TAG DER ARBEIT: Linke soll wieder kämpfen lernen

400 bis 500 Personen nahmen an der 1.-Mai-Kundgebung in St. Gallen teil. Auf Transparenten und in Reden wurden soziale Gerechtigkeit, faire Löhne und Solidarität mit Flüchtlingen gefordert.

Reto Voneschen
Drucken
Teilen
Der Demonstrationszug zum 1. Mai gestern in der unteren Marktgasse. In der ersten Reihe unter anderen der Berner SP-Nationalrat und Hauptredner Corrado Pardini (Zweiter von links), die St. Galler SP-Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl sowie der St.Galler SP-Regierungsrat Fredy Fässler. (Bild: Urs Bucher)

Der Demonstrationszug zum 1. Mai gestern in der unteren Marktgasse. In der ersten Reihe unter anderen der Berner SP-Nationalrat und Hauptredner Corrado Pardini (Zweiter von links), die St. Galler SP-Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl sowie der St.Galler SP-Regierungsrat Fredy Fässler. (Bild: Urs Bucher)

Trotz nass-kalten Wetters fiel die diesjährige 1.-Mai-Feier in der Stadt St.Gallen im gewohnten Rahmen aus. Nach Angaben der Stadtpolizei und der Organisationen zogen ab 17.15 Uhr 400 bis 500 Personen mit Transparenten und Fahnen hinter der Banda di San Gallo vom Leonhardspärklein durch die Innenstadt.

1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
11 Bilder
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)
1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)

1. Mai Demo in St. Gallen: Demonstrationszug zum Marktplatz (Bild: Urs Bucher)


Hauptreferent in der Marktgasse war der Berner SP-Nationalrat Corrado Pardini. Er hatte eine gute Botschaft: «Tina liegt im Sterben.» Wobei das Kürzel nicht für eine Frau, sondern für den Satz «There is no alternative! Es gibt keine Alternative!» stand. Tina sei «die Mätresse aller Neoliberalen», sagte Pardini. Sie wollten der Bevölkerung mit ihrer Hilfe einreden, dass es eine Wirtschaft ohne Sozialabbau, Millionen-Boni, Sparwahn, tiefe Löhne, unsichere Jobs, extreme Ungleichheit, Zerstörung des Service public oder entfesselte Finanzmärkte nicht geben könne.

Diese Behauptungen seien völlig falsch. Sie seien auch ökonomisch unhaltbar, betonte Paradini. Der Satz sei ja auch keine wissenschaftliche Wirtschaftstheorie, sondern nur «eine Ideologie, welche die Umverteilung von unten nach oben organisierte». Das Problem sei, dass viele Tina glaubten, weil die Behauptung der fehlenden Alternative ständig wiederholt werde. Zu jenen, die so predigten, zähle ja auch «eine berühmte Hochschule» in St.Gallen.

Sozialer Fortschritt dank breiter Mobilisierung

Die Linke und die Gewerkschaften seien in der Schweiz heute zu brav, viel zu brav, kritisierte Corrado Pardini. Man dürfe den neoliberalen «Plünderungskapitalismus» nicht mehr akzeptieren. Man müsste ihm mit breiter Mobilisierung entgegentreten und sozialen Fortschritt erzwingen. Viele auch links der Mitte dächten heute, es komme schon irgendwie recht, wenn man stillhalte. Pardini: «Es ist genau umgekehrt.»

In der Schweiz laufe gerade der Angriff der Rechten auf die AHV. Ihn gelte es abzuwehren. Und ältere Arbeitnehmer müssten endlich besser geschützt werden, forderte der Berner SP-Nationalrat. Man müsse den «Laissez-faire-Bundesrat» endlich dazu bringen, den «mörderischen Franken» zu zähmen. Die Politik sei gefordert, den sozialverträglichen digitalen und ökologischen Umbau anzustossen.

Dem von rechts geforderten Abbau an Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer müsse man entgegentreten, sagte Pardini. Die reale Schweizer Arbeitszeit liege bei über 42 Stunden pro Woche; in einzelnen Branchen höher. Und sie sei tendenziell steigend. Dem müsse man wie anderen Wunschträumen zur Profitmaximierung einen Riegel schieben. Die Arbeitnehmerschaft müsse gemeinsam für eine soziale Digitalisierung und mehr Gerechtigkeit eintreten. Pardini: «Wir kennen die Arbeit. Wir schaffen den Wert. Und wir sind starke Akteure. Wenn wir nur wollen!»