Tragischer Held statt Eidgenosse

GOSSAU. Der Gossauer Schwinger Erwin Büsser hat sich ein Jahr lang intensiv auf das Eidgenössische in Frauenfeld vorbereitet. Doch derzeit steht er nicht im Sägemehl, sondern liegt im Spital. Ein weiterer Rückschlag für den Schwinger.

Urs Huwyler
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Erwin Büsser (rechts) noch im Sägemehl. Das Eidgenössische in Frauenfeld wird er verletzungsbedingt auslassen müssen. (Bild: Urs Huwyler)

Erwin Büsser (rechts) noch im Sägemehl. Das Eidgenössische in Frauenfeld wird er verletzungsbedingt auslassen müssen. (Bild: Urs Huwyler)

Gestern wurde Erwin Büsser in Teufen am Knie operiert, nachdem er sich am Schaffhauser Kantonalen im fünften Gang verletzt hatte. «Zuerst dachte ich, das Kreuzband sei gerissen. Doch die Untersuchung ergab nur einen Riss des Innenbands. Das Kreuzband ist intakt», geht der 28 Jahre alte Techniker Agrarwirtschaft den Umständen entsprechend locker mit dem erneuten Rückschlag um. In Schaffhausen gab er nicht auf, sondern gewann professionell getapt den letzten Kampf und sicherte sich den Kranz. Schwinger kennen keinen Schmerz.

Acht Wochen Pause

Rund acht Wochen dürfte es für den Hobbybiker dauern, bis er das Schwingtraining wieder aufnehmen kann. Doch am 21./22. August erobert das Eidgenössische im grössten Stadion der Schweiz die Sportwelt. Täglich werden 47 000 Zuschauer die Kämpfe in Frauenfeld verfolgen. «Ein Jahr lang habe ich mich darauf vorbereitet. Es ist besonders bitter, weil das Fest fast vor der Haustür stattfindet», erklärt Pechvogel Büsser.

Kreuzbandriss, Ellbogenbruch, Schulteroperation, Innenbandriss waren seine bisher schwersten Verletzungen. «Es ist besser, wenn einer alles auf sich nimmt und die Verletzungen nicht verteilt werden.»

Drei Brüder

Der älteste Büsser spricht damit seine ebenfalls schwingenden Brüder Andy und Reto an. Sie waren bisher vergleichsweise weniger verletzt.

Der 13 Monate jüngere, fünf Zentimeter grössere (187cm) und zehn Kilogramm (110) schwerere Andy zählt als mehrfacher Festgewinner und Eidgenosse in Frauenfeld zu den Ostschweizer Hoffnungsträgern. «Er schwingt eine Stufe höher als ich», hat Büsser I kein Problem mit der familiären Vorherrschaft von Büsser II.

1975 hatte der Niederwiler Landwirt Edi Büsser das St. Galler Kantonale gewonnen. «Dabei handelt es sich um den Vater», betont Sohn Erwin.

Aktiv im Sägemehl sah er den elterlichen Weggefährten von Legende Hans Hämmerli (Niederwil), dessen Tochter Schwingerkönig Jörg Abderhalden heiratete, nicht mehr. «Aber wir begleiteten als Kinder unsere Eltern an die Schwingfeste», erinnert sich Erwin Büsser. In den Anfangsjahren gingen die brüderlichen Duelle nicht immer zugunsten von Gartenbau-Polier Andy aus. «Weil ich älter war, konnte ich mithalten», ist vom lachenden Verletzten zu erfahren.

Kein Rücktritt

Wie stark die Familie mit dem urchigen Nationalsport verbunden ist, zeigt ein Blick in den Schwingklub Uzwil. Erwin Büsser arbeitet als Technischer Leiter und Vizepräsident mit. Andy verwaltet das Material und Reto betreut die Jungschwinger. Sie toppen damit die Wattwiler, bei denen Beat (Präsident) und Jörg Abderhalden (Aktuar) dem Vorstand angehören.

«Es ist nicht nur der Sport, sondern die Kameradschaft, die Atmosphäre, der Zusammenhalt, das ganze Umfeld, die Schwingen attraktiv machen», bekennt Erwin Büsser einen Tag vor der Knieoperation in Teufen.

Nahe liegender wäre, er würde in seiner Situation von Rücktritt sprechen. «Ich habe immer gesagt, wegen einer Verletzung möchte ich nicht aufhören. Der Heilungsprozess wird wohl mitentscheidend sein, wie es weiter geht.

» Das Ziel, mit den Brüdern in Familienstärke an einem Eidgenössischen starten zu dürfen, sieht der Turner-Schwinger als aufgeschoben.

2013 treffen sich die Bösen dann in Burgdorf. Dann soll es soweit sein. «Und ich möchte austesten, wo meine Leistungsgrenzen liegen. Bisher haben Verletzungen den Aufbau immer wieder unterbrochen», sagt Erwin Büsser. Jörg Abderhalden ist auch mehrmals erfolgreich zurückgekommen.