«Teergfrörni Jahr null»

RORSCHACH. An der Cliquenfasnacht in Rorschach haben Randständige, nahezu traditionelle Schuppel, Piraten und ein frischgebackener Götti das Jahr 2012 Revue passieren lassen – mit bissigem Humor und deftiger Satire.

Dominik Bärlocher
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Verruchter Flirt: Seeräuberin Jenny versucht erfolglos bei Stadtpräsident Thomas Müller zu landen. (Bild: Dominik Bärlocher)

Verruchter Flirt: Seeräuberin Jenny versucht erfolglos bei Stadtpräsident Thomas Müller zu landen. (Bild: Dominik Bärlocher)

Nachwuchs. Das hat es bei den Rorschacher Cliquen gegeben. C. Bleichi – eigentlich heisst er Gregor Thurnherr – tritt mit einem Kinderwagen vors Publikum. Er sei jetzt Götti. Seeräuberin Jenny, gespielt von Barbara Camenzind, ist schwanger. Sehr zum Unmut ihres neuen Kapitäns, Holzbein Jack alias Roland Falk. Derweil treten Müll «R» als Schuppel auf. Ihr Kopfschmuck besteht aber aus Cornflakes-Packungen und einem Modelllastwagen. Die (R)andstän(d)igen alias Reto Lipp und Reto Kaelli treten in alten Trainerjacken auf. Dazu kommen die Band Faltäfäger, die Postguggä, die am selben Abend auch in Goldach auftritt, und eine Mischung aus Musikkapelle und Clique: HGQ.

Von derb bis raffiniert

Während ihres Auftritts nehmen die Cliquen das Weltgeschehen – lokal und international – auf die Schippe. Manchmal in Form eines Liedes, wie Müll «R» Felix Baumgartners Rekordsprung vertonen, oder als Kalauer, in dem die (R)andstän(d)igen Stadtschreiber Bruno Seelos als «seelelose Stadtrieber» bezeichnen. Die Kostüme zeigen die Facetten der Hafenstadt auf. Piratin Jenny lässt das Verruchte ihrer Stadt aufleben. Mehrfach deutet sie an, dass sie nach ihrem Rauswurf aus dem «Anker» als Prostituierte arbeitete. Müll «R» zeigen, dass in Rorschach jede Menge musikalisches Blut fliesst. Sie machen sogar den YouTube-Hit «Gangnam Style» zum Jodel. Zudem verleihen sie den goldenen Halbschuh. Dieser geht an Menschen, die sich im vergangenen Jahr nachhaltig für Wirtschaft, Politik, Kultur «oder susch irgenden Seich» eingesetzt haben. C. Bleichi zeigt, wie alternde Jugendliche mit elterlichen Pflichten umgehen können. «Aber sie geben einem ja so viel zurück», wiederholt er während seines Auftritts. Die (R)andstän(d)igen haben sich jene, die durch das soziale Netz gefallen sind, zum Vorbild genommen.

Die Cliquen und Bands treten in den Lokalen Mariaberg, Engler's am See, Kornhausstube, Stadthof, Schweizerhof und Rheinfels auf. Überall ist der Auftritt der gleiche, abgesehen von einigen Improvisationselementen. Die Auftritte der Cliquen kommen in jedem Lokal anders, jedes hat sein eigenes Publikum. So ernten nicht überall die gleichen Pointen die meisten Lacher.

Humor auch aus dem Publikum

Es wird viel gelacht an diesem Abend. Keine Clique findet keine Fans. Das Programm ist laut Organisatorin Bea Mauchle ein voller Erfolg. Und sogar das Publikum lässt sich zu Scherzen hinreissen. Vor allem die Temperaturen und das Glatteis auf den Strassen bietet Munition. Immerhin war es am Samstag auf den Tag genau 50 Jahre her, dass der Bodensee zufror. Eine Rorschacherin lacht vor der «Kornhausstube» und meint: «Der See ist zwar nicht gefroren, aber wir haben die Teergfrörni, Jahr null.»