Tanz mit dem Goldstab

Wenn Romana Büsch einen Stab in die Hand nimmt, beginnt sie automatisch, ihn herumzuwirbeln. Einst war sie Majorette bei der Knabenmusik. Heute leitet sie die Gruppe und entwirft Choreographien für die Auftritte.

Mirjam Bächtold
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«Das verlernt man nie.» Majorettenleiterin Romana Büsch wirbelt den Stab im Kreis. (Bild: Michel Canonica)

«Das verlernt man nie.» Majorettenleiterin Romana Büsch wirbelt den Stab im Kreis. (Bild: Michel Canonica)

Locker hält Romana Büsch den goldenen Stab in der rechten Hand. Mit ausgestrecktem Arm beginnt sie, ihn im Kreis zu drehen, einmal über dem Arm, einmal unten durch. Der Stab beginnt vor den Augen zu verschwimmen, sieht aus wie ein Propeller. Romana Büsch hat die Bewegung im Blut: Vor 32 Jahren hat sie als Majorette der Knabenmusik St. Gallen gelernt, mit dem Stab umzugehen. «Wenn man das einmal kann, verlernt man es nicht wieder», sagt sie.

Heute ist sie nicht mehr selbst aktiv, doch seit einem Jahr trainiert sie die Majoretten der Knabenmusik und entwirft deren Choreographien.

Blaue Flecken statt Muskelkater

Als Romana Büsch die St. Galler Majoretten zum ersten Mal sah, war sie fasziniert und wusste sofort: «Da will ich auch mitmachen.» Damals war sie in der 6. Klasse. Sie ging nach Hause und eröffnete den Eltern ihren Plan. «Meine Mutter sagte, wenn ich die Sekprüfung bestehe, dürfe ich mitmachen.

» Für ihr neues Hobby gab die frischgebackene Majorette sogar das Ballett auf.

Acht Jahre marschierte sie an Stadtfesten in der blau-weissen Uniform vor der Knabenmusik her, prägte sich Choreographien für Tänze ein und übte zu Hause die Bewegungen mit dem Stab. «Muskelkater gibt das nicht, aber blaue Flecken», sagt sie. Denn nach einem Wurf konnte es schon mal passieren, dass der Stab anstatt in der Hand auf der Nase landete. 1982 übernahm sie die Leitung der Gruppe.

Doch dann kam das abrupte Ende als Majorette: Als sie 20 Jahre alt wurde, musste Romana Büsch die Knabenmusik verlassen. «Das war damals eine Regel. Heute darf man bis 22 bleiben.»

Vielbeschäftigte Frau

Die Liebe zum Tanz und zur Musik hat die zierliche Frau trotzdem nie verloren. Nach ihrer Zeit bei der Knabenmusik wechselte die heute 44-Jährige zu den Otmardancers, einer Tanzgruppe der Otmarmusik.

Ausserdem hat sie im Turnverein Engelburg Teamaerobic geleitet und gibt bei der Migros-Klubschule seit über 15 Jahren Fitness-Stunden. Ihre andere grosse Leidenschaft ist das Theater: Sie spielt mit beim Lehrer-Cabaret Jonudennhalt und hat schon in Musicalproduktionen mitgewirkt. Daneben unterrichtet die dreifache Mutter zehn Lektionen pro Woche auf der Mittelstufe.

Obwohl sie sehr engagiert ist, hat Romana Büsch 2008 die Leitung der Majoretten wieder übernommen. Zurzeit trainiert sie sieben Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren. «Nachwuchs ist immer willkommen», sagt sie. Alles, was es dazu braucht, sind die Freude an Bewegung und Musik sowie ein gutes Rhythmusgefühl. Auch Knaben können mitmachen.

Neue Gruppe für Kleine

Im Training legt Romana Büsch Wert auf Disziplin. «Ich möchte, dass es effizient ist, dass wir vorwärtskommen.

» Die Majoretten üben einmal pro Woche für die 10 bis 15 Auftritte pro Jahr. Der grösste findet im Juni beim Jahreskonzert der Knabenmusik statt. Da marschieren die Mädchen nicht nur, sondern zeigen auch einen Tanz ohne Stab. Romana Büsch entwickelt die Choreographie. «Es gefällt mir, dass ich meine Ideen verwirklichen kann.»

Seit heute ist sie zudem für die Choreographien einer neuen Majorettengruppe zuständig. «Wir haben die <Mini-Majoretten> gegründet. Hier können Mädchen und Knaben ab sieben Jahren die Technik mit dem Stab lernen.»

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