Tierisch überwintern

Die Wälder sind tief verschneit und das Futter für die Wildtiere dementsprechend rar. Wildhüter Mirko Calderara erklärt, wie die Tiere damit umgehen und weshalb es so wichtig ist, dass sie von Wintersportlern nicht aufgescheucht werden.

Livia Büchler
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Wildhüter Mirko Calderara zeigt die Spuren, die ein Hase im Schnee hinterlassen hat. (Bild: Livia Büchler)

Wildhüter Mirko Calderara zeigt die Spuren, die ein Hase im Schnee hinterlassen hat. (Bild: Livia Büchler)

Region Rorschach. «Im Herbst fressen sich alle Tiere Winterspeck an», sagt Mirko Calderara, Wildhüter der Region. Dieser Speck diene als Energiespeicher, von dem die Tiere in der kalten und futterarmen Jahreszeit zehren können. «Das Reh bewegt sich im Winter weniger, weil es auch weniger Nahrung zu sich nehmen kann. Es passt sich an die Umstände an und der Stoffwechsel wird gesenkt», erklärt er. Es sei deshalb enorm wichtig, dass die Tiere im Winter ihre Ruhe hätten. Scheu wie sie sind, flüchten Wildtiere, sobald sich ihnen etwas Unbekanntes nähert. Wenn Wintersportler mit Tourenski oder Schneeschuhen die Wege verlassen, schrecken sie die Tiere auf. Eine solche Flucht braucht viel Energie. «Wenn ein Reh zu oft aufgeschreckt wird, führt das zu Wildschaden: Das Tier sucht verzweifelt nach Nahrung und beschädigt dabei die Bäume. In schlimmen Fällen stirbt das Tier vor Erschöpfung.»

«Bitte nicht füttern»

«Generell füttern wir die Tiere im Kanton nicht», sagt Calderara. «Wenn die Tiere ihre Ruhe haben, können sie den Winter überstehen.» Auch die Enten müssen dem Winter trotzen, sie zu füttern – Sommer oder Winter – ist jedoch keine gute Idee. «Wenn man den Enten sackweise trockenes Brot gibt, lockt das die Krähen an, die im Sommer die Eier aufpicken.» Es sei nicht wünschenswert, dass die Tiere gefüttert werden. Wenn man für die Vögel Körner streue, dann sei das, als ob man eine Jahreszeit ausschalten würde, sagt Calderara. Es ist eine Regel der Natur, dass die schwachen Tiere den Winter nicht überstehen.

Rehe, vereinzelt Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder, Vögel und viel mehr – die Wälder in der Region sind voller Leben. «Die meisten Vögel ziehen im Winter in den Süden», erklärt Mirko Calderara. «Viele Tiere bekommen ein Winterfell (siehe Kasten), dass sie vor Kälte schützt.» Der damit verbundene Farbwechsel – im Sommer hat das Reh ein rotes, im Winter ein grau-braunes Fell – habe mit der Sonne zu tun: «Mit der dunkleren Fellfarbe lässt sich die Wärme der Sonne besser absorbieren», so Calderara, der olivfarben gekleidet ist.

Jahr der Biodiversität

2010 ist das Jahr der Biodiversität. Kurzfristig hätte sich aber nichts verbessert, sagt der Wildhüter. «Ich bin schon zufrieden, wenn es so bleibt, wie es ist, und wäre überaus froh, wenn sich etwas verbessern würde.» Der Druck auf die Natur sei durch die Freizeitnutzung, die ständige Suche nach Bauland und den Verkehr sehr gross.

Bestände verringert

Die Bestände des Rehwildes seien in den letzten 20 bis 30 Jahren zurückgegangen. «Jetzt ist der Bestand so gross, dass eine nachhaltige Nutzung des Waldes stattfindet.» Wildschweine gebe es in der Region nur vereinzelt und der Bestand des Raubwildes – Füchse, Dachse und Marder – sei im Moment aufgrund der Staupe, eine Viruserkrankung, tief. «Das Raubwild wird sich schnell erholen. Es wird jetzt grössere Würfe geben.» Beim Fuchs seien das sieben bis acht Junge anstatt nur fünf bis sechs. Die Natur gleiche damit den Rückgang schnell wieder aus.

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