Trotz Spardruck ins Skilager

Die Zahl der Schulklassen in der Stadt St.Gallen, die in ein Skilager fahren, ist hoch – auch in finanziell schwierigen Zeiten. Für Markus Buschor, Vorsteher der Direktion Schule und Sport, kommt es auch nicht in Frage, Lager zu streichen.

Daniel Wirth
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Am Skilift Beckenhalde konnten Kinder am 2. Januar bereits das Material testen für das bevorstehende Skilager. (Bild: Ralph Ribi)

Am Skilift Beckenhalde konnten Kinder am 2. Januar bereits das Material testen für das bevorstehende Skilager. (Bild: Ralph Ribi)

Wenn Schulkinder unruhig schlafen und am Morgen ohne Wecker aufstehen – dann ist das am Tag, an dem sie ins Skilager fahren. Klar: Es gibt Ausnahmen. Doch die bestätigen die Regel.

Skilager kosten die Schule und die Eltern Geld; die Verantwortung, die Lagerleiter tragen, ist gross; der zeitliche und logistische Aufwand für die Organisation und für die Durchführung eines Skilagers ist enorm: Das sind eigentlich Gründe, die zur Annahme Anlass geben, es würden je länger, je weniger Skilager durchgeführt. Doch das stimmt nicht, zumindest an den Schulen in der Stadt St. Gallen stimmt das nicht: Im Schuljahr 2013/2014 (für das laufende Schuljahr gibt es noch keine Zahlen) fuhren 58 von 87 Mittelstufen-Klassen in ein Skilager, und an der Oberstufe waren es 66 von 71 Klassen.

Kein Trend zu Verzicht

Claudia Herold, Abteilungsleiterin im Schulamt der Stadt St. Gallen, sagt, diese Zahlen seien seit Jahren relativ stabil. Der Beitrag, den Eltern für die Teilnahme ihres Kindes an einem Skilager zahlen müssen, beträgt gemäss Herold an der Mittelstufe maximal 130 und an der Oberstufe maximal 150 Franken. Das ist ein relativ kleiner Beitrag. Den grösseren Teil der effektiven Kosten trägt die Schule. Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher der Direktion Schule und Sport, sagte in einem Tagblatt-Interview (Ausgabe vom 12. Januar), auch die Schule müsse mit Sparmassnahmen dazu beitragen, dass der Finanzhaushalt der Stadt wieder ins Lot gerate. Von der Idee, Schullager allgemein und Skilager im Speziellen zu streichen, hält der Schuldirektor aber nichts. Die laufenden Diskussionen zur Entlastung der Stadtkasse zielten nicht auf Einmaleffekte, sondern auf nachhaltige, wiederkehrende Einsparungen. «Eine besondere Unterrichtswoche einmal ausfallen zu lassen, scheint mir vertretbar, entspricht aber nicht den Zielen unserer Sparbemühungen», sagt Markus Buschor. Besondere Unterrichtswochen grundsätzlich aus dem Schulalltag zu streichen, kommt für Markus Buschor indes nicht in Frage, wie er sagt. Der Schuldirektor der Stadt St. Gallen hält Schullager für etwas Wichtiges. Buschor: «Ein Lager ist für die Schulkinder nicht nur ein grosses Erlebnis.» Im Lager biete sich die Möglichkeit, den Gemeinsinn, die Eigenständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein zu fördern. «So gesehen sind Lager wichtige Bausteine für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen», resümiert Markus Buschor, der, wie er sagt, selber nicht Ski fährt.

Stimmige Lagerform

Wenn er aber die Freude der Kinder im Schnee sehe und an die Gesundheits- und Bewegungsförderung denke, halte er Skilager für eine «stimmige» Lagerform.

Das Schulamt der Stadt St. Gallen lässt es ihren 14 Primarschul- und sieben Oberstufeneinheiten offen, ob sie Skilager durchführen oder nicht. Gemäss Claudia Herold hat aber jedes Schulkind auf der Mittelstufe und auf der Oberstufe den Anspruch auf je ein Lager. Konkret heisst das: Einmal in drei Jahren darf – oder muss – jedes Stadtsanktgaller Schulkind eine Woche in ein Lager. Das muss nicht unbedingt ein Skilager sein; Klassenlager können auch im Herbst oder im Frühling stattfinden.

Die Privatschulen in der Stadt handhaben das nach eigenem Gutdünken. Sie bestimmen auch die Elternbeiträge selber.