THEATER ST.GALLEN: Theater um den Unteren Brühl

Wenn das Theater saniert wird, treten die Schauspieler in einem Provisorium auf. Ginge es nach dem Naturschutzverein, stünde dieses vor der Tonhalle. Doch Kanton und Stadt haben diese Idee längst verworfen.

Roger Berhalter
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Die Wiese vor der Tonhalle hat sich als beliebter öffentlicher Raum etabliert. (Bild: Ralph Ribi)

Die Wiese vor der Tonhalle hat sich als beliebter öffentlicher Raum etabliert. (Bild: Ralph Ribi)

Nach 50 Betriebsjahren hat das Theater St. Gallen eine Sanierung dringend nötig. Die Regierung plant nun eine grosse Renovation und beantragt dafür beim Kantonsrat einen Kredit von 47,6 Millionen Franken (Ausgabe vom Dienstag). Rund 4,5 Millionen Franken davon sind für ein Provisorium veranschlagt. Denn das Theater kann seinen Spielbetrieb nicht einfach für zwei Jahre einstellen, sondern möchte in einem Provisorium weiterhin Aufführungen zeigen. Voraussichtlich ab Frühling 2019 soll der provisorische Bau aufgestellt und danach zwei Saisons lang bespielt werden, bevor er im Sommer 2021 wieder abgebrochen wird. Kanton und Stadt möchten das Provisorium zwischen dem Kunstmuseum sowie dem Historischen und Völkerkundemuseum aufstellen, also an der

Museumstrasse am Rand des Stadtparks. Der städtische Naturschutzverein wehrt sich gegen diese Lösung und bringt stattdessen den Unteren Brühl als Standort ins Spiel: Dort, auf der Wiese vor der Tonhalle, soll das Theaterprovisorium zu stehen kommen.

An statisch heikler Lage
Diese Idee ist nicht neu. «Der Untere Brühl war einer der ersten Standorte, den wir für das Provisorium geprüft haben», sagt Kantonsbaumeister Werner Binotto. Die Wiese liegt nur ein paar Meter vom Theater entfernt, also war diese Variante wortwörtlich nahe liegend. «Es war ein grosser Wunsch des Theaters, dass das Provisorium in der Nähe bleibt», sagt Binotto. Dies unter anderem deshalb, weil seine Werkstätten auch während der Sanierung weiter betrieben werden. Zudem möchte man aus Kostengründen mit dem Provisorium an ein Gebäude «andocken», also eine bestehende Infrastruktur nutzen. Auf dem Unteren Brühl wäre dies die Tonhalle, an der Museumstrasse wäre es das Historische und Völkerkundemuseum.
Kanton und Stadt haben den Unteren Brühl als Theater-Standort allerdings schon wieder verworfen, und zwar aus mehreren Gründen. Einerseits befindet sich diese Wiese an einer statisch heiklen Lage, weil darunter die Parkgarage Brühltor liegt. «Es wäre technisch möglich gewesen, das Provisorium dort zu bauen, aber wir hätten statisch aufwendigere Massnahmen treffen müssen», sagt Binotto. Zwar sei auch der Platz zwischen den beiden Museen unterkellert, aber die Statik sei dort kein Thema.

Binotto betont, dass der Untere Brühl ein wichtiger Platz sei für die Stadt und die Stadtbevölkerung. Er spielt auf die Nutzung der Wiese als Park an, aber auch auf den Garten des Restaurants Concerto, dessen Gäste wohl wenig Freude an einem 15 Meter hohen Provisorium hätten. Eine offene Frage ist auch, ob und wie das Provisorium den Jahrmarkt- und Festbetrieb während der Olma und der Offa tangiert hätte. Im Gegensatz dazu sei der Standort zwischen den Museen deutlich weniger genutzt und nur mit geringen Eingriffen verbunden: «Wir gehen sorgfältig mit dem Stadtpark um.»

Es braucht so oder so eine Ausnahmebewilligung
Matthias Fuchs, Stabschef der städtischen Direktion Bau und Planung, weist ebenfalls darauf hin, dass auf dem Unteren Brühl ein «öffentliches Interesse an einer Nutzung» bestehe. Der Platz sei erst vor knapp sieben Jahren neu gestaltet worden und habe sich als beliebter öffentlicher Raum etabliert. Er biete seither eine «gute Aufenthaltsqualität». Der Standort zwischen den Museen sei für das Theaterprovisorium besser geeignet, zumal man mittlerweile von einer abgespeckten Variante rede: Während der Planung ist das Provisorium von 700 auf 500 Zuschauerplätze verkleinert worden. Auf diese Weise würden die Eingriffe vor Ort klein bleiben.
Fuchs betont aber auch: «Es gibt noch kein Bauprojekt.» Die Details des Provisoriums seien noch offen und dereinst Teil eines Baubewilligungsverfahrens. Weil der Stadtpark – und auch der Untere Brühl – in der Grünzone liegen, ist auf jeden Fall eine Ausnahmebewilligung nötig.

Alternativen wären teurer

Wo sollen die Schauspieler auftreten, während das Theater St. Gallen renoviert wird? In einem Provisorium möglichst in der Nähe. Kanton und Stadt haben verschiedene Standorte für ein solches Provisorium geprüft: das Platztor, den Unteren Brühl, eine Industriehalle auf dem früheren Armstrong-Areal in Winkeln oder eine Mietlösung auf dem Olma-Areal. Alle diese Lösungen hätten sich aber als «kostspieliger und aus künstlerischer Sicht als nachteilig» erwiesen, heisst es in einer Mitteilung des kantonalen Baudepartements. Das Provisorium ist nun am Rand des Stadtparks geplant, zwischen dem Kunstmuseum sowie dem Historischen und Völkerkundemuseum. (rbe)