THAL: Kirche ist nicht Liturgie allein

Mit einer Sonderausstellung dokumentiert die Pfarrei St. Ulrich die Entstehungsgeschichte ihres Pfarreiheims. Diakon Martin Genter über die Rolle der Kirche, Engagement und eine Vision.

Monika von der Linden
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Diakon Martin Genter zeigt das Modell des Pfarreiheim-Neubaus, das die Architektengemeinschaft Rausch Ladner Clerici im März 1976 erstellt hatte. Seit vierzig Jahren findet in diesem Haus ein beachtlicher Teil des Pfarreilebens statt. (Bild: Monika von der Linden)

Diakon Martin Genter zeigt das Modell des Pfarreiheim-Neubaus, das die Architektengemeinschaft Rausch Ladner Clerici im März 1976 erstellt hatte. Seit vierzig Jahren findet in diesem Haus ein beachtlicher Teil des Pfarreilebens statt. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Diakon Martin Genter möchte jede Gelegenheit nutzen, Begegnung in St. Ulrich zu ermöglichen. Deshalb lädt er aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Pfarreiheims zu einer Sonderausstellung über die Geschichte des Hauses ein. Über die Ausstellung nimmt die Öffentlichkeit die Pfarrei wahr: Die Kirche ist nicht nur ein sakraler Ort, an dem Liturgie und Rituale gefeiert werden, an ihm treffen sich Menschen jeden Alters, mit oder ohne religiöse Ausrichtung.

Verschiebung vom ­Gotteshaus zum Pfarreiheim

Bevor das Pfarreiheim vor vierzig Jahren eröffnet wurde, spielte sich das ganze Pfarreileben im Gotteshaus ab. Aus der Zeit rührt, dass viele beim Begriff Kirche mehr an den Kirchturm und weniger an die Aktivitäten in der Pfarrei denken. «Es hat eine Verschiebung stattgefunden», sagt Genter. «Ohne das Pfarreiheim fiele es mir schwerer, meinen pastoralen Auftrag zu erfüllen.» Ein geistliches Zentrum allein reiche nicht, die Kirche müsse am Leben der Menschen teilnehmen und den Dialog fördern. Das habe den Menschen vor fünfzig Jahren gefehlt, obwohl das Gotteshaus meist gut besetzt war.

«Ich möchte nicht bis zum 50-Jahr-Jubiläum warten, um in den Fokus zu rücken, dass hier viele Menschen ein- und ausgehen», sagt Genter. Denn ein Pfarreileben ohne Freiwillige gestalten zu wollen, wäre ein Widerspruch. Zum Beispiel handelt der Diakon nicht eigenmächtig, nicht ohne den Pfarreirat in Entscheidungen einzubeziehen. Eine Wirkung der Ausstellung erhofft sich Martin Genter auf junge Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie bereit sind, Kirchensteuer zu zahlen. Sie sehen, dass es damals Leute gab, die den Bau an die Hand nahmen, und somit kirchliches Leben ermöglichten. Auch heute ist es nicht damit getan, Kirchensteuer zu bezahlen. Es sind auch junge Menschen nötig, die sich in einen Rat wählen lassen. «Und wir zeigen Flagge: Eure Kirchensteuer ist gut angelegt», sagt Genter. «Ich habe die Vision und Hoffnung, dass wir auch das 100-Jahr-Jubiläum hinkriegen und die Kirche in Thal weiter eine Rolle spielt.» Aus der christlichen Kirche könne jeder austreten, ohne dass ihm etwas passiert. Das sei nicht in allen Religionen der Fall. «Wenn wir nicht mehr das Geld haben, das Pfarreiheim zu unterhalten und keine Leute mehr, die sich engagieren, dann fehlt der Schweiz etwas. Bei vielen sozialen Errungenschaften – Bildung, Krankenhauswesen, oder Wertevermittlung – war die Kirche einst Vorreiterin.»

Eröffnung: Sonntag, 19. November. Um 8.45 Uhr beginnt der Gottesdienst, danach gibt Diakon Martin Genter im Pfarreiheim eine Einführung. Öffnungszeiten: Sonntags, 19. und 26. November, 14 bis 17 Uhr.