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Tod oder Turandot

Prinz Kalaf wirbt um die Hand Turandots. Er will die drei Rätsel lösen, sonst stirbt er. So will es die Kaiserstochter in Schillers «Turandot». Die Theatergruppe der Kanti feiert damit Premiere.
Monika von der Linden
Kalaf (Simon Schmalz) versucht die Bedingungen des Gesetzes zu erfüllen und alle drei Rätsel zu lösen, die Turandot (Rahel Egger) ihm aufgibt. Dann darf er sie heiraten – sonst wird er geköpft. (Bild: Monika von der Linden)

Kalaf (Simon Schmalz) versucht die Bedingungen des Gesetzes zu erfüllen und alle drei Rätsel zu lösen, die Turandot (Rahel Egger) ihm aufgibt. Dann darf er sie heiraten – sonst wird er geköpft. (Bild: Monika von der Linden)

HEERBRUGG. Die Theatergruppe der Kantonsschule Heerbrugg gibt sich vielseitig. Im vergangenen Jahr führte sie «Little Shop of Horrors» auf. Auf das skurrile Musical folgt nun ein Klassiker von Friedrich Schiller: «Turandot». Er schrieb das Theaterstück zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

«Es zählt zwar nicht zu den bekanntesten Werken Schillers», sagen die Co-Regisseurinnen Simone Bischof und Milena Todic. Aber es spielen viele Charaktere und Statisten mit. Und dennoch sind die meisten Rollen doppelt besetzt.

Die Hauptrollen spielen Adam Szwed und Simon Schmalz (Prinz Kalaf, Fürst der nogaesischen Tataren) sowie Amber Sieber und Rahel Egger (Turandot, Tochter des Kaisers). Joel Küng schlüpft als einziger Schauspieler in die Rolle des Baraks (einstiger Erzieher Kalafs). Die Schauspieler sprechen darüber, was sie über Turandot und Friedrich Schillers Frauenbild denken.

Nicht unter Zwang heiraten

Er habe erst nach einer Weile den Sinn des Stücks verstanden, sagt Adam Szwed. Die Sprache sei kompliziert und die Botschaft komplex: Schiller thematisierte in seinem Werk, dass es damals das höchste Gut eines Kaisers war, seinen Pflichten gerne und aus Überzeugung nachzugehen.

Deshalb stellt er es auch nicht in Frage, seine Tochter Turandot mit einen Prinzen zu verheiraten. «Turandot aber will niemandem gehören und erst recht nicht unter Zwang heiraten», sagt Adam Szwed. «Bis Kalaf vor ihr auftaucht, haben sie alle Anwärter nur besitzen wollen.»

Damit sie die Zwangsheirat umgehen kann, gibt Turandot jedem Bewerber ein scheinbar unlösbares Rätsel auf: Nur derjenige, der drei Fragen richtig beantwortet, bekommt sie zur Frau. Falls er es nicht schafft, wird er geköpft. «Das Verhalten der Kaiserstochter erinnert mich an das moderne Frauenbild», sagt Joel Küng. «Meine Schwester kämpft auch für Selbstbestimmung.»

Prinz Kalaf lässt sich von Turandot verzaubern. «Er bewundert sie dafür, dass sie ihre Freiheitsliebe offen ausspricht», sagt Adam Szwed. «Sie wiederum bewundert Kalafs Intelligenz und seinen Edelmut. Beide öffnen sich füreinander und verlieben sich ineinander. «Sich jemandem zu öffnen, bedeutet aber auch, sich ihm zu unterwerfen», meint Adam Szwed.

«Es ist ein schöner Gedanke, dass man Pflichten und Freude vereinen kann», sagt Simon Schmalz. «Aber zuerst kommt die Freiwilligkeit.» Turandot kann sich ihre Liebe zu Kalaf erst eingestehen, als der Zwang weggefallen ist. Simon Schmalz vergleicht mit der Schule: «Das Lernen fiele mir leichter, wenn die Lehrer Interesse für ein Thema wecken und dann auf Freiwilligkeit setzen. Das Theaterspiel sei ein gutes Beispiel, dass das funktioniert, meint Milena Todic. «Im Unterricht würde niemand Schiller auswendig lernen.»

Alt und doch aktuell

Zur Zeit Schillers war die Frau ein Objekt ohne Selbstbestimmung. «Mir gefällt das Frauenbild hier, weil Turandot stark ist und sich durchsetzt», sagt Amber Sieber. Obwohl das Stück alt sei, habe sich nicht viel geändert, meint Rahel Egger. Heute stellt sich einer Frau immer noch die Frage, wie sie Karriere und Heirat verbinden kann. «Jeder, der sich auf eine Liebe einlässt, gibt etwas Entscheidungsfreiheit auf.» Heute werde wenigstens darüber diskutiert. «Schiller will aufzeigen, dass man sich entscheiden muss.» Und Kalaf passe nicht ins damalige Gesellschaftsbild, weil er Turandot verstehe.

Auf alle Fälle empfiehlt Simon Schmalz, sich das Stück anzuschauen: «Es geht um Themen, die im Leben wichtig sind.» Ausserdem biete es Einblick in Schillers Gedankenwelt. «Wir bringen es so auf die Bühne, dass man es gut versteht.»

Joel Küng: «Es wird ein Genuss, davon bin ich überzeugt.»

Weil die Rollen in Friedrich Schillers «Turandot» doppelt besetzt sind, gibt es zwei Premieren. Die erste ist am Freitag, 29. April, um 19.30 Uhr; die zweite am Samstag, 30. April, um 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am Sonntag, 1. Mai, um 17 Uhr und am Mittwoch, 4. Mai, um 19.30 Uhr. Es gibt keinen Vorverkauf, aber eine Kollekte.

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