut werden.

Ruth Gradenecker bewohnt das letzte Haus an der Wiggenrainstrasse. Ihr droht deswegen die Enteignung eines kleinen Grundstückteils. Gradenecker, Gründerin der IG Wiggen, die gegen das Projekt kämpft, fühlt sich von der Gemeinde überrumpelt. Die Behörden hätten zwar das Gespräch mit den Anwohnern gesucht. «Auf unsere Bedenken ist jedoch nicht im Geringsten eingegangen worden. Wir werden den Eindruck nicht los, dass gemauschelt wird. Die Gemeinde schützt den Schlossherren», sagt sie. Die Zugangsstrasse zu den geplanten Häusern, finden die Anwohner, könne ebenso gut über das Grundstück des Eigentümers und die Warteggstrasse führen.

Gemeindepräsident Beat Hirs macht keinen Hehl daraus, dass die Gemeinde von Zellwegers Plänen profitiert. Er spricht von einer «massvollen Erweiterung eines bestehenden Einfamilienhausquartiers». Zur Erschliessung sagt er: «Eine Zufahrt durch das Schlossareal würde sich nicht mit den denkmalpflegerischen Zielen vertragen.» Der Kiesweg, der heute zum Schloss führt, dürfe nicht geteert werden. Die Wiggenrainstrasse hingegen sei sehr gut ausgebaut. Er habe Verständnis für die Sorgen der Anwohner. «Aber man kann neue Häuser nun mal nicht einfliegen lassen. Wo gebaut wird, gibt es vor­übergehend Verkehr.» Schliesslich sei es im öffentlichen Interesse, dass die Gemeinde in bestehendem Siedlungsgebiet statt an Ortsrändern bauen lasse.

Bis die Einsprachen bereinigt sind, werden Monate vergehen. Unabhängig davon kann gegen die Zonenplanänderung das fakultative Referendum ergriffen werden. Dass die Zufahrtsstrasse gebaut wird, ist laut Hirs jedoch so gut wie sicher. Schon bei der Entstehung des Quartiers sei dafür «vorausschauend eine Baulinie ausgeschieden worden», eine Strasse sozusagen reserviert worden.

Gradenecker gibt sich kämpferisch. «Wir werden so lange opponieren, wie uns das Geld dafür reicht», sagt die Anwohnerin.