TATTOO-CONVENTION: Die Haut als Kunstträger

GOSSAU. Zum zehntenmal haben sich Tätowierer und Tattoo-Fans aus dem In- und Ausland in Gossau getroffen. Die Convention zelebriert die Körperkunst und erweist deren Legenden die Ehre.

Dominik Bärlocher
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Schmetterlinge und Blumen: Tattoos in Form von Gesamtkunstwerken liegen laut OK-Präsident Marc Wissmann im Trend. (Bilder: Reto Martin)

Schmetterlinge und Blumen: Tattoos in Form von Gesamtkunstwerken liegen laut OK-Präsident Marc Wissmann im Trend. (Bilder: Reto Martin)

Im Fürstenlandsaal riecht es nach Desinfektionsmittel, Männerbeine werden rasiert und das Gemurmel aus Gesprächen wird vom permanenten Surren der Tattoo-Maschinen begleitet. Am Wochenende trafen sich rund 80 Tätowierer aus acht Nationen zur zehnten Gossauer Tattoo-Convention, organisiert vom BPA Tattoo Verein Schweiz. Doch zahlreicher als die Nationalitäten der Künstler waren die Stile der Tattoos: «Vom traditionellen Stammestattoo bis zum Porträt ist hier alles vertreten», sagt Marc Wissmann, Vereinspräsident des BPA Tattoo Vereins.

Hohe Standards für Tätowierer

«Nur die, die ihr Handwerk beherrschen, dürfen an die Gossauer Tattoo-Convention», sagt Marc Wissmann. Es seien über 300 Bewerbungen von Künstlern, die im Fürstenlandsaal ausstellen und arbeiten wollen, eingegangen. Sie haben Fotos eingeschickt, die dann vom Organisationskomitee geprüft wurden. Doch die Artisten müssen sich nicht nur mit ihren Designs beweisen: «Wir legen grossen Wert auf die Hygiene.

Wer hier arbeiten will, muss Hygienestandards, die denen eines Krankenhauses gleichen, einhalten», sagt Marc Wissmann.

Einen Nachmittag lang liegen

Einer, der sich am Samstag tätowieren lässt, ist Dino Peditto. Der 20jährige Landschaftsgärtner lässt sich ein traditionelles Maori-Tattoo stechen. Das sogenannte Ta moko wurde von den neuseeländischen Ureinwohnern als Statussymbol getragen und wurde ursprünglich mit Schab- und Kratzwerkzeugen in die Haut eingearbeitet.

In Stammeskreisen ist das Ta moko als äusseres Zeichen des Übergangsrituals vom Kind zum Manne noch weit verbreitet.

Dino Peditto hat mit dem deutschen Tätowierer Volker «Volle» Kloth bereits im Vorfeld den Termin festgelegt und lässt sich zuerst das Bein rasieren, dann das Muster aufzeichnen. Dabei achtet Kloth nicht nur auf das Design, sondern auch darauf, wie Pedittos Bein aufgebaut ist und bittet ihn, den einen oder anderen Muskel anzuspannen, damit das Ta moko möglichst mit dem Körper fliesst.

Peditto wird wohl einen ganzen Nachmittag still liegen bleiben müssen, bis Kloth sein Kunstwerk vollendet hat. Auch weiss er noch nicht, wie viel sein neuer Körperschmuck kosten wird. Das Ta moko ist nicht sein erstes Tattoo, denn er hat sich in diesem Jahr bereits ein anderes Motiv stechen lassen: «Es bleibt nie nur bei einem Tattoo, wenn man erst einmal eines hat», sagt er.

Met, Schweigeminute und Stiefel

Ein trauriges Highlight der Convention bildet die Schweigeminute für Tattoo-Legende Herbert Hoffmann. Der Hamburger Tätowierer, der in Heiden gelebt hat, ist Ende Juni dieses Jahres im Alter von 90 Jahren gestorben. Er hat bis ins hohe Alter Tattoos gestochen und sein Markenzeichen – ein Anker, mit einem H links und rechts – ist an der Convention mehr als nur einmal zu sehen.

Wer sich nicht tätowieren lassen kann oder will, der kann sich im Gang vor der Halle – zwischen Honigwein-Kauf und Stiefel-Anprobe – ein Airbrush-Tattoo aufsprayen lassen. Diese halten einige Tage und nicht ein ganzes Leben lang.

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