Tiger auf Trab halten

Sie sind keine Schmusekatzen. Im Gegenteil. Die sibirischen Tiger im Gossauer Walter-Zoo sind Raubtiere. Trotzdem arbeitet Tierlehrer Remo Müller vor Publikum fast täglich mit ihnen.

Rafael Rohner
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Mit einem Stück Fleisch lockt Tierlehrer Remo Müller das Tigerweibchen Tatinka über das Hindernis. (Bild: Ralph Ribi)

Mit einem Stück Fleisch lockt Tierlehrer Remo Müller das Tigerweibchen Tatinka über das Hindernis. (Bild: Ralph Ribi)

Gossau. Die Tiger im Walter-Zoo sind erwachsen geworden. Zumindest sehen sie so aus. Der zweieinhalb Jahre alte Timur beispielsweise wiegt 180 Kilogramm. «Den grössten Wachstumsschub hat er hinter sich», sagt Tierlehrer Remo Müller, «aber er kann immer noch zulegen.»

Bald ist es zwei Jahre her seit Remo Müller die erste Tiger-Vorführung im Walter-Zoo zeigte.

Damals mit bedeutend kleineren Tigern, «die aber bereits scharfe Krallen und mehr Kraft hatten als ich». In den zwei Jahren hat sich einiges geändert, nicht nur die Grösse der Tiger. Die Vorführung ist anspruchsvoller geworden.

Nicht Show, sondern Training

Kurz vor elf Uhr gestern morgen versammelten sich immer mehr Leute in der gedeckten Arena.

Kinder in Regenmänteln mit Rucksäcken sowie andere Interessierte warteten gespannt auf den Beginn der Tigershow – nicht «Show», sondern «Training» würde Remo Müller sagen.

Bevor er die Raubtiere in die Arena lässt, erzählt er von den Tieren. Ihrer Herkunft, den Verhaltensweisen und dass sie vom Aussterben bedroht seien und pro Tag vier bis sechs Kilo Fleisch frässen. Ein weitläufiges Gehege alleine genüge den Tieren nicht, sagt er. «Sie brauchen auch Abwechslung und Bewegung.

» Darum sei die Vorführung wichtig. Sie gäbe den Tigern eine Tagesstruktur und halte sie auf Trab. Nun wechselt Remo Müller vom Plauderton auf Hochdeutsch und gibt streng, aber ruhig Kommandos. Der erste Tiger betritt die Arena, läuft dem Gitter entlang, knurrt, fletscht bedrohlich die Zähne und setzt sich dann folgsam auf den ihm zugewiesenen Platz. Zur Belohnung kriegt er einen Happen Fleisch. Nacheinander schleichen die anderen drei Tiger in die Arena. «Jeder Tiger macht das, was er am besten kann», sagt Remo Müller.

Das Tigerweibchen Tatinka springt spielend leicht meterweit über zwei Zäune. Rani lässt sich von Remo Müller streicheln und Vitali kann über einen Holzbalken balancieren. Zum Schluss stellt sie sich in voller Grösse ans Gitter und schnappt nach Fleisch. Dem Buben mit der Schirmmütze auf der anderen Seite des Gitters bleibt dabei der Mund offen stehen.

Abkühlung nach dem Training

Nach der Arbeit das Vergnügen und das eigentliche Highlight der Aufführung. Kaum ist diese nämlich zu Ende, lässt der Tierpfleger die Raubtiere ins Aussengehege. Sie tollen umher, springen ins Wasser und balgen um ein Stück Holz. «Nach der Aufführung nehmen sie häufig ein Bad zur Abkühlung», sagt Remo Müller. «Training belebt.»

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