Trinkwasser eint die Region

GOLDACH. Festtage für die Regionale Wasserversorgung St. Gallen AG (RWSG) – und für ihren Initianten Nuot Letta. Heute wird die Fertigstellung des Hochdruckpumpwerks in Goldach gefeiert, morgen Samstag ist Tag der offenen Türe.

Josef Osterwalder
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Im Netz der RWSG ermöglicht das neue Pumpwerk in Goldach (rotes Dreieck), Trinkwasser auf anderem Weg in die angeschlossenen Gemeinden zu liefern, wenn ein Werk oder die direkte Leitung ausfällt. (Bild: Grafik: RWSG)

Im Netz der RWSG ermöglicht das neue Pumpwerk in Goldach (rotes Dreieck), Trinkwasser auf anderem Weg in die angeschlossenen Gemeinden zu liefern, wenn ein Werk oder die direkte Leitung ausfällt. (Bild: Grafik: RWSG)

Hohe Wände, weiter Raum und das Gefühl, an einem Kraftort zu sein – wenn Ingenieur Nuot Letta durchs neue Hochdruckpumpwerk im Goldacher Riet führt, kommt man sich vor wie in einer Kathedrale. Heute wird der langjährige, vor einem halben Jahr in Pension gegangene Verwaltungsratspräsident der RWSG den Schalter drehen, die beiden grossen Motoren anlassen.

Dann saugen die Pumpwerke das Trinkwasser aus den riesigen Speichertürmen an, treiben es über fünf Schaufelräder und pressen es in die Stahlrohre, durch die es Richtung St. Gallen fliesst.

Die Wasserspeicher nehmen in der zwölf Meter hohen Halle den grössten Platz ein. Jeder fasst 850 Kubikmeter. Ebenso eindrücklich sind die Stahlrohre, die von den Pumpen wegführen.

Ihre Abschnitte werden mit einem ganzen Kranz von Schrauben zusammengehalten, mit Muttern von zehn Zentimetern Durchmesser.

«Der Druck in den Rohren ist gewaltig», sagt Letta. «So stark, als ob eine Wassersäule von über 300 Metern darauf lasten würde.» Diesen Druck braucht es, um die Höhendifferenz vom See nach St. Gallen überwinden zu können.

Ein Netz für das Wasser

Das Wasser, das hier gepumpt wird, stammt aus dem Seewasserwerk Frasnacht. Dafür musste eine fünf Kilometer lange Verbindungsleitung zum Seewasserwerk Arbon gebaut werden. Von dort wird das Werk Frasnacht über die bereits bestehende Leitung erreicht. Das heisst, dass nun alle drei Aufbereitungsanlagen – Frasnacht, Arbon und Rorschach – vernetzt sind. Würde eine ausfallen, könnte Wasser aus den andern ins Verteilgebiet fliessen.

«Die neue Anlage ist eine Art Rangierbahnhof der Trinkwasserversorgung», sagt Anton Betschart, der das Projekt geleitet hat.

Risiken verringert

«Es ging uns vor allem um diese Versorgungssicherheit», sagt Nuot Letta. Ursprünglich dachte man, nach dem Bau des Seewasserwerks Frasnacht auch die alte, über hundertjährige Anlage im Goldacher Riet zu erneuern. Doch eine Analyse zeigte, dass eine Vernetzung der bestehenden Wasserwerke weit wichtiger ist. Darum wurde Riet vorerst stillgelegt.

«Wir müssen nicht schon entscheiden, was in dreissig Jahren erst nötig wird», sagt Letta, «wir müssen aber die Voraussetzungen schaffen, damit man dann die fälligen Entscheidungen treffen kann.»

Nuot Letta kann auf dreissig Jahre Einsatz für das Trinkwasser zurückzublicken. Das begann, als der Brücken- und Autobahningenieur an seinem Wohnort Abtwil zum Präsidenten der Wasserkorporation gewählt worden war. Er erkannte rasch, dass die Wasserversorgung der Region erhebliche Sicherheitsrisiken barg.

Die Stadt St. Gallen, von der auch Abtwil Wasser bezog, hatte lediglich das Seewasser vom Werk in Goldach.

Ein Lebenswerk

Also setzte Letta alles daran, die Wasserversorgung besser zu sichern. Brachte zwölf Gemeinden an einen Tisch, überzeugte sie, die RWSG zu gründen, Frasnacht zu bauen, nun weitere Schritte zum Netz zu tun. Das brauchte einige Kämpfe, zum Beispiel gegen die Absicht Württembergs, mit Bodenseewasser den Neckar zu spülen. «Wasser ist Leben», sagt Letta. Was er schuf, ist ein Lebenswerk.

Offene Türe im Hochdruckpumpwerk Riet in Goldach: morgen Samstag 10–16 Uhr; jede halbe Stunde Führung; Festwirtschaft

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