Täglich das Gehirn trainieren

Nach einem Hirnschlag im Jahr 2000 war Monika Bischof einseitig gelähmt und konnte weder sprechen noch sich bewegen. Schritt für Schritt hat sich die Engelburgerin zurück ins Leben gekämpft. Dieses Wochenende feiert sie das fünfjährige Bestehen ihrer Praxis.

Corinne Allenspach
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Monika Bischof schliesst ihren Mann Marcel an die Elektroden an. (Bild: Corinne Allenspach)

Monika Bischof schliesst ihren Mann Marcel an die Elektroden an. (Bild: Corinne Allenspach)

ENGELBURG. Bald 14 Jahre sind es her. 14 Jahre, in denen kein Tag verging, ohne dass Monika Bischof nicht an den 26. August 2000 gedacht hätte. Ein sonniger Samstag. Und der Tag, der ihr Leben verändert hat. Mit 39 Jahren erlitt die Engelburgerin, deren Tochter damals eineinhalb war, einen Hirnschlag. Die Folgen spürt sie immer noch. Aber heute ist nicht mehr jeder Handgriff ein Chrampf, wie direkt nach dem Schlag, als sie einseitig gelähmt war und weder reden noch sich bewegen konnte.

Als Mensch wieder gefragt

2008 hat Monika Bischof unter dem Titel «Schritt für Schritt – zurück ins Leben» ein Buch geschrieben, um anderen Hirnverletzten und deren Angehörigen Mut zu machen, auch nach einem schweren Schicksalsschlag nicht aufzugeben. Und 2009 hat sie sich selbständig gemacht. Mit Neurofeedback, einer computergestützten Methode für die Hirnströme. «Ich habe nicht gewusst, ob ich die Arbeit schaffen werde», sagt die heute 53-Jährige. Sie hat es geschafft. Dieses Wochenende kann sie das fünfjährige Bestehen ihrer Praxis feiern. Für die Engelburgerin eine doppelte Freude. Erstens war es stets ihr Ziel, wieder 50 Prozent zu arbeiten. Zweitens freut sie sich, wieder gefragt zu sein. «Nach dem Hirnschlag habe ich mir oft überlegt, wozu ich eigentlich noch nütze», sagt sie.

Nichts zu tun mit Esoterik

Monika Bischof bezeichnet ihre Selbständigkeit als «Glücksfall». Als Angestellte mit regelmässigen Arbeitszeiten ginge es nicht. Denn auch heute noch braucht sie viele Pausen, bereitet ihr vieles Mühe oder Schmerzen. Dass es ihr verhältnismässig gut gehe, habe sie hauptsächlich der Neurofeedbacktherapie zu verdanken, ist Monika Bischof überzeugt. Gute Resultate erziele die Therapie, die sie auch bei sich anwende, vor allem bei Menschen mit Lern-, Schlaf- oder Angststörungen, aber auch bei Burn-out. Dabei werden Elektroden am Kopf angeschlossen und dank individueller Therapie wird das Gehirn sozusagen neu programmiert. Mit Esoterik habe das gar nichts zu tun: «Neurofeedback gilt als alternative Heilmethode.»

Auch wenn Monika Bischof die Arbeit Spass macht, weil sie mit ihrem ursprünglichen Beruf als Krankenschwester zu tun hat – am liebsten würde sie wieder in der Intensivstation arbeiten, wie vor dem Hirnschlag. «Das wäre nach wie vor mein Traum.» Umso mehr freut sie sich, dass sie seit kurzem zweimal pro Jahr auf der Intensivstation vor Lernenden referieren darf: Als positives Beispiel nach einer Hirnverletzung. Und wo sieht sie sich in fünf Jahren? Die Engelburgerin muss nicht lange überlegen: «Ich habe gelernt, nicht mehr so weit im voraus zu planen.»

Offene Praxis brainplus.ch, Linerhofstrasse 1, Engelburg, morgen Freitag, 17–20 Uhr, Sa 10–17 Uhr