Teenager wegen Video verurteilt

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat ihre Untersuchung betreffend eines Pornos im St. Galler Schulhaus Grossacker abgeschlossen. Eine minderjährige Person wurde wegen Kinderpornographie verurteilt.

Michel Burtscher
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ST. GALLEN. Die Schulleitung der Primarschule Grossacker in St. Gallen hatte die Kantonspolizei Ende Oktober informiert, dass in einer WhatsApp-Gruppe ein Video mit mutmasslich kinderpornographischem Inhalt aufgetaucht sei. Die Kantonspolizei St. Gallen nahm daraufhin in Zusammenarbeit mit der Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen die Ermittlungen auf. Die Untersuchung ist nun abgeschlossen, wie die Staatsanwaltschaft gestern mitteilte.

Tatbestand der Pornographie

Im rund 20 Sekunden dauernden, im Freien in einem Treppenabgang aufgenommenen Kurzfilm sind laut Mitteilung zwei unter 16jährige Knaben zu sehen, die mit «kopulierenden Bewegungen» Geschlechtsverkehr simulieren. Beide Knaben sind bekleidet und stehen hintereinander. Der hinten stehende Knabe greift dem anderen Knaben unter dem T-Shirt mit beiden Händen an die Brust. Dabei dringt er zum Schein mit seinem Glied in dessen After ein», heisst es in der Mitteilung weiter. Am Ende des Kurzfilmes ist kurz das Glied des hinteren Knaben zu sehen. Ferner ist erkennbar, dass der vordere Knabe die Hose und Unterhose unter die Pobacke hinuntergezogen hat.

Wo das Video aufgenommen wurde, habe man nicht herausgefunden, sagt Roman Dobler, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft. Auch wer die beiden Knaben sind, konnte nicht geklärt werden. Klar ist aber, dass die beiden unter 16 Jahre alt sind. «Das ist offensichtlich, wenn man das Video sieht», sagt Dobler.

Die Jugendanwaltschaft kam deshalb zum Schluss, dass der Kurzfilm sexuelle Handlungen unter Minderjährigen darstellt und deshalb unter den Tatbestand der Pornographie nach Artikel 197 des Strafgesetzbuches fällt.

Herkunft des Films unbekannt

Die Kantonspolizei konnte eine jugendliche Person ermitteln, die den Kurzfilm besass und anderen Kindern und Jugendlichen über WhatsApp schickte. Nähere Angaben zu der verurteilten Person macht die St. Galler Staatsanwaltschaft nicht. «Zu Geschlecht, Alter oder Wohnort geben wir mit Rücksicht auf das Kindswohl und aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine Auskunft», sagt Roman Dobler. Auch ob die minderjährige Person im Grossacker zur Schule geht, will der Mediensprecher nicht sagen.

Wie die oder der Minderjährige ans Filmchen gekommen ist, sei nicht klar. «Über die Herkunft kann nur spekuliert werden.» Die Kantonspolizei hat gemäss Dobler aber herausgefunden, dass das Video im vergangenen Jahr schon in anderen Kantonen aufgetaucht ist. Die minderjährige Person wurde zu einem Arbeitseinsatz zugunsten einer sozialen Einrichtung wie einem Altersheim oder einer Behinderteneinrichtung verurteilt.

Die Schüler sensibilisieren

Dass dieses Urteil nun andere Schülerinnen und Schüler abschrecken könnte, glaubt Marlis Angehrn, Leiterin des Schulamtes der Stadt St. Gallen, nicht. Der aktuelle Fall sei situativ mit den Kindern und Jugendlichen thematisiert worden.

Das reiche aber nicht: «Sie müssen eine Medienbildung erfahren, die auch beinhaltet, sich abzugrenzen, und zu wissen, wo man nein sagen darf oder auch nein sagen muss», sagt Marlis Angehrn. «Als wichtig erscheint uns zudem, den Mut zu haben, nicht wegzusehen und Vermutungen nicht unter den Teppich zu kehren, sondern sie zu benennen und die Eltern angemessen zu informieren.»

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