Trainerin aus Leidenschaft

Hingabe Morgen um 19 Uhr trifft die U19-Frauenfussball-Nationalmannschaft im Paul-Grüninger-Stadion auf Dänemark. Trainerin ist die ehemalige Staad-Spielerin Nora Häuptle, die sich nicht nur im Fussball auskennt.

Daniel Schmidt
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Als Nora Häuptle am vergangenen Freitag ihren 33. Geburtstag feierte, nahm sie für einen Tag frei vom Fussball. «Das ist eine Seltenheit in meinem Leben», sagt sie. Ansonsten beschäftigt sie sich derzeit fast nur mit Fussball. Seit 2015 betreut sie die U19-Equipe und hat mit ihr bei der EM in diesem Jahr das Halbfinal erreicht. Nie waren Schweizer Juniorinnen bei diesem Turnier besser. Das nächste Ziel ist die U19-Europameisterschaft im nächsten Jahr in Nordirland. «Wir nehmen Schritt für Schritt.» Mit dem Freundschaftsspiel gegen Dänemark will Häuptle den ersten Grundstein für eine erfolgreiche Qualifikation legen.

Statt in ihrer Kindheit im thurgauischen Horn einem Verein anzugehören, spielte sie draussen mit Freunden auf dem Pausenplatz. «Ich war eine Strassenfussballerin.» Dann nahm sie in Steinach an einem Talentwettbewerb teil. Beim Schiessen und Jonglieren stellte sie ihr Können unter Beweis und gewann. Daraufhin rief sie der Trainer der E-Junioren an und fragte sie, ob sie nicht bei ihnen mitmachen wolle. So begann Häuptles Karriere, die sie vom FC Staad in der NLA bis nach Twente Enschede in die niederländische Liga führte. 2004 begann sie ein Studium in Bern, da sie ausserhalb des Fussballs eine intellektuelle Herausforderung suchte, und wechselte deshalb zu den Young Boys. Neben fünf Trainings in der Woche betrieb sie ausserdem zwei Stunden Handball und Kunstturnen. Eine wahre Sportfanatikerin also. Getreu dem Motto auf ihrer Website: «Hauptsache Sport».

Häuptle wechselt die Sportart

2010 beendete sie ihre Karriere aufgrund einer Fussverletzung. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie bereits ein Jahr im Nachwuchs der Männer des FC Thun, wo sie für drei Jahre blieb. Währenddessen erwarb sie sich mehrere Abschlüsse, unter anderem den Master in Sportwissenschaften an der Universität Bern, die sportpädagogische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Bern, das A-Diplom der Uefa für Trainer und die Fitnesscoach-Lizenz des Schweizerischen Olympiaverbands. Nachdem sie 2012 fast 30 Jahre mit Fussball verbracht hatte, war für Häuptle die Zeit reif für einen Tapetenwechsel. Als sie im Tenniszentrum Bern Physiotherapeuten unterrichtete, trainierte dort auch die schweizerisch-italienische Tennisspielerin Romina Oprandi. Diese verletzte sich und brauchte jemanden, der sie wieder fit macht. Sie kontaktierte Häuptle und bot ihr eine dreimonatige Testphase an. Dies funktionierte sehr gut und deshalb bekam sie ein Angebot als Fitness-Coach für drei Jahre, welches sie annahm. Mit der Wahlbernerin als Betreuerin gewann Oprandi insgesamt vier Titel und stiess im WTA-Ranking bis auf Platz 32 vor, ihre bisher beste Plazierung.

Schweizer Nachwuchs ist gut aufgestellt

Häuptle ist heute zu 60 Prozent beim Schweizer Fussballverband angestellt. Sie steht aber in ständigem Kontakt mit den Vereinen, in denen ihre Spielerinnen ausgebildet werden. Nebenbei leitet sie ein Projekt, das dafür sorgt, dass talentierte Nachwuchsspielerinnen eine zusätzliche Betreuung erhalten. «Wir haben eine gute Ausbildung in der Schweiz», sagt sie. Deshalb ist Häuptle der Meinung, dass die Spielerinnen nicht zu früh wechseln sollen, sondern sich erst einmal in der Schweizer Liga durchsetzen und ihre Lehre beziehungsweise Matura abschliessen. Dann kommt aus ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu gehen. Es müsse aber ein Verein sein, der mit ihnen arbeitet und sie fertig ausbildet. «Wenn man zu einem grossen Verein geht und danach nur auf der Bank sitzt, bringt das auch nicht viel.»