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THEATER: Ein Geburtshelfer für Kultur

Der freischaffende Kulturmanager Jacques Erlanger hält sich meist im Hintergrund. Er setzt Konzepte für Theater- und Kunstprojekte um. Sein aktuelles Projekt handelt vom Grössenwahnsinn.
Matthias Fässler
Jacques Erlanger sitzt im Zimmer, in dem das Theaterstück aufgeführt wird und morgen auch das Podium stattfindet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Jacques Erlanger sitzt im Zimmer, in dem das Theaterstück aufgeführt wird und morgen auch das Podium stattfindet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eigentlich beschreibt das aktuelle Theaterprojekt genau das Gegenteil von dem, was die Arbeit von Jacques Erlanger auszeichnet. Es ist ein Bühnenstück über das Unrealistische, das Grössenwahnsinnige. «Trainingslager – St. Gallens geplatzter Olympiatraum» erzählt vom in den 1920er Jahren entworfenen Plan, im Tal der Demut ein Olympiastadion zu bauen. «Mein Ansatz ist ein anderer als damals», sagt Erlanger. «Ich stolpere vom Kleinen ins Grosse. Die Projekte werden erst mit der Zeit grösser.»

Erlanger, der Kulturnomade, stolpert nicht nur von Zeit zu Zeit ins Grosse, sondern auch von einem Projekt zum anderen. Mit seinem Namen verbindet man vor allem zwei Orte: das Sitterwerk, wo er als Geschäftsführer waltete, und die Militärkantine, die er mit aufbaute und mitprägte. Sein neustes Theaterprojekt, das er mit dem Schauspieler und Regisseur Oliver Kühn bestreitet, wird morgen Donnerstag mit einer Podiumsdiskussion lanciert (siehe Kasten).

Der Reiz des Unvollendeten

Seit Erlanger 2016 die Militärkantine verliess, ist er kulturwirtschaftlicher Dienstleister, oder wie er gerne sagt: Geburtshelfer. In dieser Funktion ist er im Hintergrund tätig, er entwickelt, konzipiert, sorgt für die Finanzierung, schreibt Projektbeschriebe. Er sorgt dafür, dass Ideen realisierbar werden. Im Rampenlicht stehen dann andere. Solche, die sich oft nicht um die Administration und Finanzierungsprozesse kümmern möchten oder können, wie etwa die freie Theaterszene. «Der Anspruch, Projekte professionell zu begründen, hat stark zugenommen», sagt Erlanger.

Die Arbeit als Dienstleister bringt es mit sich, dass Erlanger viele Projekte nach einer gewissen Zeit wieder verlässt. «Das Nomadische und Schnelllebige reizt mich», sagt er. Erlanger ist aber auch Arbeitsnomade, oft in Lokalen unterwegs, sein Büro habe «Kaffeeanschluss», sagt er.

Trotz seiner mobilen Arbeitsweise zieht sich doch ein roter Faden durch sein Schaffen: Überall wo er wirkt, werden Räume umfunktioniert und umgenutzt. Im Sitterwerk wurde aus einer ehemaligen Industriebrache ein Kunstbetrieb, aus einer Offizierskaserne ein Restaurant und Hotel, im vergangenen Jahr installierte Erlanger zusammen mit dem Künstler Patrick Kessler Klangkunst in alten Holzschöpfen in Gais. Auch mit der Theaterkompanie Rotes Velo sucht Erlanger bewusst nach Räumen, die nicht fürs Theater konzipiert sind. «Mich fasziniert die Arbeit an Orten, die eigentlich für etwas anderes vorgesehen sind.» Auch im Hof zu Wil, in dem Erlanger aktuell ein Zwischennutzungsprojekt leitet, reize ihn das Unvollendete, das nicht Definierte.

Ein geknicktes Selbstbewusstsein

Zurück ins Tal der Demut und in die Stadt St. Gallen, die im Zentrum des Theaterstücks steht, das Jacques Erlanger zusammen mit Oliver Kühn konzipiert und im Frühjahr 2019 zur Aufführung bringt. Es ist eine Geschichte über ein gigantisches Projekt, das heute wie aus der Zeit gefallen scheint, aber auch über das Wagen und Scheitern . «Das Olympia-Projekt ist wegen seiner Fallhöhe für ein Theater ein gefundenes Fressen», sagt Erlanger.

Anhand dieses besonderen Kapitels Stadtgeschichte werfen Erlanger und Kühn die Frage nach einer scheinbar typischen St. Galler Befindlichkeit auf: jener Sehnsucht nach Grösse, Anerkennung und Relevanz. Ein geknicktes St. Galler Selbstbewusstsein – «Ist da was dran?», fragen Erlanger und Kühn. Spielort des Theaters ist ein Bett in einem Hotelzimmer der Militärkantine. Bis der letzte Vorhang fällt, wird Erlanger wie immer die Fäden im Hintergrund ziehen.

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