Tiere hielten Polizei auf Trab

ST.GALLEN. Ein unfallverursachender Fuchs, ein Pferd auf der Teufener Strasse oder ein «Ungeheuer» im Gübsensee – die Stadtpolizei wurde 2014 von Tieren auf Trab gehalten. Auch Menschen lösten ungewöhnliche Polizeieinsätze aus.

Kathrin Reimann
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Dieses Tier konnte die Polizei im April aus dem Gübsensee fischen. (Bild: Stapo St.Gallen)

Dieses Tier konnte die Polizei im April aus dem Gübsensee fischen. (Bild: Stapo St.Gallen)

Verkehrsdelikte, Drogendelikte und Schlägereien – auch der Stadtpolizist hat seine Routinefälle zu erledigen. Im letzten Jahr mussten die Polizisten dennoch einige Male zu unvergesslichen Einsätzen ausrücken. So etwa kurz nach Jahresbeginn, am 13. Januar, als die Stadtpolizei wegen eines Fahrradunfalls auf der Müller-Friedberg-Strasse alarmiert wurde. An und für sich ist das kein aussergewöhnlicher Einsatz. Da es sich beim Unfallverursacher aber um einen Fuchs handelte, erschien der Fall in einem anderen Licht. Das Tier war einem 59jährigen Velofahrer bei der Verzweigung mit der Goethestrasse plötzlich ins Velo gerannt, worauf der Lenker stürzte. Er kam mit dem Schrecken davon und konnte das Spital noch am selben Abend wieder verlassen. Vom vermutlich verletzten Fuchs, nach dem die Polizei anschliessend suchte, fehlte aber jede Spur.

Die Nerven behalten

Ein weiterer spektakulärer Fall ereignete sich zwei Wochen später, am 26. Januar, als am Sonntagmorgen ein Lastwagenfahrer mit seinem 13 Tonnen schweren Lastwagen auf der vereisten Dreilindenstrasse ins Rutschen kam. Der Milchtankwagen kam dabei von der Strasse ab, rutschte rückwärts 55 Meter den Hang hinunter, riss mehrere Zäune ein und kam am steilen Hang zum Stillstand. Verletzt wurde niemand, unter enormem Aufwand konnte der Lastwagen danach geborgen werden. «Das spektakulärste an diesem Fall ist, dass der Fahrer in seiner misslichen Situation die Nerven behalten hat», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer. Hätte er dies nicht getan, hätte der Lastwagen auch weiter rutschen und in die nahen Häuser prallen können. Da sich der Unfall früh morgens ereignete, löste er im Quartier kein grosses Aufsehen aus. «Allerdings tauchten später Bilder vom Unfall auf, die vom Rosenberg aus gemacht wurden: Man konnte das sogar von dort aus mitverfolgen», sagt Widmer.

Ein Ungeheuer aus China

Einen weiteren aussergewöhnlichen Fall löste die Stadtpolizei Ende April. Bereits im Herbst 2013 hatten Fischer im Gübsensee eine Chinesische Weichschildkröte, die ein bisschen einem Seeungeheuer ähnelt, gesichtet. Die Bevölkerung wurde danach gebeten, es der Polizei zu melden, sollte das Tier entdeckt werden. Was dann am 28. April geschah: Ein Spaziergänger meldete der Polizei, die Schildkröte auf der Südseite des Gübsensees gesehen zu haben. Das Tierschutzteam der Stadtpolizei konnte das Tier einfangen. Es verbrachte dann eine Nacht auf dem Polizeirevier und wurde anschliessend der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz übergeben. Wer das exotische Tier ausgesetzt hatte, ist bis heute nicht bekannt.

Ein weiterer Fall, der den Stadtpolizisten in Erinnerung geblieben ist, ereignete sich am OpenAir St.Gallen, wo ein betrunkener 27-Jähriger am frühen Sonntagmorgen auf das Zeltdach der Sternenbühne kletterte und danach vier Meter in die Tiefe stürzte. «Er hatte wahnsinniges Glück, dass er sich dabei nur leicht verletzte», sagt Julia Bommersheim von der Stadtpolizei. Ebenfalls Alkohol im Spiel war, als am 16. Oktober eine 27jährige Frau in ihre eigene Wohnung einbrach. Die Frau war mit 1,7 Promille im Blut nicht mehr in der Lage, ihre Wohnungstür aufzuschliessen. Nachdem sie beim erfolglosen Versuch, diese zu öffnen, den Inhalt ihrer Handtasche im Treppenhaus verteilt hatte, entschloss sie sich, die Balkontüre einzuschlagen. Die Polizei wurde auf den Einbruch in die eigene Wohnung aufmerksam, als sich eine Nachbarin meldete.

Pferd auf der Teufener Strasse

Am 14. November stürzte eine 58jährige Reiterin beim nachmittäglichen Reittraining vom Pferd und blieb bewusstlos liegen. Das aufgebrachte Pferd riss nach dem Sturz über mehrere Zäune aus und rannte entlang der Solitüdenstrasse auf die Teufener Strasse. Dabei stürzte es mehrmals und zog sich Verletzungen zu. Das Pferd rannte schliesslich die Teufener Strasse abwärts über die Wassergasse und die Berneggstrasse. An der Felsenbrücke konnte das Tier durch Polizisten der Stadtpolizei angehalten und zurück in seinen Stall gebracht werden.

Schwedenkuss für die Kontrolle

Auch die Polizisten zogen sich bei ihren Einsätzen manchmal Verletzungen zu oder kamen nur haarscharf an solchen vorbei. So wurde etwa ein Polizist von einer Frau in den Arm gebissen, ein anderer kassierte bei einer Kontrolle einen Schwedenkuss. Eine Autofahrerin war ausserdem so sehr durch ihr Handy abgelenkt, dass sie bei einer Verkehrskontrolle beinahe einen Polizisten überfuhr.

Hier schlitterte der Lastwagen den Hang hinunter.

Hier schlitterte der Lastwagen den Hang hinunter.