Täter wollen Opfer und keine Gegner

In der Nacht allein durch dunkle Gassen zu gehen oder das Auto in der hintersten Ecke der Tiefgarage zu parkieren löst bei den meisten keine behaglichen Gefühle aus.

Ruth Frischknecht
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Selbstverteidigungs-Trainer Martin Piper zeigt den Frauen, wie sie sich mit dem «Airbag» gegen einen Angreifer wehren können. (Bild: Ruth Frischknecht)

Selbstverteidigungs-Trainer Martin Piper zeigt den Frauen, wie sie sich mit dem «Airbag» gegen einen Angreifer wehren können. (Bild: Ruth Frischknecht)

In der Nacht allein durch dunkle Gassen zu gehen oder das Auto in der hintersten Ecke der Tiefgarage zu parkieren löst bei den meisten keine behaglichen Gefühle aus. Und was, wenn einem jemand folgt? Selbstverteidigungs-Instruktor Martin Piper zeigte am Mittwochabend im Rahmen der Aktion «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» Tricks, wie sich Frauen (und Männer) aus solchen Situationen befreien können.

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Ziel einer der Übungen ist es, zu spüren, was eine Änderung der Körperhaltung bewirkt, wie man sich mit nur einer kleinen Geste plötzlich sicherer oder stärker fühlt. Piper bittet die fünf Frauen, die Füsse auf gleicher Höhe zusammen zu stellen und die Hände hinter dem Rücken zu verschränken. Er geht auf die Frauen zu, kommt ihnen sehr nah. Wie unangenehm das ist, zeigen ihre Reaktionen: Einige weichen ungewollt zurück, andere machen ein gequältes Gesicht oder senken den Kopf. Als nächstes fordert Piper die Frauen auf, einen Fuss nach vorne zu setzen und die Arme vor der Brust zu verschränken. Erneut geht er auf die Frauen zu. Fuss und Arme bieten Schutz, schaffen Distanz. Nun kommen Stimme und Gestik dazu. «Nein!», «Weg!», «Halt!», rufen die Frauen, während sie eine Hand ausstrecken. Die Aufgabe: Martin Piper stoppen, bevor er die Grenze überschreitet. Keine Frau weicht mehr zurück, alle stehen selbstsicher da. «Darum geht es bei der Selbstverteidigung: nicht in der Passivität verharren, sondern aktiv werden.» Meistens reiche es bereits, die Hände an die Handtasche zu nehmen oder die Autoschlüssel in der Hand zu halten, damit man sich sicherer und stärker fühle, sagt Piper.

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Die Teilnehmerinnen lernen, Personen abzuwimmeln. Sie üben, auf einen Angriff von hinten zu reagieren. Sie schlagen. Der Selbstverteidigungs-Instruktor sagt: «Wehrt euch! Der Täter sucht ein Opfer und keinen Gegner.» Er erzählt, dass sich Frauen schon in Sicherheit bringen konnten, indem sie unter ihr Auto krochen. Das Wichtigste sei zu reagieren, und nicht vor Angst zu erstarren. Zum Abschied sagt Piper: «Mit der Selbstverteidigung ist es wie mit der Ersten Hilfe. Ich hoffe, ihr müsst sie nie anwenden.»