«Toggenburg» verliert seine Seele

Mäggi Bischof erfüllte sich 1997 mit der Übernahme des Restaurants an der Kirchstrasse einen Traum und wurde den Gästen mehr als Wirtin und gute Köchin.

Peter Beerli
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Mäggi Bischof (Bild: pd)

Mäggi Bischof (Bild: pd)

RORSCHACH. In einem Seegottesdienst nahmen kürzlich Angehörige, Freunde und Gäste von Mäggi Bischof für immer Abschied von einer Frau, die in ihrem Leben Bedeutung gewonnen hatte.

Mäggi Bischof wuchs mit sechs Geschwistern zusammen auf einem Bauernhof oberhalb von Altstätten auf. Mit 17 Jahren machte sie sich auf den Weg in die französische Schweiz. Sie erlernte den Gastronomieberuf und erweiterte ihren Horizont in verschiedenen Hotels, Restaurants und Bars in der Schweiz. Auch als sie später im Unterrheintal für ihre drei Kinder zu sorgen hatte, machte sie noch Aushilfen in Restaurants. Sie träumte davon, dann wenn ihre Kinder die Ausbildung abgeschlossen hätten, eine eigene Gaststätte zu übernehmen.

Köchin mit offenem Herzen

Im Mai 1997 ging der Traum in Erfüllung: Mit der Brauerei Löwengarten schloss sie einen Pachtvertrag für das Restaurant Toggenburg ab. Sie hat das Haus später käuflich erworben und um ein inzwischen leider verschwundenes Gartenrestaurant erweitert. Bald war sie als gute Köchin bekannt. Sie verwöhnte mit Hausmannskost und wartete mit grossen Portionen zu erschwinglichen Preisen auf. Mäggi Bischof war vom Morgen bis in die Nacht hinein für ihre Gäste da, und nie hiess es «die Küche ist geschlossen». Sie wollte, dass sich alle Gäste, gleich welchen Alters und aus welcher Schicht, wohl fühlten. Sie hatte offene Ohren und ein offenes Herz. Wenn jemand Probleme oder Sorgen hatte, war sie da.

Teamfähige Chefin

Ihre Angestellten loben, dass die Chefin auch die Meinung des Personals anhörte und akzeptierte. Sie sorgte für Ordnung im Lokal. So kam es nie zu Streit, und nie hätte ein Mann einer Angestellten oder einem weiblichen Gast zu nahe treten müssen.

Mäggi Bischof wusste Feste zu organisieren. Oft wurde gefeiert, am ersten August etwa oder an Geburtstagen. Im Winter fuhren Wirtin, Gäste und das Personal in Skiweekends. Am Silvester lud Mäggi Bischof die Stammgäste zu einem Vier-Gänge-Menu ein. An der Fasnacht wurde das Lokal zusammen mit den Stammgästen dekoriert, und auch Guggen-Gruppen kehrten gerne hier ein.

Die Welt bereist

Jedes Jahr überliess Mäggi Bischof die «Toggenburg» einige Wochen ihrem treuen Personal und reiste, manchmal ganz allein, in alle Welt, um Natur, Menschen und Kultur zu erleben. Auch als sie schon krank war, erschien sie täglich in ihrer «Toggenburg», um zu kochen und ihre Gäste zu verwöhnen. Nun fehlt die treue Seele in der «Toggenburg», aber ihre Kinder wollen dafür sorgen, dass das Restaurant in Mäggi Bischofs Sinne weitergeführt wird.