Tagesbetreuung kontra Freifläche

ST.GALLEN. Das Lachen-Quartier soll als erstes der Stadt eine moderne, zentrale Infrastruktur für die Tagesbetreuung von Kindern erhalten. Was das Quartier begrüsst. Auf weniger Gegenliebe stösst, dass auf der grünen Wiese gebaut wird.

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Das östliche Ende der Sömmerliwiese. Hinten rechts ist durch die Äste des Baums der Kindergarten Isenringweg knapp zu erkennen. (Bild: Reto Voneschen)

Das östliche Ende der Sömmerliwiese. Hinten rechts ist durch die Äste des Baums der Kindergarten Isenringweg knapp zu erkennen. (Bild: Reto Voneschen)

Die Stadt hat in Sachen familienergänzender Tagesbetreuung für Schulkinder in der Lachen in den nächsten Jahren einiges vor. Der Kinderhort am Gerbeweg ist ein Sanierungsfall und zu klein. Hier besuchen derzeit über 70 Kinder den Hort oder den Mittagstisch. Zudem ist gemäss Prognosen zur Entwicklung die Zahl der Schulkinder absehbar, dass der Platz im heute noch genügenden Hort Schönenwegen dereinst ebenfalls knapp werden könnte.

Ein moderner Neubau

Die Stadt will in zwei Etappen einen Neubau für die Tagesbetreuung in der Lachen erstellen, und zwar im Endausbau mit Platz für über 180 Kinder. Gebaut werden soll am Rand der Sömmerliwiese neben dem bestehenden Kindergarten Isenringweg. Im ersten Schritt soll bis 2018 der Hort Gerbeweg ersetzt werden. Diese Etappe soll Platz für insgesamt 90 Kinder bieten. Im zweiten Ausbauschritt könnte danach der Hort Schönenwegen in einen zweiten Neubauteil hierher verlegt werden.

Die Lachen wäre damit das erste Quartier, in dem die Tagesbetreuung zentral in einer modernen Infrastruktur untergebracht wäre. Am Donnerstagabend informierten der städtische Schuldirektor Markus Buschor und Stadtbaumeister Erol Doguoglu das Quartier in der Aula des Schulhauses Feldli über die Planung. Die beiden stiessen – wohl nicht ganz unerwartet – bei den rund vierzig Anwesenden auf stark gemischte Gefühle.

Ein allseits geschätztes Angebot

Der Bedarf und die grosse Bedeutung der Tagesbetreuung von Schulkindern gerade fürs Lachen-Quartier wurde in der Diskussion von niemandem in Zweifel gezogen. Auch die Notwendigkeit, den Hort am Gerbeweg durch eine grössere und moderne Infrastruktur mit effizienteren Betriebsabläufen zu ersetzen, war unbestritten. Kritische Worte und Widerstand quer durch die Schar der Anwesenden gab's mit Blick auf den Bauplatz: Fürs Projekt werden 2000 Quadratmeter Land am Ostrand der Sömmerliwiese benötigt. «Das Anknabbern» der Grünfläche stösst im Quartier auf wenig Gegenliebe. Entsprechend wurden aus dem Plenum alternative Lösungen vorgeschlagen. Sie alle – und einige mehr – sind aber im Planungsverfahren schon begutachtet und verworfen worden.

Standort Gerbeweg zu klein

Der heutige Hort-Standort am Gerbeweg ist beispielsweise zu klein für das gesamte Neubauprojekt. Auch eine Verlegung des Kindergartens Isenringweg aufs Areal am Gerbeweg und ein Neubau für die Tagesbetreuung am Standort des Kindergartens ist für die Stadt aus Kostengründen keine Option. Der Kindergarten, so hiess es am Donnerstag, sei in einem baulich zu guten Zustand, als dass sich ein Abbruch rechtfertigen lasse. Was mit dem Standort des Horts am Gerbeweg dereinst geschieht, ist gemäss Stadtbaumeister Doguoglu offen. Grundsätzlich würde sich das Areal für eine Wohnnutzung, einen Wohnblock, eignen.

«Auf Quartier hören»

Ruedi Preisig als Vertreter des Quartiervereins Lachen wünschte sich in der Debatte, dass die Stadt die kritische Haltung von Quartierbewohnern zum Verlust eines Teils der Sömmerliwiese aufnehmen und noch einmal über die Bücher gehen solle. Stadtrat Buschor versprach, etwa Anregungen zur Umgebungsgestaltung und Wünsche zur Verkehrsführung «mitzunehmen» und in den Planungsprozess einfliessen zu lassen.

Die Stadt wisse, dass sie mit dem Neubau auf der Sömmerliwiese etwas zerstöre. Sie bemühe sich aber, so wenig von der Freifläche als möglich zu benutzen: Platz für über zwei Fussballfelder bleibe erhalten. Auch sei der Wille vorhanden, mit dem Neubau einen klaren Mehrwert fürs Quartier auch als Ersatz für die wegfallende Freifläche zu schaffen, versicherte Buschor.

Als nächsten Schritt schreibt die Stadt einen offenen Architekturwettbewerb für den Neubau der Tagesbetreuung in der Lachen aus. Er soll bis Sommer 2015 entschieden sein. Wenn danach alles nach Fahrplan klappt, könnte Baubeginn im Frühling 2017 und Bezug des Neubaus im Sommer 2018 sein. (vre)