Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TAG DER FRAU: Jung-SVPlerin: "Wir müssen den Männern zeigen, was wir alles können"

Ist Gleichberechtigung bei jungen Frauen überhaupt ein Thema? Für die Rorschacherbergerinnen Tabea Rohner (JSVP) und Anna Viola Bleichenbacher (SP) schon. Nur, wie sie erreicht werden kann, darüber sind sich die beiden 20-Jährigen uneinig.
Jolanda Riedener, Perrine Woodtli
Die Jung-SVPlerin Tabea Rohner sagt: "Ich finde es gut, wenn wir am 8. März im Mittelpunkt stehen." (Bild: PD)

Die Jung-SVPlerin Tabea Rohner sagt: "Ich finde es gut, wenn wir am 8. März im Mittelpunkt stehen." (Bild: PD)

Welche Bedeutung hat der Inter­nationale Frauentag am 8. März für Sie als junge Frau?
Tabea Rohner: Der Tag ist wichtig für die Wertschätzung der Frau. Die Frau ist heute noch in gewissen Bereichen benachteiligt, deshalb braucht es diesen Tag unbedingt. Ich finde es gut, dass wir Frauen am 8. März im Mittelpunkt stehen. Andererseits beschäftige ich mich das ganze Jahr mit Gleichberechtigung.

Anna Viola Bleichenbacher: Ich bezeichne den 8. März gerne als Frauenkampftag. Es irritiert mich, wenn Frauen zu diesem Tag Geschenke erhalten. Dass dieser Tag, der doch aus einer politischen, aus einer sozialistischen Tradition kommt, kommerzialisiert wird, finde ich eigenartig. Es ist wichtig, sich an diesem Tag auf die Geschichte zu besinnen: Wir haben viel erreicht. Aber es gibt auch noch viel zu tun.




Kürzlich haben Stadtparlamentarierinnen in St.Gallen einen freien Tag für weibliche Stadtangestellte gefordert, um der Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau etwas entgegenzuwirken. Was halten Sie von dieser Idee?
Rohner: Wenn, dann sollte das für alle Frauen in der Schweiz gelten und nicht nur für jene, bei der Stadt St.Gallen. Ich finde aber, das ist ein falscher Ansatz. Wenn man damit ein Zeichen setzen will, kann ich das verstehen, bringen wird es aber nichts.

Bleichenbacher: Ich finde den Ansatz, der auch auf anderen Ebenen verfolgt wird, zwar interessant, er ist aber nicht durchdacht. Es gäbe dann nämlich weniger Anreiz, eine Frau einzustellen. Vor allem wollen Frauen nicht mehr Freitage, sondern bei steigenden Mietkosten und Krankenkassenprämien am Ende des Monats gleich viel Geld im Portemonnaie wie Männer.
Wie kann man der Lohnungleichheit entgegenwirken?

Rohner:In den Jobs, die ich bis jetzt hatte, glaube ich nicht, dass ich weniger verdient habe, als meine männlichen Kollegen. Die Lohnungleichheit in höheren Lohnklassen ist sicher präsenter. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, finde ich, ist nicht mehr als fair.

Bleichenbacher: Das zentrale Problem ist, dass Frauen im Arbeitsmarkt vieles verwehrt bleibt, abgesehen von der Lohngleichheit. Probleme, die das begünstigen, sind der fehlende Vaterschaftsurlaub, typische Frauen-Männerberufe sowie die Schulbildung. Mädchen sollten in der Schule von Anfang an lernen dürfen, was sie wollen und gleiche Chancen und Förderungen erhalten.


Helfen Quoten dabei, die Unterschiede zu minimieren?
Rohner: Quoten überzeugen mich nicht. Wenn eine Frau besser ist, als ihre männlichen Mitbewerber, sollte man sie auch einstellen. Aber ich finde es falsch, jemanden einzustellen, nur, damit das Geschlechterverhältnis ausgeglichener ist. Darunter könnte auch die Qualität im Betrieb leiden.

