SVP erklärt sich nächsten Montag

Kommt sie? Oder kommt sie doch nicht? Die SVP macht es bezüglich der Stadtratswahlen im Herbst spannend. Nächsten Montag will sich die Partei erklären. Gerüchte gibt's bereits haufenweise. Überraschungen sind gut möglich.

Reto Voneschen
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Der amtierende St. Galler Stadtrat (von links): Markus Buschor (parteilos), Peter Jans (SP), Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) sowie Patrizia Adam und Nino Cozzio (beide CVP). (Bild: Urs Bucher)

Der amtierende St. Galler Stadtrat (von links): Markus Buschor (parteilos), Peter Jans (SP), Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) sowie Patrizia Adam und Nino Cozzio (beide CVP). (Bild: Urs Bucher)

Obwohl alle fünf Bisherigen wieder antreten, werden die Erneuerungswahlen in den St. Galler Stadtrat von Ende September spannend. Dafür sorgen Sprengkandidaturen: Die FDP schickt den Polizisten Marcel Rotach, die SP als Reaktion darauf Sozialpädagogin Maria Pappa ins Rennen. Nachdem die CVP mit zwei Bisherigen für zwei Sitze keine zusätzlichen Kandidaten portieren muss, fehlt bezüglich der Stadtratswahlen bei den grossen Parteien noch die Wortmeldung der SVP.

Viele Gerüchte, kaum Konkretes

Ihre Stadtpartei hat gestern auf kommenden Montag zur Medienkonferenz in die Militärkantine eingeladen. Und zwar sollen «Strategie und Kandidaten» für die Stadtwahlen vom Herbst vorgestellt werden. Steigt die SVP auch noch mit einer Kandidatin, einem Kandidaten ins Rennen um die Stadtratssitze? Das und anderes lässt sich in die Einladung hineininterpretieren. Seit ihrem Versand brodelt die Polit-Gerüchteküche denn auch wacker vor sich hin.

Links der Mitte scheint einzelnen der Ort der SVP-Information verdächtig. Die Militärkantine wird oft mit der Linken identifiziert, was angesichts des dort verkehrenden, buntgemischten Publikums zwar nicht unbedingt stimmt. Ein SVP-Anlass im historischen Gebäude wird aber offenbar von einzelnen Genossen trotzdem als Wink mit dem Zaunpfahl oder als Provokation verstanden. Die SP hat ja Maria Pappa, ihre Kampfkandidatin für den Herbst, auch hier vorgestellt.

Bei der SVP-Stadtpartei wird die Einladung zur Wahlpressekonferenz nicht kommentiert. Zum Ort des Geschehens liess Sandra Steinemann, Co-Präsidentin der SVP-Stadtpartei, wissen: «Die Militärkantine haben wir gewählt, da sie für uns zentral gelegen ist und einen schönen Garten hat.» Zudem gibt die andere Co-Präsidentin der Stadtpartei, Karin Winter-Dubs, daneben am Kaufmännischen Berufs- und Weiterbildungszentrum (KBZ) Schule. Was unter Politikerinnen und Politikern gestern den Gerüchten neue Nahrung gab …

Ernstzunehmende Kandidatin

Tatsächlich gilt Karin Winter als mögliche SVP-Stadtratskandidatin. Sie politisiert sachbezogen, ist manchmal zwar etwas direkt, gilt aber auch als ehrlich und offen. Sie sei aus dem Holz geschnitzt, das man für eine Kollegialbehörde brauche, lobte sie vor einigen Jahren sogar einer von links der Mitte. Ihre Kandidatur müssten die anderen Parteien ganz sicher ernst nehmen.

Aber: Ein Wahlgang ohne vakante Sitze im Stadtrat ist nicht wirklich ein guter Zeitpunkt für eine Kandidatur von Karin Winter. Die Chance, einem Bisherigen den Sitz wegzunehmen, ist nämlich relativ klein. Und eine so gute Kandidatin in einem von vornherein eher aussichtslosen Wahlkampf zu verheizen, kann sich eine Partei kaum leisten, die nicht wirklich mit vielen potenziellen Köpfen für einen Regierungssitz gesegnet ist.

Als zweiter möglicher SVP-Stadtratskandidat wird immer noch Heini Seger, der amtierende Parlamentspräsident, gehandelt. Er hat mit der Waaghaus-Vorlage gerade sein Meisterstück als politischer Brückenbauer hingelegt, mit einem Kompromiss ideologische und emotionale Wogen geglättet. Mit Jahrgang 1957 hat Seger aber bereits ein schwieriges Alter für Stadtratsambitionen, wenn man davon ausgeht, dass ein solcher mehr als vier bis sechs Jahre amtieren sollte.

Jemand aus dem Gewerbe?

Wie üblich, wenn es um die Vorbereitung eines Stadtratswahlkampfs durch eine bürgerliche Partei geht, kommt «der grosse Unbekannte» ins Spiel. Die SVP-Stadtpartei, so heisst es hinter den Kulissen, habe einen Quereinsteiger gefunden, der sich für ein Stadtratsmandat interessiere. Mehr als ein – zur Verunsicherung der Konkurrenz gezielt gestreutes? – Gerücht ist das aber wohl nicht. Mögliche Namen förderte nämlich auch eine längere Recherche nicht zutage.

Wahlkampf ohne Kandidat?

Ein anderes Szenario liegt für die SVP bei den Stadtratswahlen vom 25. September im Bereich des Möglichen: Man weiss, dass einzelne in der Stadtpartei dem Treiben von FDP und SP kritisch gegenüberstehen. Sie halten zusätzliche Kandidaturen angesichts aller erneut kandidierenden Bisherigen für eine überflüssige Ablenkung vom Tagesgeschäft. Einer meinte gestern im Gespräch gar, da ginge es doch nur um Machtpolitik. Entsprechend könnte die SVP auch bewusst auf eine Sprengkandidatur verzichten und ihre potenziellen Kandidierenden für den aussichtsreicheren Zeitpunkt «aufsparen», in dem vakante Sitze im Stadtrat neu zu besetzen sind.