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Toni Weibels erfüllter Bubentraum

Toni Weibel hat unter anderen für das Nationalteam, den FC St. Gallen und den SC Brühl gespielt. Sein Bubentraum aber war ein ganz anderer.
Fredi Kurth
Toni Weibel (mittlere Reihe, dritter von rechts) auf dem Mannschaftsfoto des FC St. Gallen aus dem Jahr 1973. (Bild: Ein Jahrhundert FC St. Gallen)

Toni Weibel (mittlere Reihe, dritter von rechts) auf dem Mannschaftsfoto des FC St. Gallen aus dem Jahr 1973. (Bild: Ein Jahrhundert FC St. Gallen)

Toni Weibel spielte von 1963 bis 1966 auf dem Krontal und von 1973 bis 1976 auf dem Espenmoos. Dazwischen lag eine tolle Laufbahn, wofür ein Schweizer damals noch nicht ins Ausland wechseln musste. Die Besten spielten in der Nationalliga A. Doch Weibel lernte das Fussball-ABC weder beim SC Brühl noch beim FC St. Gallen, sondern beim FC Flawil. Wozu sein Talent taugte, hatte der junge Springinsfeld damals aber noch keine Ahnung.

Nach einem Abstecher zu den Reserven der Grasshoppers erhielt der robuste Stürmer die Chance, beim SC Brühl zu spielen. «Ich zog den NLB-Verein dem FC St. Gallen vor, weil sich dieser noch in der 1. Liga abmühte.» In der dritten Saison bei den Kronen, wie sie damals genannt wurden, erlebte Weibel aber noch zwei Stadtderbys. Sowohl zum 3:3 im Heimspiel als auch zum 4:1-Sieg auf dem Espenmoos steuerte er je einen Treffer bei. Brühl verpasste den Aufstieg in die Nationalliga A um nur einen Punkt.

«Hallo, hier spricht Karl Rappan»

Ihn selber konnte aber nichts mehr an einer Laufbahn in der höchsten Liga hindern. Sein Bubentraum war Lausanne-Sports. 1954, im Alter von 13 Jahren, hatte er in einem Flawiler Fernsehgeschäft das WM-Spiel Schweiz gegen Österreich (5:7) in schwarz-weiss bestaunt. Die Pontaise, heute noch das Stadion von Lausanne, gefiel ihm besonders. Brühl hätte ihn nach damaligen Gepflogenheiten sperren können. Doch der damalige Brühl-Präsident Josef Stücheli, der auch Maestrani-Direktor war, hatte Verständnis.

Irgendwie, Weibel vermutet über einen welschen Ostschweiz-Korrespondenten, kam der Kontakt zustande. Karl Rappan, der Trainer von Lausanne, der mehrmals das Schweizer Nationalteam betreute und ihm die legendäre Riegel-Taktik beigebracht hatte, war persönlich am Telefonapparat: «Hallo, hier spricht Karl Rappan. Ich kenne Sie nicht, möchte Sie einmal in einem Trainingsspiel sehen.» Es fand in Zürich gegen Juventus ZH statt. Weibel war es plötzlich kribbelig zumute, er musste erst bei seinem Arbeitgeber um frühzeitigen Feierabend bitten. Rappan fand indessen Gefallen an Weibels Auftritt inmitten der von ihm angehimmelten Stars wie Richard Dürr, ebenfalls ein Ex-Brühler, oder Ely Tacchella. Der Coach stand sogleich mit seinem Notizblöckli da. «Es war eine für die damalige Zeit wunderbare Offerte. Mit den Punkteprämien konnte ich monatlich mit 3000 bis 4000 Franken rechnen, nebst dem beruflichen Einkommen.» Weibel erinnert sich auch an die Transfersumme von 80 000 Franken, die Lausannes Präsident, ein griechischer Reeder, dem SC Brühl überwies.

Sigi Gantenbein holt ihn aufs Espenmoos

Lausanne war ein Spitzenteam, machte im Messestädte-Cup (heute Europa League) mit und einmal im Cupsieger-Cup als Finalverlierer gegen Basel, das am Meistercup teilnahm. Berühmt wurde jener Cupfinal durch den Sitzstreik der Waadtländer auf dem heiligen Wankdorf-Rasen. Anton «Toni» Weibel, auch John gerufen, spielte in 13 Spielen für die Schweiz, von denen sie sechs gewann, gleich sein erstes gegen Österreich mit 1:0. Keine schlechte Bilanz. Er war über längere Zeit Stammspieler bei den Rotjacken – die Zahl der Länderspiele war damals im Vergleich zu heute noch gering.

1971 wechselte Weibel für zwei Jahre zum FC Sion, ehe ihn 1973 der spätere FC-St. Gallen-Präsident Sigi Gantenbein aufs Espenmoos vermittelte. Hier hatte der Internationale, inzwischen vom Stürmer und Mittelfeldspieler zum Verteidiger mutiert, wesentlichen Anteil daran, dass sich der Ostschweizer Verein allmählich in der Nationalliga A etablierte. «Zunächst gelang dies noch eher in einer Wohlfühl-Atmosphäre. Mit dem Engagement von Trainer Willy Sommer schafften wir sogar den Sprung in die Spitzengruppe.»

Im Tessin sesshaft geworden

Noch zwei Jahre Spielertrainer beim FC Staad und drei Jahre beim FC Flawil, das war's dann mit der Fussballerlaufbahn. Doch der beruflich stets im technisch-kaufmännischen Bereich tätige Experte wollte eine weitere Landessprache lernen und wurde zusammen mit seiner Frau Verena und als Vater von zwei Söhnen in Rivera Comune di Monte Ceneri sesshaft. Heute, im Alter von 75 Jahren, verfolgt er die Spiele des FC St. Gallen am Fernsehen. «Eigentlich bin ich eher St. Galler als Brühler. Der Nachbar, ein Anhänger des FC St. Gallen, nahm mich als Bub zwei- bis dreimal pro Saison aufs Espenmoos mit. Diese Spielstätte mit Holzrampen und Holztribüne hat mir im Vergleich zum Flawiler Sportplatz enorm imponiert.»

Matchtip Toni Weibel: FC St. Gallen – FC Vaduz 2:1 morgen So, 13.45 Uhr, Kybunpark

Toni Weibel ehemaliger FCSG-Spieler (Bild: PD)

Toni Weibel ehemaliger FCSG-Spieler (Bild: PD)

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