SVP-Mann mit linken Argumenten

Die St. Galler SVP hat zur Kürzung des Renten-Umwandlungssatzes die Nein-Parole beschlossen – und stellt sich damit gegen ihren eigenen Parteivorstand und gegen die nationale Mutterpartei.

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SVP-Kantonsrat Markus Blum liegt in Sachen Rentenumwandlungssatz auf der Linie der SP. (Bild: Hannes Thalmann)

SVP-Kantonsrat Markus Blum liegt in Sachen Rentenumwandlungssatz auf der Linie der SP. (Bild: Hannes Thalmann)

SVP-Mann mit linken Argumenten

Die St. Galler SVP hat zur Kürzung des Renten-Umwandlungssatzes die Nein-Parole beschlossen – und stellt sich damit gegen ihren eigenen Parteivorstand und gegen die nationale Mutterpartei. Als Kämpfer für das Nein trat der Mörschwiler Kantonsrat und Moag-Geschäftsführer Markus Blum auf: «Bis 2008 haben die grossen Versicherungsgesellschaften an der Börse Milliarden verdient und den Umwandlungssatz nicht erhöht.

Jetzt kommen sie und wollen unsere Renten kürzen: Das ist nicht fair», sagte er an der Delegiertenversammlung der Kantonalpartei und fand die Zustimmung der Mehrheit im Saal.

Mit diesem Argument liegt Blum auf der Linie der Gewerkschaften und der SP. Entsprechend zufrieden äussert sich denn auch SP-Präsidentin Claudia Friedl: «Die SVP hat sich auf ihre Wurzeln zurückbesonnen und ihrem Wirtschaftsflügel eine Abfuhr erteilt.» Als Vertreter ebendieses Wirtschaftsflügels gilt auch Blum.

«Sein Votum überrascht, wenn man weiss, dass er Unternehmer ist», findet FDP-Präsident Marc Mächler, der Blum «relativ gut» kennt, wie er sagt. Gar als «wirtschaftsfeindlich» schätzt Benedikt Würth, CVP-Fraktionschef, die Nein-Parole der SVP ein.

Blum selber sieht zwischen seinem Unternehmertum und der gewerkschaftlichen Argumentation keinen Widerspruch: «Es gibt nichts Sozialeres als einen Arbeitgeber. Wir können es uns nicht leisten, unsere Mitarbeiter zu hintergehen, indem wir ihre Renten kürzen.

» Den Vorwurf der Mitteparteien, das Nein zur Rentenvorlage sei reiner Opportunismus, weist der 51jährige von sich: «Ich bin realistisch, nicht opportunistisch: Die Aktienkurse steigen derzeit wieder, und ob die Lebenserwartung in dem Mass zunehmen wird wie vorausgesagt, wird sich erst in etwa zwölf Jahren zeigen.» Es sei nicht nötig, den Umwandlungssatz jetzt zu senken.

Blums Optik ist jene des KMU- und Gewerbevertreters. Seit über 25 Jahren ist er in diesem Bereich tätig. Seine politische Laufbahn ist kürzer: 2004 wurde er Kantonsrat, 2007 kandidierte er für den Nationalrat. Er habe die politische Karriere nicht gesucht, ebenso wenig wie seine Partei: «Die SVP hat mich angefragt, ob ich für den Kantonsrat kandidieren wolle», erinnert sich Blum.

Dass er in Sachen Rentenumwandlungssatz nun plötzlich mit der Linken einer Meinung ist, stört ihn nicht: «Parteipolitisches Schema-Denken entspricht mir nicht», sagt Blum. Mit dem Kurs der SVP Schweiz sei er aber «zu 90 Prozent» einverstanden, obwohl ihn seine Bekannten in bürgerlichen Kreisen auch schon einen «linken SVPler» genannt hätten.

Toni Brunner ist denn auch gut auf ihn zu sprechen – meistens: «Ich schätze Markus Blum sehr, doch mit seinem Nein zur Rentenvorlage liegt er falsch.» Blum ist zudem im Gegensatz zur Mutterpartei ein Befürworter der Personenfreizügigkeit. Wenig anfreunden könne er sich auch mit politischer Polemik, meint er. Meistens – im HarmoS-Abstimmungskampf liess sich auch Blum zur Behauptung hinreissen, der Bund wolle mit dem Schulkonkordat «die Familien verstaatlichen». (av)

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