Tiere mit braunen Zähnen

Mit Taschenlampen ausgerüstet schwärmen an der Museumsnacht Kinder durchs Depot des Naturmuseums. Dort lagern rund 300 000 präparierte Tiere.

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Dem Eisbär ins Maul geschaut: Kinder auf der Taschenlampen-Führung im Depot des Naturmuseums. (Bilder: Michel Canonica)

Dem Eisbär ins Maul geschaut: Kinder auf der Taschenlampen-Führung im Depot des Naturmuseums. (Bilder: Michel Canonica)

Vor der Türe des Museums stehen die Kinder am Samstag nach 18 Uhr bereits Schlange. Aufgeregt diskutieren sie, wie dunkel es wohl wirklich sein wird dort unten, im Museumskeller. Als sie eingelassen werden, werfen einige dem Mami einen letzten ängstlichen Blick zu. Andere wiederum kennen kein Halten: Sie stürmen los, greifen sich eine Taschenlampe und marschieren schnurstracks in Richtung musealer Unterwelt.

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Die Atmosphäre gleicht zuerst der auf einer Schulreise. Es wird gelacht, gestaunt, sich gegenseitig mit den Taschenlampen ins Gesicht geleuchtet. Als die Leiterin der Führung beim ersten Halt verlangt, dass alle ihre Lampen ausschalten, herrscht plötzlich nervöse Stille. Tatsächlich ist es ein wenig gruselig im Dunkeln. Tausende Tiere scheinen einen mit erstaunlich lebendigen Augen anzustarren. Die Stille ist aber nur von kurzer Dauer. Als den Kindern Fragen zu den verschiedenen Tieren gestellt werden, will jeder der Kleinen zeigen, was er alles weiss. Der Eisbär hat eine schwarze Haut unter seinem weissen Fell, damit er die Sonnenstrahlen aufnehmen kann. Der Ameisenbär hat keine Zähne. Und natürlich frisst der Bartgeier keine Babies. Auch die Skelette der Tiere haben es den Kindern angetan. Die allgemeine Meinung zum Knochengerüst eines Hundes: «Jöö! So härzig!»

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Natürlich findet das kleine Publikum nicht an allen Präparaten wirklich Gefallen. Mit der Hygiene nahmen es die Viecher halt nicht so genau. Da hat der Elch doch tatsächlich braune Zähne! Aber: «Dä hät halt kai Zahpastä.» Nach einer halben Stunde ist die Führung vorbei. Und ein kleines Mädchen mahnt: «Ez mömer aber schnell use go. Suscht mömer am Schluss no für immer do ine blibe!»

Aisha Green

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