Talentierte Schützin unterschätzt

WITTENBACH. Sie ist eine der besten Jungschützinnen im Kanton St. Gallen: Michaela Schnider aus Wittenbach. Bereits bei den ersten Trainings erzielte sie beachtliche Resultate. Für ihre Zukunft hat die junge Schützin aber andere Pläne.

Angelina Donati
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Das Ziel anvisieren und abdrücken: Die Schüsse, die Michaela Schnider abfeuert, sind höchst präzis. (Bild: Michel Canonica)

Das Ziel anvisieren und abdrücken: Die Schüsse, die Michaela Schnider abfeuert, sind höchst präzis. (Bild: Michel Canonica)

Den Rummel um ihre Person ist Michaela Schnider nicht gewohnt. Sie wirkt fast schon ein wenig verlegen. So zumindest könnte ihre Zurückhaltung beim Treffen gedeutet werden. Dabei muss sich die 18-Jährige, die seit vier Jahren der Schützengesellschaft Wittenbach angehört, keineswegs scheuen. Mit ihrem Talent und Ehrgeiz gewann sie nun einen kantonalen Wettkampf, der auf die Resultate dreier Schiessen basiert. Allerdings wusste sie nicht einmal, dass sie bei diesem Wettkampf teilgenommen hatte. «Als wir kürzlich die Gewehre putzten, erwähnte der Jungschützenleiter ganz nebenbei, dass er mich angemeldet und ich nun gewonnen habe», sagt Michaela Schnider lachend.

Kritiker wurden zu Bewunderern

Die Begeisterung fürs Schiessen war bei Michaela Schnider schon im Teenageralter gross. Das Interesse kommt nicht von ungefähr. Ihr Vater ist seit über 30 Jahren aktives Mitglied im Schützenverein. «Immer wenn ich es <chlöpfen> gehört habe, war ich fasziniert», sagt die Kantischülerin. Eine Waffennärrin sei sie aber nicht. Und auch eine Affinität zum Militär hat sie nicht. Das Schiessen bedeute ihr jedoch viel. Ein Sport, der ihr eben besonders liege. Das zeigte sich bereits, als sie als 14-Jährige erste Schüsse abfeuerte. Die Resultate waren bemerkenswert. So wurde sie beim «Grümpelschiessen» der Schützengesellschaft Wangs Fünfte von 25 teilnehmenden Frauen.

Wenn sich Kritiker ärgern, was Frauen auf dem Schiessstand zu suchen haben, bietet ihnen Michaela Schnider mit ihrer Treffsicherheit die Stirn. In Wittenbach gebe es aber keine Häme, sagt die Schützin. «Und doch bin ich anfangs von einigen unterschätzt worden.» Nachdem sie aber schnell auf der Tabelle im oberen Bereich mitschwang, sind auch die letzten kritischen Blicke verschwunden.

Schiessen mit Präzisionsgewehr

Mittlerweile sind ihre Jungschützen-Kameraden wie auch die Aktiven sogar höchst interessiert an ihren Resultaten. Bestimmt trägt auch ihre bescheidene Art dazu bei, dass sich die Kollegen an der talentierten Schützin und ihren Erfolgen erfreuen. Neid dürfte also auch nicht aufkommen, wenn Michaela Schnider im Frühling mit einem Standardgewehr schiessen wird. Für den Wettbewerb, den sie gewonnen hat, erhält sie es ein Jahr lang zur Verfügung gestellt. Neben dem Training mit dem Sturmgewehr wird sie jeden Wettkampf mit diesem Präzisionsgewehr zusätzlich bestreiten. Beste Voraussetzungen also, um auf den Schiesssport zu setzten? Michaela Schnider winkt ab. Nachdem sie im Sommer die Matura abschliessen wird, werde sie Physiotherapie studieren. Beim Schützenverein wolle sie aber als Aktive mitwirken.

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