Bleichenbacher: Das Quotenthema spaltet mich. Entsprechende Massnahmen in anderen Ländern zeigen eine Wirksamkeit von Quoten. Bewerben sich gleichqualifizierte Männer und Frauen auf eine Stelle, sollte man, meiner Meinung nach, den Frauen den Vorrang geben. So könnte in Kaderpositionen ein Ausgleich geschaffen werden.

Rohner:Ich will lieber um die Gleichheit kämpfen, statt eine Quotenfrau zu sein.

Bleichenbacher: Ich will jedoch genauso wenig einen Job nicht erhalten, nur weil ich eine Frau bin.


Gibt es noch andere Lösungen für das Problem der Lohnungleichheit?
Rohner: Auch als qualifizierte Frau kann man es in gewisse Positionen schaffen. Aber man muss besser sein als die männlichen Konkurrenten. Frauen können ein Team mit ihrer weiblichen Art, Intelligenz und eigener Sichtweise bereichern. Wir müssen die Männer von unseren Qualitäten überzeugen.


Frau Bleichenbacher, können Sie das so stehen lassen?
Bleichenbacher:Ich lehne die Trennung zwischen weiblichen und männlichen Charaktereigenschaften ab. Unser Ziel muss sein, dass man sich unabhängig vom Geschlecht frei bewegen und entfalten kann.


Was hat die Frauenbewegung aus heutiger Sicht erreicht und wo besteht noch Nachholbedarf?
Bleichenbacher: Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, was bis jetzt erreicht wurde. Jedoch berufen sich Gegner der Frauenbewegung gerne darauf, dass Frauen jetzt abstimmen und arbeiten dürfen. Das reicht aber nicht. Wir sind überhaupt noch nicht gleichberechtigt. Und das zentrale Problem momentan ist die Lohnungleichheit. Unser Kampf gegen die Ungleichheit ist nicht nur ein Kampf für Frauenrechte, sondern ein Kampf für alle, die in unserer Gesellschaft weniger privilegiert sind.

Rohner: Das Erlangen des Frauenstimmrechts war sicher ein grosser Schritt. Ich persönlich fühle mich aber nicht ungleich behandelt und ich bezweifle auch, dass meine Mutter das erlebt hat. Wir sind auf gutem Weg, einzig bei der Lohngleichheit hapert es noch.


Wie gut sind Beruf und Familie heute vereinbar?
Rohner: Es gibt mittlerweile viele Teilzeitstellen, die es Müttern ermöglichen, wieder rasch ins Arbeitsleben einzusteigen und in einem kleinen Pensum zu arbeiten. Auch die Ansichten der Väter haben sich geändert, oft wollen sie im Haushalt mithelfen. Die Rollenteilung hat sich dank Arbeitsmodellen verändert. Diesbezüglich sind wir auf einem guten Weg. Nachholbedarf gäbe es beim Vaterschaftsurlaub. Auch Alleinerziehende haben es sicher schwer.

Bleichenbacher: Derzeit hängt es von vielen Faktoren ab, ob sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. Möglich ist es schon, aber sicherlich nur mit vielen Eingeständnissen, gerade auch, da in der Schweiz passende Betreuungsangebote rar sind. Von Gleichberechtigung zu sprechen, wenn man als Frau eine 20-Prozent-Stelle annehmen «darf» finde ich falsch.


In Rorschacherberg sitzen mit Charlène Lanter und Regula Hürlimann zwei Frauen und fünf Männer inklusive Präsident im Gemeinderat. Ist das genug?
Rohner: Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Frauen hätten. Aber auf kommunaler Ebene stimmt man für die Person oder allenfalls für die Partei.

Bleichenbacher: Das Ziel wäre schon, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu haben. Aber im Gemeinderat ist es vor allem wichtig, Leute zu finden, die sich engagieren.


