UBS verkauft Sitz am Multertor

ST.GALLEN. Der Renaissancebau gegenüber dem Broderbrunnen passt offenbar nicht mehr ins Immobilienportfolio der UBS. Sie will ihn nun verkaufen, um ihn dann zurückzumieten – allerdings nicht mehr die ganze Fläche.

Elisabeth Reisp
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Ein Bankpalast zwischen Neurenaissance und Neubarock: Der Geschäftssitz der UBS St.Gallen am Eingang zur Altstadt beim Multertor. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Bankpalast zwischen Neurenaissance und Neubarock: Der Geschäftssitz der UBS St.Gallen am Eingang zur Altstadt beim Multertor. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist eines der prächtigsten Gebäude in der Stadt St. Gallen, der herrschaftliche Bau an der Neugasse 54, lokaler Geschäftssitz der UBS. Die Grossbank will das Haus nun abstossen. Nur eine Handvoll Bieter wurde eingeladen, Angebote einzureichen.

Gehört nicht zum Kerngeschäft

Auf Anfrage äussert sich die UBS sehr zurückhaltend. Der Verkauf ändere nichts am «starken Bekenntnis zum Standort St. Gallen». Der Verkauf des «Multertors» – wie die UBS diese Immobilie nennt – stehe in Zusammenhang mit der allgemeinen Bewirtschaftung des Immobilienportfolios. Die Kommunikationsstelle der Grossbank schreibt weiter: In diesem Zusammenhang prüfe die UBS seit einiger Zeit den Verkauf von Immobilien, die keinen direkten Bezug zum Kerngeschäft hätten.

Zum Kerngeschäft gehört die Immobilie gegenüber dem Broderbrunnen vielleicht nicht. Doch ist sie seit jeher ein Bankhaus. Und sie steht auch für die Ursprünge der UBS. Erbaut wurde das Haus zwischen 1889 und 1891 als Sitz der Schweizerischen Unionbank. Diese war erst im Jahr zuvor aus der Fusion des Bankhauses Jakob Brunner mit der Deutsch-Schweizerischen Kreditbank entstanden. Die Unionbank wurde 1897 in den Schweizerischen Bankverein eingegliedert, der schliesslich zur heutigen UBS wurde.

Wichtigster Neurenaissancebau

Im «Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850 bis 1920» heisst es zum Gebäude, es sei ein «repräsentativer, üppig instrumentierter Bankpalast zwischen Neurenaissance und Neubarock». Heute ist es im Inventar der schützenswerten Bauten der Stadt aufgeführt. Der Bankpalast gilt als bedeutendster Neurenaissancebau in der Altstadt. Entworfen hat ihn Wendelin Heene.

Bis 1946 war hier die St. Galler Textilbörse zu Hause. Im ersten Obergeschoss wirtschaftete die Bank, und im zweiten Obergeschoss befanden sich bis 1962 Wohnungen. Den ersten grossen Umbau erfuhr das Gebäude 1977: Es wurde komplett renoviert und ausgekernt. Erst im vergangenen Jahr erfolgte die letzte grosse Renovation. Die UBS wollte im Sinne des Corporate Designs alle Geschäftsstellen gleich gestalten. Umso erstaunlicher, dass nur ein Jahr später das Haus verkauft wird.

Geschäftsstelle bleibt erhalten

Aus dem Haus raus will die UBS allerdings nicht. Die Bedingung für den Erwerb der Liegenschaft beinhaltet eine Sale-Lease-Back-Klausel. Bis Ende 2015 will die Bank auf der bisherigen Fläche als Mieterin in der Liegenschaft bleiben. Unter der Hand ist zu hören, dass sie ab 2016 nur etwa die Hälfte der bisherigen Fläche mieten will. Dazu sagt die UBS-Kommunikationsstelle: Mit dem Verkauf sei kein Arbeitsplatzabbau verbunden.

Ob und wie viele Gebote für das repräsentative Haus an bester Innenstadtlage bereits vorliegen, dazu äussert sich die UBS derzeit nicht. Auch nicht zur Frage, bis wann der Verkauf abgewickelt sein soll. Es werde aber auch in Zukunft eine Geschäftsstelle mit Büros, bedienten Schaltern und Bancomaten an der Neugasse 54 geben, betont die Kommunikationsabteilung der Grossbank. Diese Räumlichkeiten würde die Bank nämlich nach dem Verkauf «langfristig zurückmieten».