Tschudiwies hat ausgedient

Der Quartierverein Tschudiwies-Centrum hat sein «Schulhaus-Bijou» mit einer Petition retten wollen. Die klare Antwort des Stadtrates auf die Bittschrift: Im Schulhaus Tschudiwies wird nicht mehr unterrichtet.

Christoph Renn
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Der Unterricht im Schulhaus Tschudiwies wird Ende dieses Schuljahres eingestellt. (Bild: Coralie Wenger (15. November 2014))

Der Unterricht im Schulhaus Tschudiwies wird Ende dieses Schuljahres eingestellt. (Bild: Coralie Wenger (15. November 2014))

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Des Schulhaus Tschudiwies wird geschlossen: So lautet die klare und deutliche Antwort des Stadtrates an den Quartierverein Tschudiwies-Centrum, der die Schliessung mit einer Petition verhindern wollte. Somit schwindet die Hoffnung des Quartiers, das «Schulhaus-Bijou» doch noch retten zu können. «Für uns sind die Antworten niederschmetternd», kommentiert Alfred Mallepell, Präsident des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum, die Ausführungen des Stadtrates (siehe Zweittext).

Für den Stadtrat ist die Schliessung des Quartierschulhauses eindeutig der richtige Weg. Obwohl auch diese Lösung Nachteile hat, wie er in seiner Antwort auf die Petition vom 9.AABB22Februar schreibt. So werde der Schulweg für einen Teil der Schülerinnen und Schüler länger. Zudem sei die Schliessung ein Verlust für das Quartier. Doch nehme er diese Nachteile in Kauf, weil der Verzicht auf den Standort erhebliche betriebliche und qualitative Vorteile bringe. Ausschlaggebend seien dabei nicht allein die Kosten gewesen.

Der Schulweg stellt keine besonderen Probleme dar

Den Entscheid, sich auf das Schulhaus St. Leonhard zu konzentrieren, begründet der Stadtrat mit der sinkenden Schülerzahl. Er führt aus, dass im Schuljahr 2007/2008 in den beiden Schulhäusern Tschudiwies und St. Leonhard noch 16 Klassen unterrichtet wurden. Aktuell seien es elf und im Schuljahr 2022/2023 noch neun. Somit könnten die kantonalen Vorschriften in Bezug auf ausgeglichene Klassengrössen mit dem Betrieb beider Schulhäuser nicht eingehalten werden. Dass die Wahl auf das Schulhaus St. Leonhard falle, sei angesichts der umfassenden Sanierung des Schulhauses mit neuer Turnhalle und integrierter Tagesbetreuung klar gewesen. Auch wenn der Schulrat zugibt, dass der Schulweg für einige Kinder länger wird, sieht er darin keine besonderen Probleme. Dass es funktioniert, habe man während der Renovationsarbeiten im St. Leonhard gesehen, als alle Kinder im Tschudiwies unterrichtet wurden. Zudem werde für die Tschudiwies-Kinder, welche künftig die Tages­betreuung besuchen, der Weg zwischen Schule und Betreuungseinrichtung wegfallen.

Zum frühesten Zeitpunkt informiert

In der Petitionsantwort reagiert der Stadtrat auch auf den Vorwurf, dass das Quartier nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sei: Der Stadtrat habe frühzeitig und transparent informiert, schreibt er. Bereits in der Abstimmungsbroschüre im September 2014 sei gestanden, dass der Standort Tschudiwies nach der Renovation des Schulhauses St. Leonhard voraussichtlich nicht mehr benötigt werde. Im Januar dieses Jahres habe der Stadtrat in einer Postulatsantwort ausserdem ausgeführt, dass das Tschudiwies für den Unterricht nicht mehr gebraucht werde. Zudem habe gleichentags eine Informationsveranstaltung im Schulhaus stattgefunden. Die Information der Erziehungsberechtigten sowie der Einwohnerinnen und Einwohner des Quartiers sei also zum frühesten möglichen Zeitpunkt geschehen.

Neue Nutzungsideen für das Gebäude gesucht

Obwohl sich der Stadtrat gegen das Schulhaus Tschudiwies entschieden hat, soll das Gebäude dem Quartier erhalten bleiben. Wie, ist jedoch noch völlig offen. Um eine geeignete Lösung zu finden, werde der Stadtrat den Quartierverein in den Prozess einbinden. So wolle er der Befürchtung einer allfälligen Abwanderung von Familien mit Kindern wirksam begegnen.