Tragtaschen als Zeitzeugen

Die Teufnerin Helga Schiess sammelt seit Jahrzehnten Tragtaschen aller Art. Diese zeigt sie noch bis Mitte Januar im Zeughaus Teufen. Dort kann man in Erinnerungen schwelgen.

Karin Erni
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Querschnitt aus verschiedenen Jahrzehnten: Helga Schiess stellt einen Teil ihrer gesammelten Tragtaschen im Zeughaus Teufen aus. (Bild: Karin Erni)

Querschnitt aus verschiedenen Jahrzehnten: Helga Schiess stellt einen Teil ihrer gesammelten Tragtaschen im Zeughaus Teufen aus. (Bild: Karin Erni)

TEUFEN. Es gibt wohl kaum etwas Alltäglicheres als Tragtaschen. Beim Einkauf erhält man oft ungefragt eine in die Hand gedrückt. Wie kommt jemand dazu, einen solchen Gebrauchsgegenstand zu sammeln? Es sei vermutlich wie bei jeder Sammlertätigkeit, schreibt die Teufnerin Helga Schiess im Begleittext zur Ausstellung ihrer gesammelten Taschen im Zeughaus. «Es ist eine Begeisterung – für Gestaltung, Design und Handel. Beweggrund sind die Farben, die Texte, aber mich interessierte auch die Entwicklung im Geschäftswesen. Als Tochter aus einem Schuhgeschäft bin ich da irgendwie geprägt.» Der Beginn von Helga Schiess' Sammelleidenschaft lag in den 1970er-Jahren, als es üblich wurde, den Kunden beim Einkauf kostenlos eine Tasche abzugeben.

Design war früher zweitrangig

Das Design sei am Anfang noch zweitrangig gewesen, erinnert sich Schiess. «Die oft einfach gestalteten Taschen sprachen die Leute damals bereits an. Man freute sich darüber, auch eine solche Tasche zu haben und zu zeigen, dass man in diesem oder jenem Geschäft einkaufen konnte», sagt die Sammlerin. «Dem Kunden wurde der Einkauf leicht gemacht: Er musste nicht mehr überlegen, welchen Korb oder welche Taschengrösse er zum Einkauf mitnehmen sollte. Spontankäufe waren nun jederzeit möglich.» Für die Ladenbesitzer habe die Neuerung ebenfalls Vorteile gehabt. «Die Kunden machten unbewusst Werbung für sie und ihre Produkte. Zudem konnten die Verkäufe rationeller abgewickelt werden. Man steckte sie einfach flink in eine passende Tasche.»

Künstler gestalten Taschen

Mit zunehmender Verbreitung der Tragtaschen wurden Künstler und Designer für die Gestaltung herbeigezogen. Es entstanden bunte, fröhliche oder pragmatisch-informative Sujets. Produkte, Firmennamen und Logos prägten sich ein. In diesem Gebrauchsgegenstand spiegle sich die rasche und grosse Veränderung der Gesellschaft, sagt Helga Schiess. Wer die Tragtaschen betrachte, sehe, dass einige Produkte bis heute Bestand haben, viele Geschäfte noch existieren. Einziger Unterschied: Die Telefonnummer hat eine zusätzliche Zahl, eine Handynummer ist dazugekommen, eine Internetadresse, ein QR-Code. Beim Betrachten der Exponate dürften nostalgische Gefühle und Erinnerungen aufkommen, mutmasst Helga Schiess. Besondere Freude bereiten ihr die Taschen von Teufner Geschäften. Sie hat eigens eine Liste mit früheren Detailhändlern des Dorfes zusammengestellt.

Helgas Taschen: noch bis 17. Januar; Altes Zeughaus Teufen

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