Tempo 30 spaltet Quartier

Die Einführung von Tempo 30 auf der St. Georgen-Strasse scheidet die Geister. Eltern sind erleichtert, Gewerbler kritisch. Das Tiefbauamt spricht von einem Versuch ohne Erfolgsgarantie.

Christina Weder
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Kindergärtler überqueren die St. Georgen-Strasse auf Höhe der Post St. Georgen: Ihr Schulweg soll bald sicherer werden. (Bild: Michel Canoncia)

Kindergärtler überqueren die St. Georgen-Strasse auf Höhe der Post St. Georgen: Ihr Schulweg soll bald sicherer werden. (Bild: Michel Canoncia)

Auf der St. Georgen-Strasse soll von der Felsenstrasse bis zur Kirche St. Georgen Tempo 30 eingeführt werden – versuchsweise für ein Jahr. Im Quartier haben nicht alle Verständnis dafür. «Des einen Freud ist des andern Leid», sagt Andy Rechberger, Präsident des Quartiervereins St. Georgen. Auf der einen Seite fordern Eltern einen sicheren Schulweg. Auf der anderen Seite befürchtet das Gewerbe einen Verlust der Kundschaft, wenn Pendler aus dem Appenzellerland auf andere Routen ausweichen.

Ausprobieren, was es bringt

Rechberger teilt die Befürchtungen des Gewerbes nicht. Trotzdem steht auch er der Einführung von Tempo 30 skeptisch gegenüber: «Faktisch wird sich nichts ändern.» Vernünftige Autofahrer hätten im Quartier sowieso nicht mehr als 40 Stundenkilometer auf dem Tacho.

Anders klingt es bei Susanne Schmid, Präsidentin des Vereins Wohnliches St. Georgen: «Ich bin froh, dass man nun ausprobiert, welche Vor- und Nachteile Tempo 30 auf der St. Georgen-Strasse hat.» Sie hatte Anfang 2010 eine Petition mit dem Titel «Lebenswertes Quartierzentrum mit sicheren Schulwegen» eingereicht und auf die Gefahren hingewiesen: zu schnelle Autofahrer, riskante Überholmanöver und unübersichtliche Fussgängerstreifen. 700 Unterschriften kamen zusammen.

Elternrat erleichtert

Auch Rolf Eugster, Präsident des Elternrats St. Georgen, zeigt sich erfreut. Der Elternrat habe auf Massnahmen gedrängt und vor einem Jahr einen Lotsendienst ins Leben gerufen, um auf die Gefahrenstellen hinzuweisen. Weil aber zu wenig Helfer gefunden wurden, ist dieser in der Zwischenzeit eingestellt worden. Die Forderung ist geblieben: «Es geht uns darum, dass die Strasse sicherer wird.»

Zwischen Mühlegg und Kirche führt nicht nur der Schulweg vieler Kinder vorbei. Es handelt sich zugleich um einen Unfallschwerpunkt, wie die Stadtpolizei bestätigt (siehe Kasten). Das Tiefbauamt hat vor zwei Jahren als Sofortmassnahme beidseits der Strasse beige Farbbänder aufgemalt. Doch diese haben laut Stadtpolizei nicht den gewünschten Effekt gebracht.

Auch bei der Einführung der Tempo-30-Zone bleibe eine gewisse Skepsis, sagt Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt. Denn die Tieftempozone muss in St. Georgen ohne flankierende bauliche Massnahmen auskommen. Ein Gutachten von Tiefbauamt und Stadtpolizei hat gezeigt, dass diese nur schwierig umsetzbar und teuer wären. Versetzte Parkfelder, wie sonst in Tempo-30-Zonen üblich, kommen nicht in Frage, weil sie den Bus behindern würden.

Mit Tempo 30 ist bald zu rechnen

«Nun beschränkt man sich auf ein Minimum», sagt Hasler. Wenn bis nächste Woche keine Einsprachen eingehen, würden die Markierungen und die Signalisation baldmöglichst angebracht. «Wir brauchen dafür drei Tage trockenes Wetter.»

Innerhalb eines Jahres soll eine Nacherhebung Aufschluss über den Erfolg der Tieftempozone geben. Das Ziel ist erreicht, wenn künftig 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer weniger als 38 Stundenkilometer auf dem Tacho haben. Zurzeit liegt der Wert bei 42 Stundenkilometern. «Wir erwarten folglich keine drastische Geschwindigkeitsreduktion», sagt Hasler. Trotzdem bleibe die Hoffnung, dass die Zahl der Unfälle sinkt. Über die definitive Einführung von Tempo 30 wird in einem Jahr entschieden.

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