Turner spalten ihren Kreis

Die 22 St. Galler Turnvereine können ihren Kreisverband nicht mehr eigenständig führen. Per Ende Jahr will sich die eine Hälfte den Rheintalern anschliessen, die andere den Toggenburgern.

Lea Müller
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Das Aus für den Kreis St. Gallen: Turnverein-Abgeordnete beschliessen den Zusammenschluss mit den Kreisen Rheintal und Toggenburg. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Aus für den Kreis St. Gallen: Turnverein-Abgeordnete beschliessen den Zusammenschluss mit den Kreisen Rheintal und Toggenburg. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nach 125 Jahren Vereinsgeschichte versorgt der Kreisturnverband St. Gallen seine Fahne endgültig im Archiv. Sie wird nicht mehr gebraucht. Die Turnerinnen und Turner haben an ihrer ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung am Mittwochabend einstimmig entschieden, dass es per Ende Jahr keinen St. Galler Kreis mehr gibt. Elf Vereine wollen sich den Turnern im Rheintal anschliessen, die anderen elf dem Kreis im Toggenburg.

Personelle Probleme

Etwas «wehmütig» angesichts dieser Trennung zeigten sich an der Versammlung einige Ehrenmitglieder. «Wir sind schon so lange zusammen. Und jetzt werden wir einfach auseinander gerissen», sagte ein Votant. Doch für die Vereine sei der Zusammenschluss mit den anderen Kreisen eine Chance für einen Neuanfang, sagte die Tagespräsidentin Gisela Luterbacher. Die St. Galler Turner seien nicht mehr in der Lage, die Verbandsgeschäfte «in der gewünschten Qualität» eigenständig zu führen. Seit Jahren ist der Vorstand unvollständig. Mehrere Aufrufe bei den Vereinen verliefen im Sand. Für die vakanten Posten hat sich niemand zur Verfügung gestellt.

An Bedeutung verloren

Der St. Galler Turnverband (SGTV) ist in die vier Kreisturnverbände Oberland, Rheintal, Toggenburg und St. Gallen eingeteilt. Dass nun ausgerechnet der Kreis in der bevölkerungsstärksten Region des Kantons vor dem Aus steht, mag erstaunen. Doch laut Dominik Meli, Präsident des SGTV, hat der Turnsport in der Stadt in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. «Das Angebot an Sportvereinen ist viel grösser als in der Region», sagte er. Diese Konkurrenz hätten die Turnvereine zu spüren bekommen.

Der St. Galler Kreisturnverband zählte einst über 40 Vereine. Heute sind es noch rund die Hälfte. Anders sieht die Situation bei den Kollegen aus: Der Rheintaler Kreis umfasst heute etwa 50 Vereine, der Toggenburger Kreis hat 78 Mitglieder. Ende Jahr bekommen nun beide Zuwachs.

Die Sitter bildet die Grenze

Um die Vereine gleichmässig zwischen dem Rheintal und dem Toggenburg aufzuteilen, haben die Verantwortlichen die Sitter als Grenze gewählt. Die Vereine östlich des Flusses sollen Mitglied beim Kreisturnverband Rheintal werden. Dazu gehören sechs städtische Vereine und die Turnvereine der Dörfer Berg, Eggersriet, Grub, Mörschwil und Wittenbach.

Dem Kreisturnverband Toggenburg wollen sich die Vereine westlich der Sitter anschliessen. Darunter sind die Turnvereine der Dörfer Abtwil, Engelburg, Gossau, Waldkirch, Bernhardzell und Niederwil sowie der städtische Männerturnverein Winkeln.

Gisela Luterbacher betonte an der Abgeordnetenversammlung, dass die St. Galler Vereine von den Rheintalern und Toggenburgern als vollwertige Mitglieder mit allen Rechten und Pflichten übernommen werden. Das nach dem Zusammenschluss verbleibende Verbandsvermögen werde auf die beiden Kreise aufgeteilt.

Warten auf «grünes Licht»

Bis es so weit ist, braucht es allerdings noch die Zustimmung der Rheintaler und Toggenburger Abgeordneten im Herbst. Dies sei eigentlich eine Formsache, sagten deren Präsidenten Stephan Langenegger und Thomas Hofstetter an der Versammlung in St. Gallen. Die St. Galler Turnerinnen und Turner seien sehr willkommen. Man freue sich über den Zuwachs, der die Kreise wiederum stärke.

St. Galler Anlässe wie der Hallenjugiwettkampf sollen laut Langenegger und Hofstetter auch in Zukunft durchgeführt werden. Dafür sei aber die Initiative der Vereine nötig. Eine aktive Mitarbeit sei generell sehr erwünscht. Denn auch «auf dem Land» sind die Turner nicht vor personellen Problemen im Vorstand gefeit.