Tumore lasern und Hühner misten

Auch wenn Damian Bühler neu für die Flig im Parlament sitzt, er wird keiner sein, der lange Reden halten wird. Viel lieber lässt der Hautarzt Taten sprechen. In seiner Praxis, oder auf dem Bauernhof, auf dem er jede Woche hilft.

Corinne Allenspach
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Damian Bühler in seinem Operationssaal, wo der Dermatologe täglich Hautkrebs-Tumore entfernt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Damian Bühler in seinem Operationssaal, wo der Dermatologe täglich Hautkrebs-Tumore entfernt. (Bild: Hanspeter Schiess)

GOSSAU. Einen Termin abzumachen mit Damian Bühler ist gar nicht so einfach. Auf der offiziellen Liste der Stadtparlamentarier im Internet ist er der einzige, der ohne Telefonnummer verzeichnet ist. Auch im Telefonbuch fehlt seine Privatnummer. Das hat seinen Grund: Der 39-Jährige, der in Gossau seit 2012 eine Praxis als Hautarzt betreibt, will seinen Beruf und die Aufgabe als Parlamentarier strikte trennen. «Meine Patienten kennen, wenn nötig, natürlich meine Nummer», sagt Bühler.

Mit der Natur aufgewachsen

Der Dermatologe sitzt in seiner Praxis an der Herisauerstrasse mit Blick über halb Gossau, weit über St. Gallen hinaus bis hin zur Eggersrieter Höhe. Hektischer und anonymer sei Gossau geworden seit seiner Kindheit, bemerkt er. Dass Städte und Dörfer immer mehr zusammenwachsen, könne man vermutlich nicht verhindern: «Aber ich will, dass Gossau weiterhin politisch eigenständig bleibt und nicht von St. Gallen geschluckt wird.»

In Bühlers Praxis fehlt das leicht Bedrohliche, das manchen Arztpraxen anhaftet mit ihren Abbildungen von allerlei Krankheiten. Stattdessen zieren grossformatige Fotos von Rotem Sonnenhut und Schwalbenschwänzen die Wände. Auch das kommt nicht von ungefähr. Sein pensionierter Vater, René Bühler, der 30 Jahre im «Notker» unterrichtete, ist botanisch interessiert und Hobby-Ornithologe. «Mein Vater interessiert sich für alles, was kreucht und fleucht», sagt Damian Bühler. Da habe er bereits als Kind einiges mitbekommen.

Chopin und Pro Specie Rara

Hätte er nicht einen Termin mit der Presse, würde Bühler an diesem Morgen nicht mit klinisch-weissen Hosen dasitzen, sondern daheim am Klavier Chopin oder Beethoven spielen. Oder auf einem Bauernhof im Thurgau helfen – wie jedes Wochenende. Einem Hof mit Hühnern und Schafen, «die sehr artgerecht gehalten werden». Tiere der Stiftung Pro Specie Rara, die gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben bewahrt. Und was macht Bühler auf dem Hof? «Hühner misten und füttern, beim Obsten helfen oder Schafen die Klauen schneiden.» Letzteres, so fügt er schmunzelnd an, habe auch mit Dermatologie zu tun.

Unabhängig von Kantonspolitik

Bühler ist ledig und erst seit 2012 Mitglied der Flig. Zwar interessiere er sich seit der Kanti für Politik, da sein Grossvater, der Seklehrer war, stets mit ihm politisiert habe. Während seines Medizinstudiums und der anschliessenden Anstellungen in Kliniken im In- und Ausland habe aber die Zeit gefehlt, politisch aktiv zu sein. Für die Gossau-eigene Flig hat sich Bühler entschieden, «weil man hier unabhängig von Kantons- und nationaler Politik wirken und wirklich etwas Gutes für Gossau tun kann». Vor allem will er sich für Schul- und Umweltthemen einsetzen. Gerade in Sachen Umweltschutz sei Gossau «auf mässig gutem Weg», findet er. Er erinnert sich, wie früher Kiebitze im Eichenmoos lebten: «Die sind verschwunden, weil viel zu nahe an die Natur gebaut wurde.»

Täglich bis zu zehn Tumore

Mit den weniger schönen Seiten der Natur hat Bühler beruflich zu tun. Nebst Allergien beschäftigen ihn vor allem Hautkrebstumore. «Ich operiere sie täglich, manchmal bis zu zehn Stück.» Bühler befürchtet, dass Hautkrebs weiter zunehmen wird. Geht er selber noch an die Sonne? «Nein, nie», sagt er, um im gleichen Atemzug anzufügen, das sei nicht ernst gemeint. Als Arzt weiss er, dass Sonne wichtig ist für den Menschen. «Aber mit Mass und nie ungeschützt.»