Tanz um ungeliebte Antenne

GOSSAU. Die Stadt Gossau und die Firma Orange haben kürzlich öffentlich über den Bau einer 30 Meter hohen Mobilfunkantenne informiert. Dabei spielten sie sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Rafael Rohner
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Der Montagabend im Fürstenlandsaal war eigentlich für alle Beteiligten eine eher unerfreuliche Sache. Auf der einen Seite sitzen ungefähr 80 Anwohner, Lokalpolitiker und interessierte Bürger. Auf der anderen Seite Vertreter des Kantons, der Stadt und der Firma Orange.

Die Rollen sind dabei klar verteilt: Die Anwohner stören sich am geplanten Bau einer Mobilfunkantenne im Quartier Büel. Sie haben deswegen beim kantonalen Baudepartement bereits Rekurs eingereicht (Ausgabe vom 30. Januar). Die andere Seite versucht, die bereits bewilligte Antenne zu rechtfertigen. Die Stimmung ist aufgeheizt. Da trägt die Aussage eines Orange-Vertreters gleich zu Beginn des Abends wenig zu einer Entspannung bei: Er habe bislang bei den meisten Prozessen «obsiegt». Der Satz genügt, um aus dem Publikum einen ironischen Zwischenruf zu provozieren.

In einem sind sich alle einig

Trotz offensichtlicher Differenzen, in einem Punkt sind sich alle einig: Eine Mobilfunkantenne direkt vor dem Haus, das wünscht sich niemand. Und so kann jeder mit dem Anwohner mitfühlen, der sich beklagt, dass er von seinem Schlafzimmerfenster bald direkt an eine Antenne blicken könnte. Auf der anderen Seite leuchtet aber auch das Argument der Orange-Vertreter ein: Eine Antenne müsse eben dort aufgestellt werden, wo die Leute deren Dienst in Anspruch nehmen wollen. Also dort, wo sie telefonieren, «und nicht irgendwo im Wald draussen».

Gegen diese Argumentation haben es die Betroffenen schwer. Auf verschiedene Voten von Anwohnern ist die Antwort immer wieder ähnlich: Der vorgesehene Standort sei technisch gesehen optimal. Warum das so ist, können Markus Hungerbühler und Amadeus Klein von der Firma Orange den Anwohnern allerdings nicht genau erklären. Sie seien keine Techniker, sagen sie. Stattdessen spielen sie den Ball an die Stadt Gossau weiter. Diese hätte im Rahmen eines sogenannten «Dialogverfahrens» auch alternative Standorte in der Nähe vorschlagen können.

Kaum Spielraum

Stadtrat Stefan Lenherr kann ebenfalls keine griffige Erklärungen liefern, warum Orange gerade diesen Standort ausgewählt hat. Er sagt aber: «Auch an anderen Standorten gibt es Anwohner.» Zudem sei der rechtliche Spielraum der Baukommission, welche die Antenne bewilligt hat, begrenzt. Sofern der Bau der Anlage rechtens sei, unterstehe die Kommission einer Bewilligungspflicht. Das sei keine politische, sondern eine verwaltungsrechtliche Frage.

Die Anwohner wollen sich mit den Antworten jedoch nicht zufriedengeben. Im Laufe der Fragestunde werden die Voten zunehmend kritischer. Technisch wird die Diskussion, als es um die Grenzwerte der Strahlung geht und um die Frage, ob diese nicht zu hoch angesetzt sind. Vor allem können viele Votanten aber immer weniger verstehen, weshalb die Antenne ausgerechnet im «Büel» gebaut werden soll, «inmitten eines Wohnquartiers». Zumal die Vertreter von Orange im Laufe des Abends sagen, es handle sich um einen Ersatzbau für eine Antenne im Happy-Areal. «Wieso kommt die Antenne dann nicht zum Beispiel auf den Nafag-Turm oder auf ein anderes Industriegebäude?» will jemand wissen.

Warum nicht anderswo?

Die Frage, ob und welche Alternativen geprüft wurden, bleibt weitgehend unbeantwortet. Nochmals darauf angesprochen, antwortet Markus Hungerbühler von Orange gestern am Telefon: Der heute vorgesehene Standort sei technisch optimal und rechtlich möglich. Mit den SBB habe man zudem eine Grundeigentümerin gefunden, die nicht abgeneigt sei. Stadtrat Stefan Lenherr sagt, bis Montagabend sei nicht offiziell bekannt gewesen, dass die geplante Antenne ein Ersatzbau für jene auf dem Happy-Gebäude sei. Für die Beurteilung der Baukommission sei nur der Standort Büel relevant gewesen. Und dort habe die Kommission im Umkreis von 200 Metern nach alternativen Standorten gesucht – aber keine gefunden.