Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TURNIER: Trumpfen will gelernt sein

Jede Woche finden Senioren aus Rorschach zusammen, um miteinander zu jassen. Für viele ist es mehr als nur ein Spiel. Eine ungeübte Journalistin findet deshalb nur in den Zuschauerrängen einen Platz.
Rebecca Frei
Freitag ist Jasstag bei den Senioren. Ergebnisse werden akribisch notiert. (Bild: Rebecca Frei)

Freitag ist Jasstag bei den Senioren. Ergebnisse werden akribisch notiert. (Bild: Rebecca Frei)

Rebecca Frei

rebecca.frei@tagblatt.ch

Im Saal herrscht konzentrierte Stille. Einzig die Jasskarten sind zu hören, wie sie von den Händen auf die Tische flattern. Zwischendurch ein murmelndes Schimpfen. Man schwatze während eines Spiels nicht, sagt mir eine Teilnehmerin. Denn man könne den gegnerischen Spielern sonst ungewollt Hinweise geben, was man für Karten habe. Schnell ist klar, dass hier nicht nur zum Spass gejasst wird, sondern dass es den Senioren wirklich ernst ist.

Erprobte dürfen an den Jasstisch

«Wir wollen nicht, dass Sie als Anfängerin mitjassen.» Mit diesen Worten werde ich in die Zuschauer-Zone abgeschoben. Ich könne beobachten, mitdenken und am Schluss die Zahlen zusammenzählen. Man müsse sich während einer Runde konzentrieren und die gespielten Trumpfkarten mitzählen. Zwölf Runden werden zu viert um einen Jass-Teppich gespielt, bevor alle aufstehen und sich neue Vierergruppen formen. Dies passiert vier Mal. Schlussendlich werden also 48 Runden gespielt und danach ein Sieger gekürt. Innerhalb der Vierergruppen spielen jeweils die zwei sich diagonal gegenübersitzenden Spieler als Team. «Es ist Glück, ob man gute Karten bekommt, aber man muss gescheit mit dem Partner zusammenspielen», sagt eine Seniorin.

Zwischen den einzelnen Runden wird lautstark über die vergangenen Spielzüge diskutiert. «Wir hatten eine so gute Runde, weil ich die Karten so gut gemischt habe.» – «Nein! Das war so, weil ich so gut abgehoben habe.» Nicht immer herrscht ein freundlicher Tonfall. Ich bin nun trotzdem froh um meinen Zuschauerplatz. Aber die provokanten Sprüche seien nicht ernst gemeint. Es gehöre zu so einem Nachmittag dazu, sich gegenseitig aufzuziehen und danach gemeinsam zu lachen.

Das Mitspielen gestaltet sich nicht für alle einfach. «Herrgott, jetzt habe ich grad einen Blackout», ist zu hören, wenn jemand plötzlich vergisst, welche Farbe eigentlich Trumpf ist. Anderswo heisst es: «Ich kann einfach die Karten nicht mehr richtig mischen, wegen meines Arthrose-Daumens», wenn die Hände nicht mehr so wollen wie der Kopf. Daher darf ich dann doch noch am Spiel teilnehmen, jedoch nicht um mitzujassen, sondern als Kartenhalterin.

Alles in allem ist dieser wöchentliche Anlass wichtig für die Senioren und ein Grund zur Vorfreude. Viele von ihnen sind schon jahrelang dabei und kommen nach wie vor sehr gerne. «Hier im Hafenbuffet haben wir eine grandiose Aussicht. Man muss aufpassen, dass man sich auf das Spiel konzentriert und nicht zu lange das Panorama bestaunt», sagt ein Senior.

Den Blick vom Fenster zurück auf den Spieltisch gerichtet geht es in die nächste Runde. In rasantem Tempo fliegen wieder die Karten und man spürt die Leidenschaft, mit der die Spielenden dabei sind. Auch das Kopfrechnen und Kartenzählen sind rasch erledigt. Es scheint, als hätten die Senioren das Jassen im Blut.

Hinweis

Mittagstisch und Jassnachmittag finden freitags im Restaurant Hafenbuffet in Rorschach statt. An- und Abmeldungen bei Herr G. Fischer: 071 841 22 84

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.