TAXI: Nachts auf der Strasse

Seit Markus Dornbierer das Taxiunternehmen Bereiter führt, fährt er nicht mehr so oft in der Nacht wie vor 20 Jahren. Seine Arbeit liebt er immer noch, vor allem nachts. Langweilig wird ihm auch zu später Stunde nicht.

Jolanda Riedener
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Mit seinen Fahrgästen kommt Markus Dornbierer immer klar, auch wenn sie ein Bier zu viel getrunken haben. (Bild: Jolanda Riedener)

Mit seinen Fahrgästen kommt Markus Dornbierer immer klar, auch wenn sie ein Bier zu viel getrunken haben. (Bild: Jolanda Riedener)

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Es ist Freitag, wenige Minuten vor Mitternacht. Markus Dornbierer, kurze Haare, Brille, T-Shirt, ist gerade aufgestanden. Er zählt das Geld in seiner Kasse und setzt sich ins Taxi. Draussen regnet es. Trotzdem ist die Luft immer noch warm. «Die Klimaanlage im Auto ist ein Segen», sagt der 57-Jährige. 2012 hat Markus Dornbierer das traditionsreiche Taxiunternehmen Bereiter übernommen. Davor war er während 20 Jahren für die Firma als Chauffeur tätig und arbeitete vor allem nachts. «Ich liebe die Nacht. Dann ist es ruhig auf Rorschachs Strassen», sagt Dornbierer. Während die Hauptstrasse zwischen «La Vela» und Hafen am Tag stark befahren ist, passiert in der Nacht nur selten ein Auto diese Strasse. Dort stehen auch die Taxis für die Kundschaft bereit.

«Jetzt ist es noch ruhig, aber bald kommen alle Anfragen auf einmal», sagt Dornbierer. Während der Ferienzeit sei weniger los. Die Zentrale ist zu den Stosszeiten besetzt. Heute arbeitet ­seine Freundin im Büro an der Thurgauerstrasse. Sie nimmt Anrufe entgegen und leitet diese per Funk an die fünf Fahrer weiter. «Man muss den Kopf beisammenhaben», sagt sie. «Ich bin froh, dass mir meine Freundin hilft», sagt er. In der Zentrale gibt es eine Kaffeemaschine, einen Herd und Sofas – wie in einer Stube.

Um 00.20 Uhr wird Dornbierer an den Hauptbahnhof ­Rorschach bestellt. Hier hat Taxi Bereiter eine Freisprechanlage für Gäste installiert. Die Fahrt führt bis zur Migros Goldach, die Kundin ist eine Frau um die 40. Sie lässt sich in den weichen ­Ledersessel fallen. Im Taxi ist es ruhig, Regentropfen klatschen auf die Frontscheibe. Wenn er ­alleine im Wagen ist, höre er am liebsten die Kastelruther Spatzen, sagt Dornbierer, nachdem die Frau sein Taxi verlassen hat. Für seine Gäste legt der gelernte Metzger aber jede Musik auf.

Autofahren als Passion

Die Strassen in der Region kennt Markus Dornbierer wie seinen Hosensack. «Ich liebe das Autofahren», sagt er enthusiastisch. In der Nacht sei er aber schon ­länger nicht mehr gefahren, da auf ihn als Chef viel admini­strative Arbeit warte. Ausserdem fahre er Schulbus in Wienacht-Tobel. Viel genutzt werde auch das Ruf-Taxi-Angebot der Gemeinde Rorschacherberg. Für fünf Franken fahren seine Taxis Halte­stellen an, die keinen Anschluss an den öffentlichen Verkehr ­haben.

Eine weitere Anfrage kommt vom «Töggi»: Ein Gast will die Heimreise antreten. Markus Dornbierer ist der lustigen Runde bekannt. Ein Stammgast nimmt auf dem Rücksitz Platz und fährt mit ihm nach Goldach. «Ich bin immer gerne mit dir gefahren, du bist ein cooler Typ», sagt der Fahrgast.

«Die meisten Gäste sind freundlich», sagt Dornbierer. Natürlich seien ihm auch schon betrunkene Gäste frech gekommen. Darauf antworte er mit Humor. Sein ­Finger berührt den heiligen Christophorus, den Schutzpatron der Reisenden: «Mein Glücksbringer», sagt Dornbierer. Die Metallmünze kommt aus dem Kloster Einsiedeln, sie ist neben der Gangschaltung befestigt. «Ich bin kein gläubiger Christ, aber das ist mir wichtig», sagt er.

Pfefferspray im Gesicht, aber kein Geld weg

Einmal sei er im Taxi überfallen worden. 16-Jährige hätten ihn über einen seltsamen Weg zur Mühletobelstrasse gelotst. Eine Ladung Pfefferspray hat er ab­bekommen, sein Portemonnaie hielt er aber so fest in der Hand, dass die Jugendlichen das Weite suchten. Auch schon sei es vor­gekommen, dass sich jemand im Taxi übergeben musste: «Für solche Fälle habe ich ein Reinigungsgerät angeschafft, damit kann man auch Flüssiges auf­saugen», sagt er. Die Ledersitze können so problemlos gereinigt werden. Richtig rund gehe es an Silvester, sagt Dornbierer

Mittlerweile sind auch alle seine Mitarbeiter unterwegs. Markus Dornbierer erhält den nächsten Auftrag: Kornhausbar. Eine Angestellte hat Feierabend und wartet bereits vor der Brauerei. Eine kurze Fahrt – die junge Frau ist froh, zu Hause zu sein. Markus Dornbierer knipst das Licht an, der Zähler auf dem Rückspiegel zeigt acht Franken an. Die Frau streckt ihm ein Zehnernötli entgegen: «Stimmt so.»

Auf dem Rückweg begegnet er einem seiner Mitarbeiter. Eben noch waren alle Fahrer ausgelastet, jetzt sind sie wieder frei. ­Markus Dornbierer parkiert beim Rorschacher Hafen und steigt aus seinem Audi aus – es ist jetzt deutlich kühler geworden. Er zündet sich eine Zigarette an und wartet auf den nächsten Auftrag.