SVP-Mann fotografiert Frau in Burkini

ST.MARGRETHEN. Eine Muslima hat sich am Wochenende ein Bad mit ihren Kindern im Strandbad Bruggerhorn in St.Margrethen gegönnt. Das Ungewönliche daran: Sie stieg mit einem Burkini in den Pool. Ein lokaler SVP-Politiker sah dies und lichtete die Frau ab. Der Bademeister ist empört.

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Das baden in einem Burkini ist hygienisch unbedenklich. (Bild: Fotolia/Symbol)

Das baden in einem Burkini ist hygienisch unbedenklich. (Bild: Fotolia/Symbol)

Temperaturen über 30 Grad, ein Sprung ins kühle Nass kommt da gelegen: Eine junge Muslima hat dies am Sonntag im Strandbad Bruggerhorn in St.Margrethen getan. Sie trug aber nicht wie alle üblichen Gäste einen gewöhnlichen Badeanzug, sondern sie trug einen Burkini. Das ist ein Ganzkörperbadeanzug, an dem ein Kopfschleier angebracht ist und der es streng religiösen Musliminnen ermöglicht, in gemischten Bädern zu baden. Dem Vizepräsidenten der örtlichen SVP stiess die Aufmachung der Frau aber sauer auf: Fabian Herter zückte sein Handy und schoss ein Bild von der Frau.

Maulkorb verpasst
Das Vorgehen des SVP-Politikers stiess dem Bademeister sauer auf: "Es kann nicht sein, dass in einer Badi Gäste ohne ihr Wissen fotografiert werden. Das grenzt an Stalking", wie er sich gegenüber "20 Minuten online" äusserte.

Der Bademeister hat sich wegen des Vorfalls an die Gemeindeverwaltung gewendet. Am Nachmittag wollte er sich zum Vorfall nicht mehr äussern, wie "20 Minuten" weiter schreibt. Scheinbar hatte ihm die Gemeinde einen Maulkorb verpasst. Auch auf der Verwaltung wollte niemand mehr Auskunft geben.

"Ein klares Zeichen für Extremismus"
SVP-Politiker Fabian Herter erklärt sein Vorgehen mit der Provokation, die von der Frau ausgehe. Das Tragen des Burkini sei ein klares Zeichen für Extremismus und für die Unterdrückung der Frauen im Islam. Auch zeige die Frau, dass sie sich hier nicht integrieren wolle.

Im Übrigen sei er nicht der einzige Badegast gewesen, dem der Burkini sauer aufgestossen sei. "Ich will mich darum kümmern, dass die Bekleidungsvorschriften der Badi entsprechend angepasst werden." Ob er wegen des Fotografierens mit Konsequenzen rechnen muss, ist unklar.

Burkini hygienisch unbedenklich
Laut Experten bewegt sich Herter mit seiner Aktion zumindest in einer rechtlichen Grauzone. Was den Burkini betrifft, sah der Bademeister am Sonntag keinen Grund, einzuschreiten: Im Badereglement sei hierzu nichts festgehalten.

Auch hygienische Bedenken hält er für unangebracht. "Es gibt Schlimmeres als so ein Badeanzug. Jugendliche, die unter ihrer Badehose Unterwäsche tragen oder Kinder, die in Pampers baden gehen, sind ein echtes hygienisches Problem." (red.)