Wie werden Sie als junge Frau, am Arbeitsplatz sowie im politischen Umfeld wahrgenommen?
Rohner: Ich habe vor allem positive Rückmeldungen und Respekt für mein politisches Engagement erhalten. Es wird geschätzt, dass ich meine Meinung äussere.

Bleichenbacher: Im Job kann man sich als Frau durch gute Arbeit durchaus Respekt erarbeiten. Oft ist man als Frau aber in sogenannten Frauenberufen unter sich, während der Chef dann doch meist ein Mann ist. In der SP wird viel für Gleichberechtigung getan. Wir sind aber alles Menschen und nicht immer läuft alles so perfekt, wie man es sich in einer gleichberechtigten Gesellschaft wünschen würde.

Wie gehen Sie mit respektlosem Verhalten des anderen Geschlechts um?
Bleichenbacher: Nicht für alle ist das gleiche okay. Männer müssen die Grenzen einer Frau erfragen und respektieren. Als Frau braucht man den Mut, diese Grenzen aufzuzeigen.

Rohner: Das hat mit Grundrespekt zu tun: Wenn Männer von Anfang an wissen, wie weit sie gehen dürfen, gibt es das Problem nicht. Das eigene Auftreten und Selbstbewusstsein spielt sicher auch eine Rolle.


Wird man als Frau bezüglich seiner Fähigkeiten ernst genommen?
Rohner: Ich arbeitete schon als einzige Frau im Männerteam auf dem Bau. Dabei versuchte ich, die hohe Arbeitsqualität meiner Kollegen weiterzuführen. Wir müssen den Männern zeigen, was wir alles können. Dann ist der Respekt, der einem entgegenkommt sehr gross.

Bleichenbacher: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Frau mehr leisten muss, als die männlichen Kollegen. Das kann’s nicht sein.

Rohner: Als Frau muss man sich halt einfach durchsetzen können. Wir müssen uns nicht schlechter machen, als wir sind. So erreichen wir mehr Gleichberechtigung.

Bleichenbacher: Vielleicht kann man so in Einzelfällen etwas erreichen. Das Ziel ist aber nicht, die Frau aus biologischer Sicht in ihrer Rolle zu stärken. Sondern wir müssen davon ausgehen, dass beide Geschlechter über gleiche Fähigkeiten verfügen. Dieses Umdenken muss stattfinden.

Anna Viola Bleichenbacher, SP

Anna Viola Bleichenbacher, Jahrgang 1997, politisiert für die SP und ist Vorstandsmitglied der SP Rorschach Stadt am See. Bleichenbacher absolvierte die Matura in St.Gallen und studiert derzeit Recht in Basel. In Rorschacherberg kämpft Bleichenbacher unter anderem für den Erhalt der Poststelle und initiierte 2017 eine Petition. 2016 kandidierte sie als jüngste Kandidatin auf der SP-Liste für den Kantonsrat. Zuvor führte sie 2015 die Juso-Liste des Kantons St.Gallen für die Nationalratswahlen an. (woo)

Tabea Rohner, JSVP

Tabea Rohner, Jahrgang 1998, ist Mitglied der Jungen SVP Kanton St.Gallen und in deren Vorstand. In Rorschacherberg setzt sie sich als Vorstandsmitglied der örtlichen SVP unter anderem für das traditionelle Gemeindewappen ein, das durch ein modernes Logo ersetzt wurde. Rohner absolvierte auf der Gemeinde Rorschacherberg eine Kauffrau-Lehre. Derzeit lässt sie sich zum Cabine Crew Member ausbilden. Wegen ihrer Ausbildung weilt Rohner in Berlin, weshalb das Gespräch via Skype geführt wurde. (woo)

Die junge SPlerin Anna Viola Bleichenbach: "Ich bezeichne den 8. März gerne als Frauenkampftag." (Bild: PD)

Die junge SPlerin Anna Viola Bleichenbach: "Ich bezeichne den 8. März gerne als Frauenkampftag." (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.