Thaler für Grabmal ausgezeichnet

THAL. Gleich zwei Grabsteine des Thaler Bildhauers Simon Weber sind mit Qualitätszeichen vom Verband Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister ausgezeichnet worden. Seit 30 Jahren stellt er Grabmale her, die immer weniger gefragt sind.

Jolanda Riedener
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Bildhauer Simon Weber fertigt in seiner Werkstatt in Staad individuelle Grabmale an. Zwei seiner Arbeiten wurden ausgezeichnet. (Bild: Jolanda Riedener)

Bildhauer Simon Weber fertigt in seiner Werkstatt in Staad individuelle Grabmale an. Zwei seiner Arbeiten wurden ausgezeichnet. (Bild: Jolanda Riedener)

Steine von rund 200 Kilos, teilweise sogar bis zu einer halben Tonne bearbeitet Simon Weber. Grabsteine zu fertigen ist das Hauptgeschäft des Bildhauers aus Thal. Seit 30 Jahren arbeitet er auf dem Beruf – dieses Jahr sind zwei seiner Arbeiten ausgezeichnet worden. Damit hat er zwei von insgesamt sieben Qualitätszeichen beim Wettbewerb vom Verband Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister erhalten. 45 Arbeiten von Bildhauern aus der ganzen Schweiz wurden bei diesem Wettbewerb eingereicht. Eine dritte Auszeichnung ging ebenfalls in die Ostschweiz, an den Gossauer Roman Brunschwiler.

Keine Grabmale ab Katalog

Grabsteine ab Katalog sind bei Simon Weber nicht erhältlich: «Jedes Grabmal gestalte ich individuell.» Manchmal wünschen seine Kunden ein schlichtes, einfaches Grabmal. Bei den Anfertigungen setzt Weber Ideen der Angehörigen so um, dass das Grabmal die Verstorbenen symbolisch wiedergibt. Das ist ihm bei den prämierten Steinen besonders gelungen. So wirkt der ausgezeichnete Stein in Buechen wie gestrickt. «Die Angehörigen der Frau sagten, sie habe sehr viel und gerne gestrickt», sagt Weber. Durch die Technik des Spitzens ergibt sich auf der Oberfläche des Steins der Eindruck von Wolle. Oben am Grabstein sind die Nadeln entsprechend eingearbeitet. Ein heikles Unterfangen, da der Marmor ausbrechen könnte. «Es ist Erfahrungssache, das Material einzuschätzen und ein Motiv auf den passenden Stein abzustimmen», sagt der 50-Jährige.

«Die Form des Steins kristallisiert sich bei der Arbeit heraus», sagt Weber. Wie zum Beispiel ein Blütenblatt genau auf dem Stein zu liegen kommt, hängt vom «Bauchgefühl» des Bildhauers ab. Nicht jeder Stein ist gleich beschaffen, der Marmorstein in Buechen ist anders zu bearbeiten als der ziegelrote Kalkstein, der in Untereggen steht und für den Weber ebenfalls ausgezeichnet worden ist. «Das Steinmaterial und die feine Bearbeitung der Blütenblätter des Klatschmohns ergeben bei diesem Stein laut Jury ein harmonisches Bild», sagt Weber.

Individuelle Grabmale seltener

Seit 1990 arbeitet Simon Weber selbständig, und seit 2000 übt der Bildhauer den Beruf in seinem Atelier in Staad aus. Nebenbei ist er Hausmann, seine Frau arbeitet als Lehrerin. «Ich kann mir die Arbeit selbst einteilen, das ist ein Vorteil.» Rund zwei Wochen arbeitet Weber an einem Stein, bis er fertig ist und das Grabmal gesetzt werden kann. Pünktlich auf Allerheiligen wollen viele Kunden den Stein fertig haben. «Grabmale werden immer seltener», sagt Simon Weber. «Der Totenkult hat sich bei uns verändert, es werden immer häufiger Gemeinschaftsgräber bevorzugt.» Somit werden immer weniger Grabsteine für die Einzelgräber benötigt. Gerade für die Angehörigen biete ein individuelles Grabmal aber einen wichtigen Ort. Der Qualitätswettbewerb des Verbands Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister hat deshalb zum obersten Ziel, das individuelle Grabmalschaffen zu fördern und ein breites Publikum für Qualität zu sensibilisieren. Die Tendenz, die Asche-Überreste einer verstorbenen Person im Wald oder in einem Fluss zu verstreuen, biete keinen klar definierten Trauerort mehr, heisst es in einer Mitteilung des Schweizer Verbands.

Das ausgezeichnete Grabmal befindet sich in Buechen. (Bild: pd)

Das ausgezeichnete Grabmal befindet sich in Buechen. (Bild: pd)

Auch dieser Stein in Untereggen wurde ausgezeichnet. (Bild: pd)

Auch dieser Stein in Untereggen wurde ausgezeichnet. (Bild: pd)