Täglicher Terror in der Schule

Mobbing ist eine Form von Gewalt, die systematisch einer Person angetan wird, sagt Esther Luder. Sie ist Leiterin der Krisenintervention des Schulpsychologischen Dienstes im Kanton St. Gallen und weiss, wie man Mobbing-Opfern helfen kann.

Julia Nehmiz/Regula Weik
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Wenn jemand permanentem Terror ausgesetzt ist, nie weiss, wann die nächste Attacke kommt, ist das unglaublich belastend. (Bild: fotolia)

Wenn jemand permanentem Terror ausgesetzt ist, nie weiss, wann die nächste Attacke kommt, ist das unglaublich belastend. (Bild: fotolia)

Frau Luder, welches war der schlimmste Fall, den Sie in Ihren zehn Jahren bei der Krisenintervention erlebten?

Esther Luder: Die Begleitung eines Mädchens über eineinhalb Jahre hinweg. Es gab keinen Weg, die Situation so zu stabilisieren, dass es für das Mädchen gut gewesen wäre.

Das Mädchen wurde gemobbt.

Luder: Ja. Doch das war nicht alles. Die Täter hatten zwar aufgehört, das Mädchen zu mobben, es wurde aber auch danach nicht in die Klasse integriert. Dagegen kommt man nicht an. Das war sehr belastend und traurig. Das Mädchen hatte einen Eigenanteil an der Situation, es war extrem schüchtern und traute sich nicht, die Schule zu wechseln. Das wäre für uns in dem Fall eine Option gewesen, sonst haben wir die Haltung, dass die Mobbenden die Schule wechseln.

Wie sah das Mobbing in dem Fall konkret aus?

Luder: Es begann in der zweiten Oberstufe, auf einer kleinen Dorfschule. Das Mädchen wurde anfangs von den anderen Mädchen der Klasse beschimpft, wie das nur Mädchen können. Es ging ums Aussehen, das Mobbing-Opfer war übergewichtig. Später wurden die Attacken subtiler, Blicke, Tuscheln, die Finken verschwanden, aus dem Etui kam etwas weg. Einzeln gesehen sind diese Vorfälle nicht tragisch. Aber wenn jemand permanentem Terror ausgesetzt ist, nie weiss, wann die nächste Attacke kommt, ist das unglaublich belastend.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 31. Januar.

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