Traum von Buchhandlung ausgeträumt

Bei Kultur begraben die Initiantinnen den Versuch, in Rorschach eine gemeinnützige Einrichtung für Buchhandel und Kulturanlässe zu schaffen. Das Interesse in der Bevölkerung war gering, und Sponsoren aus der Wirtschaft liessen sich praktisch keine finden.

Fritz Bichsel
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Kultur im Raum, der ein Buchladen werden sollte: Nur einmal, mit dem Trio phon & zu, statt regelmässig. (Bild: Fritz Bichsel)

Kultur im Raum, der ein Buchladen werden sollte: Nur einmal, mit dem Trio phon & zu, statt regelmässig. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACH. Zur «Abdankung» bieten Agnes Husi Heinzelmann und die Mitinitiantinnen, was sie ermöglichen wollten: Kultur und Bücherverkauf im Stadtzentrum, im freien Ladenlokal bei Blumer Hörberatung an der Signalstrasse. Beides gibt es hier aber nicht nur zum ersten, sondern auch zum letzten Mal.

Abgesang auf eine Idee

Den kulturellen Teil gestaltet das einheimische Trio «phon & zu». In kabarettistischen Texten und mit feinen Klängen gehen Nina Rechsteiner, Bertolt Specker und Ernst Waespe auf das Ende des Traums von der Buchhandlung in Rorschach ein. Sie führen die Zuhörer ins Wasser des Tränensees, schildern und besingen den Traum vom Fliegen mit finaler Angst vor dem Absturz. Und das Ende des stolzen Schwans als Zeitungsente.

Eine Zeitungsente sei dieser Versuch nicht gewesen, sagt Agnes Husi. Aber das Ende des Projekts «gemeinnützige Buchhandlung» ist besiegelt. Die Initiantinnen trauern nicht, sondern laden an diesem Abend als Dank an alle, die sich engagierten, zum Feiern ein: «Dass eine Idee aufgegriffen wurde und in der Bevölkerung Anklang fand.» Den kulinarischen Teil steuern sie selber bei. Mit Exemplaren des «Wartegg-Buches» vom Rorschacher Autor Otmar Elsener machen sie das angestrebte Lokal wenigstens an einem Abend doch zu einer Buchhandlung.

Als Geschäft liess sich eine solche in Rorschach nicht mehr betreiben. Agnes Husi war aber überzeugt: Mit gespendetem Startkapital und einer Trägerschaft, die keinen Gewinn macht, wäre es möglich.

Spenden ja, Sponsoring nein

Spenden aus der Bevölkerung sollten zum Startkapital beitragen und zeigen, ob genügend Interesse besteht. Mit gut hundert Zusagen sah Agnes Husi eine Basis. Von Anfang an schwer hatte es das Projekt bei möglichen Sponsoren. Sie reagierten mit Unverständnis für Beiträge an ein vermeintliches Ladengeschäft oder mit Fragezeichen zu einer gemeinnützigen Institution für etwas, das es in grösseren Städten und im Internet kommerziell gibt.

Bei einem Treffen von Interessierten Ende März stand die Finanzierung bei gut 70 000 Franken und das Projekt damit auf der Kippe. Die Initiantinnen hofften aber noch, die nötigen 150 000 Franken erreichen zu können. Doch es kamen aus der Bevölkerung fast keine Spenden mehr hinzu und von möglichen Sponsoren durchwegs Absagen. So blieb Agnes Husi nur, zur Beerdigung der Idee einzuladen.

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