Tour durch die Stadtkultur

Die elfte St. Galler Museumsnacht war vielfältig und bunt. Publikumsrenner war diesmal der Rohbau des Naturmuseums. Es kamen etwa gleich viele Besucher wie in den Vorjahren.

Daniel Wirth/Reto Voneschen
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Immer ein Höhepunkt der Museumsnacht: Es zischt, raucht und stiebt während des Mitternachtsgusses in der Kunstgiesserei im Sittertal. (Bilder: Ralph Ribi)

Immer ein Höhepunkt der Museumsnacht: Es zischt, raucht und stiebt während des Mitternachtsgusses in der Kunstgiesserei im Sittertal. (Bilder: Ralph Ribi)

Nicht weniger als 35 Kulturinstitutionen quer durch die Stadt haben am Samstag an der diesjährigen Museumsnacht teilgenommen. Das Programm war wie üblich äusserst reichhaltig. Jeder Auswahl haftet da etwas Willkürliches an. Trotzdem hier einige Schlaglichter.

Eröffnung im November 2016

Waren in früheren Museumsnächten etwa die Römer des Historischen und Völkerkundemuseums der Publikumsschlager, zog diesmal der Rohbau des neuen Naturmuseums im Neudorf das Volk an. «Das ist einmalig. Das ist etwas, was man schon nächstes Jahr nicht mehr zu sehen bekommt. Dann laufen Anfang September die Einrichtungsarbeiten für die neuen Ausstellungen bereits auf Hochtouren», begründete ein Neugieriger auf dem Rundgang mit Museumsdirektor Toni Bürgin sein Kommen.

Eröffnung des neuen Museums werde Anfang November sein, beantwortete dieser dann gleich eine der am meisten gestellten Fragen des Abends. Allerdings: «Dieser Termin ist eine <sportliche> Planung.» Bis es so weit sei, müsse noch viel getan werden. Die dafür nötigen Schritte seien «ineinander verzahnt». Eine Verzögerung an einem Ort habe sofort Auswirkungen auf andere Arbeiten.

Song «kaputtgemacht»

Im Kulturraum des Kantons am Klosterplatz ist während der Museumsnacht die Ausstellung «Ausgezeichnet» zu sehen. Sie gibt Einblicke ins Schaffen von sechs Künstlerinnen und Künstlern, die einen kantonalen Werkbeitrag erhalten haben. Mit einem solchen wurde auch Manuel Stahlberger ausgezeichnet. Er brachte den Kulturraum am Samstag zum Klingen. Er sang bekannte und neue Songs, erzählte Geschichten und zeigte Dias.

Schon beim ersten von drei Auftritten zog Stahlberger ein grosses Publikum in seinen Bann. Er eröffnete sein Museumsnacht-Programm mit dem Song «Neumarkt». Der Liedtext stimme nach dem Umbau des Supermarkts und den temporären Bushaltestellen an der St. Leonhard-Strasse leider nicht mehr ganz. «Noch nie wurde ein Lied mit so viel Geld kaputtgemacht», sinnierte Stahlberger. Witzig war auch sein Jasskarten-Musical mit rauchenden Königen und betrunkenen Undern und Obern, zum Schmunzeln seine Strichzeichnungen mit selbstgedrehten Crèmeschnitten.

Kalebassen im Wasserbad

Auf dem Pic-o-Pello-Platz war es stimmungsvoll – auch wenn es zwischendurch regnete. Der Perkussionist Ferdinand Rauber brachte Kalebassen (afrikanische Kürbisse) zum Klingen; die Kalebassen-Schalen schwammen in stählernen, mit Wasser gefüllten Tankböden. Nicht nur Rauber machte Musik – das Publikum war eingeladen, die Klangobjekte auszuprobieren. «Gerade das macht es aus», sagte Claudia Friedl, Präsidentin des Vereins Pic-o-Pello. Nämlich, dass Besucherinnen und Besucher mit Künstlern ins Gespräch kommen könnten.

Bouillabaisse im Seifenmuseum

Die Entdeckung des Abends dürfte für etliche Besucherinnen und Besucher der Museumsnacht ein Newcomer unter den Stadtsanktgaller Museen gewesen sein: das Seifenmuseum an der Rorschacher Strasse 135. Es ist seit gut zwei Monaten offen. Zuvor hatte Vasco Hebel seine Sammlung mit rund 3000 Seifenstücken zu Hause ausgestellt.

Der mit 13 Jahren mit Abstand jüngste Museumsdirektor der Stadt St. Gallen stellte die Museumsnacht unters Motto «Marseille – St. Gallen» und vermittelte auf seinen Führungen Wissenswertes über Geschichte, Herstellung und Arten der «Savon de Marseille». Passend dazu fiel der kulinarische Auftritt mit einer Bouillabaisse aus. Vom ersten Auftritt des Seifenmuseums an der Museumsnacht zeigte sich Vasco Hebel befriedigt. Es seien «fast ein bisschen mehr Leute» gekommen, als er sich erhofft habe. Und – «natürlich» – will er mit seinem Museumsteam auch 2016 wieder am Anlass mitmachen.

Weitere Bilder unter www.tagblatt.ch/bilder

Entdeckungsreise mit der Taschenlampe im Depot des Naturmuseums. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Entdeckungsreise mit der Taschenlampe im Depot des Naturmuseums. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Viel fotografiert: Die Performance «Es werde Licht» im Kunstmuseum. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Viel fotografiert: Die Performance «Es werde Licht» im Kunstmuseum. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Vasco Hebel Seifenmuseum St. Gallen/jüngster Museumsdirektor der Stadt (Bild: Reto Voneschen)

Vasco Hebel Seifenmuseum St. Gallen/jüngster Museumsdirektor der Stadt (Bild: Reto Voneschen)