TIERISCH: Der gute Hirte und seine Schafe

Die katholischen Gottesdienste vom kommenden Wochenende sind der ganzen Tierwelt gewidmet. Die Idee, den Fokus auf diese Lebewesen zu richten, stammt vom Pfarreibeauftragten Wieland Frei.

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Der Pfarreibeauftragte Wieland Frei widmet die Gottesdienste vom kommenden Wochenende der Tierwelt. In seinen Predigten befasst er sich mit Theologen, die sich für das Wohl der Tiere eingesetzt haben. (Bild: PD)

Der Pfarreibeauftragte Wieland Frei widmet die Gottesdienste vom kommenden Wochenende der Tierwelt. In seinen Predigten befasst er sich mit Theologen, die sich für das Wohl der Tiere eingesetzt haben. (Bild: PD)

Tiere sind gesegnete Geschöpfe Gottes, steht im alttestament­lichen Buch Genesis. «Was wäre unsere Erde, wenn wir nicht die grosse Artenvielfalt von Tieren um uns herum hätten. Auch ich freue mich täglich über das Dasein meiner Katze Simba», begründet Seelsorger Wieland Frei seinen Entschluss, die Tierwelt in seiner Predigt zu thematisieren.

Der Pfarreibeauftragte sieht aber nicht nur die positiven ­Aspekte. Ebenso verurteilt er die Auswüchse der Massentierhaltung oder die Überfischung und Vermüllung der Meere. «Persönlich bin ich zwar kein Vegetarier. Aber die artgerechte Haltung ist für mich ein zentrales Thema», erklärt er seine Einstellung.

Für das Wohl der Tiere

In vielen Bibelstellen zeigt sich die Wertschätzung gegenüber den Tieren. So steht in Exodus 23: «Sechs Tage wirst du deine ­Arbeit tun; aber am siebten Tag wirst du davon ablassen, damit dein Stier und dein Esel ruhen». Der verantwortungsvolle und achtsame Umgang war nicht nur dem evangelischen Theologen und Arzt Albert Schweitzer ein grosses Anliegen. Auch Franz von Assisi, der den Wolf von Gubbio als Erstes segnete, als er ihm begegnete, setzte sich zeitlebens für das Wohl der Tiere ein. «Es werden mehrere Jahrtausende von Liebe nötig sein, um den Tieren ihr durch uns zugefügtes Leid wiedergutzumachen», zitiert Wieland Frei den Stifter des Franziskanerordens. Die Tiere seien dem Schöpfergott so wichtig, dass er von allen Arten ein Pärchen auf die Arche Noah befahl. Aber auch der Buddhismus ruft zu einem achtsamen Umgang gegenüber allen Geschöpfen auf.

Tiere als Therapeuten

Wieland Frei möchte in Zukunft noch einen Schritt weitergehen. Für sein nächstes Projekt plant er, dass die Gläubigen ihre Haustiere zur Segnung in den Gottesdienst mitbringen dürfen. «Das Tabu, dass Tiere nichts in einer Kirche zu suchen haben, beruht auf einer falschen Pietät», sagt der Seelsorger. In den Gottesdiensten vom kommenden ­Wochenende will er vorerst an die positiven Beziehungen von Mensch und Tier erinnern. So dürften Betagte je länger, je mehr ihr Haustier ins Altersheim mitnehmen, was eine Verbesserung der Lebensqualität zur Folge hat.

Erinnern möchte er auch an die Erfolge von tiergestützten Therapieverfahren zur Heilung diverser Krankheiten. «Tiere dienen den Menschen nicht nur als Nutztiere. Sie sind auch Seelentröster oder werden als Lebensretter eingesetzt», sagt der Pfarreibeauftragte. In der Andacht wird er nicht nur für die Bewahrung der Schöpfung Gottes, insbesondere für die Artenvielfalt beten, sondern auch an die Leute und Institutionen denken, die sich tagtäglich im Bereich des Tierschutzes engagieren. Die Kollekte von Untereggen kommt Akut zugute, der Organisation Aktion Kirche und Tiere.

Daniela Huber-Mühleis

redaktionot@tagblatt.ch

Hinweis Daten der katholischen Gottesdienste vom Wochenende: Goldach: Samstag, 11. Februar, 18.00 Uhr. Rorschach, Sonntag, 12. Februar, 9.30 Uhr. Untereggen: Sonntag, 12. Februar, 11.00 Uhr.