Thurgau schafft mehr Asylplätze

Die Thurgauer Durchgangsheime für Asylsuchende sind voll. Der Kanton will die Kapazität von 300 auf 390 Plätze erhöhen.

Thomas Wunderlin
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FRAUENFELD. Im Oktober hat der Bund dem Kanton Thurgau 86 Asylbewerber zugewiesen. «Ein Höchstwert dieses Jahr», sagt Florentina Wohnlich, die Leiterin des kantonalen Sozialamts, «es sieht nicht aus, dass es wieder runtergeht.» Die allgemeine Lage an der Asylfront beurteilt sie mit «angespannt und sehr ungewiss». Die Neuankömmlinge stammen vor allem aus Afghanistan, Eritrea und Syrien.

Alle Plätze sind belegt

In den sechs Durchgangsheimen, die von der Peregrina-Stiftung im Auftrag des Kantons geführt werden, sind alle 300 Plätze belegt. Um Platz für die täglich vom Bund überwiesenen Flüchtlinge zu schaffen, verteilt sie der Kanton an die Gemeinden weiter. Damit diese Zeit haben, ihre Asylplätze auszubauen, will Wohnlich die Kapazität der Durchgangsheime auf 390 erhöhen. Gesichert sind ab Ende Jahr 30 zusätzliche Plätze.

In Frauenfeld hat die Peregrina-Stiftung eine weitere Liegenschaft mieten können. Wo sie liegt, sagt Wohnlich nicht, um die Bewohner nicht zu exponieren. Verhandlungen für weitere 60 Plätze laufen.

Gemeinden bereiten sich vor

Die Mitwirkung der Gemeinden sei gut, sagt Wohnlich. Ein Fall wie das aargauische Oberwil-Lieli, das die Aufnahme von Asylsuchenden verweigert, gebe es im Thurgau keinen. «Sie sind sich bewusst, dass sie hier eine Aufgabe haben.» Die Gemeinden hätten noch Platz. «Aber wenn der freie Wohnraum nicht mehr da ist, müssen sie sich vielleicht überlegen, etwa einen Container aufzustellen.» Das kantonale Sozialamt verteilt die Asylsuchenden auf die Gemeinden im Verhältnis zu deren Einwohnerzahl.

Nachgerechnet wird alle drei Monate. Ende des zweiten Quartals lebten im Thurgau 650 Asylbewerber, was 0,25 Prozent der 260 000 Einwohner entspricht. Somit musste eine Gemeinde mit 10 000 Einwohnern beispielsweise 25 Asylbewerber aufnehmen. Ende des dritten Quartals ist die Quote auf 0,31 Prozent gestiegen. In der Obhut von Kanton und Gemeinden befanden sich 814 Asylbewerber, davon 261 beim Kanton und 553 in den Gemeinden.

Das Sozialamt erarbeitet zurzeit eine Eventualplanung für den Fall, dass sich der Flüchtlingsstrom plötzlich in die Schweiz wendet. Sie geht von der Annahme aus, dass kurzfristig 50 000 Asylsuchende untergebracht werden müssen. Der Thurgau müsste zusätzliche 1200 Plätze bereitstellen.