Tanners Sprung in die NLA

Vor einem Jahr spielte Selina Tanner noch in der 1. Liga. Nun hat die 18jährige Appenzellerin bei Rychenberg Winterthur den Schritt in die NLA geschafft. Dies verdankt sie auch dem NLB-Team von Waldkirch-St. Gallen.

Raya Badraun
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Die Verteidigerin Selina Tanner war bei Waldkirch-St. Gallen zuletzt Stammspielerin. Im kommenden Jahr fokussiert sie sich nun auf Rychenberg Winterthur. (Bild: Beat Belser)

Die Verteidigerin Selina Tanner war bei Waldkirch-St. Gallen zuletzt Stammspielerin. Im kommenden Jahr fokussiert sie sich nun auf Rychenberg Winterthur. (Bild: Beat Belser)

UNIHOCKEY. Selina Tanner führt ein Leben wie eine Spitzensportlerin. Siebenmal pro Woche trainiert die 18-Jährige. Am Wochenende wird sie zudem von Waldkirch-St. Gallen und Rychenberg Winterthur für bis zu vier Partien aufgeboten. Vom anspruchsvollen Programm lässt sich die Appenzellerin jedoch nicht beeindrucken. «Alles geht sehr gut aneinander vorbei», sagt Selina Tanner und lächelt.

Es scheint fast so, als würde sie dieses Leben schon immer führen. Dabei sah ihr Alltag vor einem Jahr noch ganz anders aus. Die Gymnasiastin aus Waldstatt spielte damals in der 1. Liga für Appenzell, einen Breitensportverein. Trainiert wurde zweimal pro Woche. «Es war schön dort», sagt Selina Tanner, und vielleicht wäre sie noch heute in Appenzell, wenn es nicht die WM gegeben hätte. 2014 nahm eine ihrer Mitspielerinnen an den U19-Titelkämpfen in Polen teil und erzählte später ihren Kolleginnen davon. «Ich habe mich damals gefragt, ob ich auch das Zeug dazu hätte», sagt Selina Tanner. Die Antwort erhielt sie vor einem Jahr. Nach einem Probetraining wurde die Verteidigerin in das U19-Nationalteam aufgenommen und bestritt seither fünf Länderspiele. Das Ziel der Equipe ist die WM im kommenden Mai in Kanada. «Die Vorstellung, dass ich dort spielen könnte, gab mir einen Schub», sagt Selina Tanner. Doch sie wusste auch, dass Appenzell zu klein war für ihre grossen Träume. Sie musste wechseln.

Spitzensportlerin auf Zeit

Im vergangenen Frühling kamen mehrere Clubs auf Selina Tanner zu, darunter auch die NLB-Equipe von Waldkirch-St. Gallen und das NLA-Team von Rychenberg Winterthur. Die Entscheidung fiel ihr schwer. «Ich hatte Angst, dass ich in der höchsten Liga zu wenig Spielpraxis bekomme», sagt Selina Tanner. Doch sie hatte Glück. Schliesslich kooperierten die Vereine und die Verteidigerin konnte eine Doppellizenz lösen. Um den Schritt in die höchste Schweizer Liga zu schaffen, nahm sich Selina Tanner nach der Maturaprüfung ein halbes Jahr frei. «Ich habe es genossen, mich ganz auf den Sport konzentrieren zu können», sagt Selina Tanner. Und es sei auch nötig gewesen. Fünfmal pro Woche absolvierte sie ein Vereinstraining, zweimal ein Fitnesstraining in der Sportschule Appenzellerland. «Da bin ich manchmal an meine Grenzen gestossen.» So musste sie hin und wieder ein Training auslassen.

Bereits Stammspielerin

Das hohe Pensum zeigte jedoch seine Wirkung. «Sie brachte die Veranlagungen in roher Form mit», sagt Waldkirch-St. Gallens Trainer Lukas Studer. «Dank der zahlreicheren Trainings und des höheren Tempos hat sie sich in den vergangenen Monaten nun stark verbessert.» So war die Verteidigerin in der NLB zuletzt Stammspielerin und zum Teil auch Leistungsträgerin. Auch in der NLA drängte sie sich auf. Bereits im ersten Meisterschaftsspiel kam sie für Rychenberg Winterthur zum Einsatz. Dies war nicht nur für Selina Tanner eine Überraschung. «Im vergangenen Frühling hätte damit noch niemand gerechnet», sagt Simon Brechbühler, der bis vor kurzem Trainer von Rychenberg Winterthur war. «Aufgrund ihrer guten Leistungen hatte sie es jedoch verdient.» Selina Tanner nutzte ihre Chance und erzielte das Tor zum 8:4-Schlussresultat.

«Für uns stand von Anfang an fest, dass wir Selina an die NLA heranführen – und sie dann ziehen lassen», sagt Lukas Studer. Dies ist nun der Fall. Ab Januar arbeitet Selina Tanner, um Geld für ihr Studium als Physiotherapeutin zu verdienen. Für sieben Trainings und bis zu vier Spiele pro Woche hat sie dann keine Zeit mehr. Deshalb legt sie ihren Fokus ab Januar auf Rychenberg Winterthur. «Selina hat das Potenzial, sich in der Nationalliga A durchzusetzen», sagt Simon Brechbühler. Das hat die Appenzellerin in den vergangenen Monaten bewiesen.

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