THEATERPROVISORIUM ZWISCHEN DEN MUSEEN: Theater spielen im Stadtpark

Der Kanton will das Theater St. Gallen für 47,6 Millionen Franken sanieren. Während der zwei Jahre dauernden Bauarbeiten soll der Betrieb in einem Provisorium im Stadtpark aufrechterhalten werden.

Reto Voneschen
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Der vom Kanton favorisierte Standort fürs Theaterprovisorium vor dem Historischen und Völkerkundemuseum im St.Galler Stadtpark. (Bild: Hanspeter Schiess (25. Juli 2013))

Der vom Kanton favorisierte Standort fürs Theaterprovisorium vor dem Historischen und Völkerkundemuseum im St.Galler Stadtpark. (Bild: Hanspeter Schiess (25. Juli 2013))

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Es ist erstaunlich: Der Kanton informiert über ein grosses und teures Sanierungsprojekt für einen seiner kulturellen Leuchttürme – und in der Stadt St. Gallen wird zuerst darüber diskutiert, wo der Theaterbetrieb während der Sanierung von Herbst 2019 bis Frühling 2021 provisorisch aufrechterhalten werden soll. Oder wo eben das Provisorium nicht hingehört (Text unten).

Die Verantwortlichen von Kanton und Theater haben das Sanierungsprojekt am Montag den Medien vorgestellt (Tagblatt vom Dienstag). Ausführlich gingen Regierungsrat Marc Mächler, Kantonsbaumeister Werner Binotto und Theaterdirektor Werner Signer auch auf das 4,5 Millionen teure Provisorium ein. Es soll im Stadtpark zu stehen kommen, zwischen dem Kunst- sowie dem Historischen und Völkerkundemuseum.

Angelehnt ans Historische und Völkerkundemuseum

Zur Positionierung des provisorischen Theaterhauses gibt es zwei Ansätze. Der Kanton favorisiert jene Lösung, die sich ans Historische und Völkerkundemuseum anlehnt. Damit sei es möglich, die Freitreppe vor dem Museum als Foyer und die Museumsfassade als imposante Kulisse für dieses Foyer zu nutzen. Der Zugang zur Tribüne würde von diesem Foyer aus von hinten erfolgen. Die Bühne befände sich in der westlichen Hälfte des Provisoriums. Das Publikum würde also vom Historischen und Völkerkundemuseum Richtung Kunstmuseum blicken.

Die Alternative ist, dass das Provisorium auf der Grünfläche zwischen den Museen steht, und zwar so, dass die Fussverbindungen in den Park auf beiden Seiten offen bleiben. Die innere Organisation des provisorischen Theaterhauses würde dafür umgekehrt: Die Tribüne befände sich auf der Seite des Kunstmuseums, die Bühne auf der Seite des Historischen und Völkerkundemuseums. Egal, welche Variante gewählt wird, vom Provisorium werden nur einer bis drei jüngere Bäume tangiert. Rechtlich ist das Provisorium ohne Fundamente und für begrenzte Zeit im Park möglich, auch wenn dieser der Grünzone zugeteilt ist. Dafür braucht es eine Ausnahmebewilligung des Stadtrates.

Das Provisorium ist einerseits nötig, weil eine etappenweise Sanierung des Theaters aus technischen, finanziellen wie betrieblichen Gründen nicht möglich ist. Zum andern könne das Theater St. Gallen nicht einfach die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 ausfallen lassen, sagt Theaterdirektor Werner Signer. Man habe eine Verpflichtung als Arbeitgeber von 250 Fest- und rund 300 Teilzeitangestellten. Zudem sei es wichtig, Abonnenten und Sponsoren bei der Stange zu halten. Für professionelle Musikproduktionen – Opern, Operetten, Musicals – brauche es ein Mindestmass an Technik. Mit ihnen könne man nicht irgendwohin ausweichen. Für andere Teile des Programms hingegen sind alternative Aufführungsorte möglich. Entsprechende Ideen seien vorhanden. Auch «Ausflüge» in die Region sind für Werner Signer denkbar.