Tanzend zu Gott finden

Ökumenische kirchliche Angebote gibt es viele, nur kennen sie die wenigsten. Der neugegründete Verein Wirkraum Kirche soll diese besser vermarkten, damit die Organisationen ihr Ziel erreichen: Menschen zurück zur Kirche zu bringen.

Janique Weder
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Mediationsabende oder Tanz-Events wie die «Gypsy Night» in der Offenen Kirche sollen Menschen den Glauben näher bringen. (Bild: Urs Bucher)

Mediationsabende oder Tanz-Events wie die «Gypsy Night» in der Offenen Kirche sollen Menschen den Glauben näher bringen. (Bild: Urs Bucher)

Wer junge Menschen in die Kirche locken will, organisiert keinen Gottesdienst, sondern einen Event. Dass sich Glaube in actionreichen Veranstaltungen gut verkaufen lässt, beweisen Freikirchen wie die ICF schon lange.

Auf diesen Zug aufgesprungen sind vor ein paar Jahren auch die St. Galler Landeskirchen: Mit dem ökumenischen Projekt Safranblau wollen sie jungen Menschen die Kirche näherbringen. Gleiche Ziele, wenn auch für eine andere Bevölkerungsgruppe, verfolgen die Offene Kirche oder Kirche in der City. Sie organisieren Abende, an denen barfuss getanzt oder meditiert wird. Hinter den Angeboten stehen die Katholische, die Evangelische und die Christkatholische Landeskirche.

Doch die Angebote haben einen Haken: Sie sind ausserhalb ihrer Kreise wenig bekannt. Der neue Verein Wirkraum Kirche soll diese Angebote nun vermarkten, koordinieren und neue schaffen. Gestern feierte der Verein seinen Kick-Off im Centrum St. Mangen.

Mehr als nur Gottesdienst

Vereinspräsidentin von «Wirkraum Kirche» ist Rachel Diem, Präsidentin der Kirchgemeinde Straubenzell. Diem wünscht sich nicht nur eine präsentere, sondern auch eine zugänglichere Kirche. «Viele Leute haben Angst, in die Kirche einzutreten», sagt sie. Doch Kirche bestehe aus mehr als nur aus Gottesdiensten. «Sie kann von Velotouren über Tanz bis hin zu Meditation alles sein.» Das Angebot dafür will der neue Verein schaffen. Ein experimentelles, alternatives Programm, wie man es von der Offenen Kirche heute schon kennt.

Intendant aus Ravensburg

Die operative Leitung des Vereins übernimmt der Ravensburger Theologe Theodor Pindl. Als «Intendant» wird er drei Tage die Woche in St. Gallen arbeiten. Zu seinem Engagement sagt er: «Der ökumenische Charakter des Vereins hat mich überzeugt.» Sein Ziel sei, überraschende Projekte im kulturellen, spirituellen und sozialen Bereich aufzugleisen. Laut Vereinspräsidentin Diem soll Pindl vor allem im Hintergrund wirken. Entsprechend des gängigen Rollenverständnisses eines Theater-Intendanten eben. Ein Grund für diese Überlegung dürfte die Aufregung um den früheren Projektleiter der Offenen Kirche, Thomas Joller, gewesen sein. Joller war vor rund zweieinhalb Jahren wegen der programmatischen Ausrichtung der Organisation in Kritik geraten. Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte die sogenannte Kuschelparty, ein platonisches Angebot, bei dem sich fremde Menschen berühren durften. Daraufhin trennte sich die Offene Kirche von Joller.

Ein Laden für die Kirche?

Vorerst hat «Werkraum Kirche» keine eigenen Räume. Platznot herrscht laut Diem aber nicht: «Die Räume der Offenen Kirche beim Platztor können bis 2020 genutzt werden.» Dann muss die Kirche dem neuen HSG-Campus weichen. Auch «Safranblau» behält seinen Standort an der Magnihalden 9 vorerst. «Wir sind aber auch offen für neue Orte», sagt Diem.

In den vergangenen Jahren wurde auch immer wieder die Idee eines Kirchenladens in der Stadt laut. Unklar war bisher, wer ihn führen würde. Mit dem neuen Verein wäre diese Frage geklärt, sagt Diem. Jedoch sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts entschieden.