Trainieren, erholen, trainieren

In der Qualifikation für die Handball-EM der Frauen trifft heute die Schweizer Nationalmannschaft in der Kreuzbleiche auf Island. Drei intensive Tage mit Trainings, Video-Analysen und Theorieunterricht liegen hinter der Mannschaft.

Tobias Hänni
Drucken
Teilen
Vor dem Spiel gegen Island: Die Handball-Nationalmannschaft beim Training im Athletik Zentrum. (Bild: Luca Linder)

Vor dem Spiel gegen Island: Die Handball-Nationalmannschaft beim Training im Athletik Zentrum. (Bild: Luca Linder)

«Go, go, go», ruft Marta Bon. Die Trainerin der Schweizer Frauen-Handball-Nati steht mitten auf dem Spielfeld im Athletik-Zentrum und beobachtet, wie die Spielerinnen in zwei Gruppen gegeneinander antreten. Zwischendurch stoppt Bon mit einer Trillerpfeife das Spiel, gibt Anweisungen und Tips. Dann quietschen die Turnschuhe wieder über den Hallenboden, vollführen die jungen Frauen blitzschnelle Finten und schmettern den Ball mit Wucht aufs Tor. Es ist eines der letzten Trainings vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Island (Kasten).

Trainings und Theorieunterricht

Seit Montag weilt die Nationalmannschaft in St. Gallen und bereitet sich auf das dritte Spiel der Qualifikationsrunde vor. Täglich zwei 90minütige Trainings in der Kreuzbleiche oder im Athletik-Zentrum. Ausserdem Videoanalysen und Theorieunterricht im Hotel Walhalla, wo das Team untergebracht ist. Viel Freizeit – und wohl auch Energie – bleibt da nicht für anderes. «Erholen, schlafen, Physiotherapie», fasst Spielerin Jessica Wenger die Zeit zwischen den Trainings zusammen.

Die intensive Vorbereitung hat ihren Grund: Ein halbes Jahr ist es her, seit die Handballerinnen das letzte Mal gemeinsam auf dem Feld standen. «Da braucht es immer ein gewisse Zeit, bis wir als Team eingespielt sind», sagt Wenger. Für die 23-Jährige ist der Match in der Kreuzbleiche ein Spiel auf vertrautem Boden. Sie spielt dort mit dem LC Brühl – wie auch vier andere Mitglieder der 15köpfigen Nationalmannschaft. «St. Gallen ist die Hochburg des Schweizer Handballs», erklärt Trainerin Bon den hohen Anteil der Brühlerinnen im Kader. Und der LC Brühl seit Jahren die beste Mannschaft in der höchsten Liga.

«Ohne Druck spielen»

Dagegen nimmt die Nationalmannschaft im heutigen Spiel die Rolle des Aussenseiters ein. Das letzte Mal waren die Schweizerinnen im Jahr 2000 gegen Island erfolgreich. Seither haben sie fünf Niederlagen kassiert.

Die Spielerinnen nehmen es gelassen. «Wir können ohne Druck spielen. Die Isländerinnen müssen gewinnen, wir nicht», sagt Nicole Dinkel. Mit einer guten Mannschaftsleistung sei aber viel drin. «Aber auch wenn wir gegen Island gewinnen sollten, wird die Qualifikation schwierig», sagt die 27-Jährige. Die beiden anderen Teams in der Quali-Gruppe – Spanien und die Ukraine – seien noch stärker.

Kräftige «Vikinger-Girls»

Auch Bon spricht von einer schwierigen Aufgabe. «Vikinger-Girls» nennt sie die Isländerinnen, die grösser seien und kräftiger gebaut als die Schweizerinnen. «Ausserdem haben viele von ihnen mehr Spielerfahrung», sagt Bon, die bereits in ihrer Heimat Slowenien die Nationalmannschaft gecoacht hat. Ein Sieg der Schweizer Nati wäre für sie aber «ein wunderbares Geschenk». Die Trainerin feiert heute ihren 50. Geburtstag.